FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel „Zu spät“: Reaktionen aus der Region Pirmasens zur Rücktrittsankündigung des Bundestrainers

War mit dem Nationalteam Weltmeister 2014, Vize-Europameister 2008, WM-Dritter 2010 sowie EM-Halbfinalist 2012 und 2016: Joachim
War mit dem Nationalteam Weltmeister 2014, Vize-Europameister 2008, WM-Dritter 2010 sowie EM-Halbfinalist 2012 und 2016: Joachim Löw, hier bei der EM-Gruppenauslosung in Bukarest.

Joachim Löw, seit 2006 Trainer der deutschen Nationalmannschaft, hat seinen Rücktritt angekündigt. Nach der EM vom 11. Juni bis 11. Juli ist für den Weltmeistercoach nach 15 Jahren Schluss. Die RHEINPFALZ sammelte dazu einige Meinungen aus der Region Pirmasens.

Löw hatte zuletzt keine Lösungen mehr und war nicht mehr auf der Höhe des Geschehens“, sagt der Pirmasenser Robert Jung, ehemals Zweitligaspieler und -trainer. Insbesondere mit dem Aussortieren der Leistungsträger Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller habe er eine krasse Fehlentscheidung getroffen: „Das war kein Stil.“ Der ehemalige Coach des FK Pirmasens und des FSV Mainz 05 kritisiert weiter: „Wir haben keine gescheite Abwehr mehr und können nicht zu null spielen. Das 0:6 gegen Spanien war eine Katastrophe.“ Daher komme der Rücktritt zu spät. Mit Blick auf einen Löw-Nachfolger merkt Jung an, dass er in Jürgen Klopp, der den FC Liverpool zur englischen Meisterschaft und zum Champions-League-Sieg führte, „keinen geeigneten Kandidaten“ sehe. Der 76-Jährige hatte einst Klopp in Mainz trainiert. Jung wünscht sich da eher den aktuellen Chefcoach des FC Bayern München, Hansi Flick: „Er hat alles im Griff, ist taktisch versiert, war schon Co-Trainer beim DFB und weiß, wie im Moment gespielt wird.“

„Mit seinem Latein am Ende“

„Löws Rücktrittsentscheidung ist richtig, kommt aber zu spät. Er ist mit seinem Latein am Ende, seine Zeit ist einfach vorbei“, nimmt Markus Reich, Sportvorstand beim Landesligisten SG Eppenbrunn, Stellung. Er habe „schon länger mit einem DFB-Aus von Löw gerechnet“. Der Verband hätte schon früher „etwas unternehmen müssen – jetzt ist es doch viel zu spät“. Es sei schwierig, einen geeigneten Nachfolger zu finden, aber: „Einen Klopp könnte man nehmen.“

Vielleicht wäre es rückblickend besser gewesen für Löw, er hätte nach dem Scheitern bei der WM in Russland seinen Hut genommen, befindet Thomas Hartmann, Spielertrainer der SG Harsberg/Schauerberg. 2018 habe Löw viel Gegenwind verspürt, jedoch habe er sich wohl in der Verantwortung gefühlt, „etwas wieder geradezubiegen“. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Löw „auch sehr viel Erfolg gehabt hat“. Deshalb habe der DFB ihm auch nach dem WM-Aus das Vertrauen geschenkt. An guten Trainern mangele es, so Hartmann, derzeit nicht in Deutschland, weshalb es nicht problematisch sein dürfte, einen Nachfolger zu finden. Gleichwohl ist Jürgen Klopp für Hartmann der „Kandidat Nummer eins“, auch wenn dieser bereits darauf verwiesen hat, dass sein Arbeitsvertrag mit dem FC Liverpool noch drei Jahre läuft.

Für Stefan Kuntz

Zwar sei es im Trainergeschäft immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt zu finden, „jedoch war der von Löw wohl zwei, drei Jahre zu spät“, befindet Oliver Reich, der Trainer des SV Erlenbrunn. Es sei anzuerkennen, dass er den WM-Titel geholt hat. Dann allerdings habe Löw mehrere Fehler begangen. Reich führt hier das Aussortieren von Boateng, Hummels und Müller an. Dass Jürgen Klopp der richtige Mann an der Spitze der Nationalmannschaft wäre, bezweifelt Liverpool-Fan Reich. Klopp sei ein Typ, der sich nichts, aber auch gar nicht von den Vereinsoberen, sagen lässt. Ein Kandidat sei doch sicherlich Stefan Kuntz, der mit der U21 des DFB hervorragende Arbeit leiste.

„Abgekartetes Spiel“

Für Leo Burkhart, den Sportvorstand beim FK Clausen, ist der angekündigte Rücktritt von Löw „ein abgekartetes Spiel“. „Im Moment sieht es so aus, als ginge Löw mit einer sauberen Weste. Dabei hat doch der DFB Druck auf Löw ausgeübt, dass dieser seine Kündigung einreicht“, spekuliert Burkhart. Löw habe nun seinen Rücktritt veröffentlicht, damit es zu folgender Konstellation kommt: Entweder er geht mit einem Erfolg, oder er geht mit einem Misserfolg, den dann niemand mit einem Rauswurf sanktionieren kann. Er habe „keine Idee“, wer als Nachfolger in Frage komme, sagt Burkhart. Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus schließe er „wegen fehlender Kompetenz“ aus, Hansi Flick bekenne sich zu Bayern München, Jürgen Klopp stehe in Liverpool unter Vertrag. Der einstige FCK-Torjäger Stefan Kuntz verfüge zwar über die fachliche Kompetenz, sei „aber sonst nicht unumstritten“.

Für Eric Groh, Trainer des SV Trulben, hat Löw den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst. Nach dem Desaster bei der WM in Russland wäre ein Rücktritt angebracht gewesen. So habe Löw den Weg verbaut, mit einem neuen Trainer und neuem Schwung die anstehende Europameisterschaft anzugehen. Auch das Ausbooten der „sehr erfahrenen“ Boateng, Hummels und Müller sei unangebracht gewesen und habe für „viel Durcheinander“ gesorgt. Klopp wäre ideal, nennt er seinen Lieblingskandidaten für den Bundestrainer-Job. Aber auch Matthäus oder Flick seien geeignete Kandidaten.

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