Pirmasens Will nicht der Besserwisser sein

Richtig konkret wird er nicht, will den Kollegen vor Ort nicht vorgreifen. Dennoch kündigt Polizeipräsident Wolfgang Erfurt in der Sommerredaktion an, dass es Möglichkeiten gibt, den Vandalen der vergangenen Wochen das Handwerk zu legen. Nach Zerstörungen im Strecktalpark und am Fußball-Kreisel ist Videoüberwachung für ihn ein Thema, temporär könnten Zusatzkräfte bei der Bereitschaftspolizei angefordert werden. Mit Oberbürgermeister Bernhard Matheis, der ein härteres Durchgreifen der Polizei gefordert hatte, habe er gesprochen. „Es geht nur im Schulterschluss zwischen Stadt und Polizei.“ Die Zusammenarbeit erleichtere, dass „Bürgermeister Peter Scheidel noch ein bisschen Polizistenblut in den Adern hat“, so der 64-Jährige. Erfurt betont, noch bei der „Problemanalyse“ zu sein. Wichtig ist ihm aber, seine Einschätzung der Lage zu transportieren. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass hier das Verbrechen tobt.“ Die Region Pirmasens sei „nicht auffällig“, sondern „weitestgehend sicher“. Er sehe Pirmasens nicht in einer „negativen Sonderrolle“, so der Chef des Polizeipräsidiums Westpfalz, das mit 1200 Mitarbeitern „das kleinste, aber feinste Präsidium“ im Land sei. „Pirmasens ist kein Einzelfall, kein Sonderfall, kein spezieller Fall.“ Blinde Zerstörungswut sei auch anderswo. „Das haben wir in anderen Städten unisono.“ Was er nachvollziehen könne, sei, dass sich die Bürger in ihrem Sicherheitsbedürfnis beeinträchtigt fühlten. „Verhindern kann man so etwas nicht, aber eindämmen.“ In ersten Gesprächen zwischen Polizei und dem Bürgermeister sei es darum gegangen, mehr Präsenz zu zeigen, die Streifenstärke zu erhöhen, mehr Zivilkräfte einzusetzen. Von einer flächendeckenden Überwachung mit Kameras hält er nichts. „Aber wenn es eine Häufung von Straftaten gibt, kann man temporär über so etwas nachdenken. Das muss aber vor Ort entschieden werden, ich will nicht als Besserwisser dastehen“, so der gebürtige Saarländer, der seinen Dienstsitz in Kaiserslautern hat und in Dannenfels am Donnersberg lebt. Ein Problem sei, dass Polizei nicht „unbegrenzt verfügbar“ ist, so der Polizeichef. Von Personalproblemen will Erfurt nicht direkt reden. Sagt: „Die Kollegen machen einen tollen Job, das habe ich ihnen bei einer Personalversammlung gerade gesagt. Aber wir haben mit einem Schnitt von 50 Jahren eine ungünstige Altersstruktur.“ Das habe auch etwas mit der Westpfalz zu tun. „Wer es hierher geschafft hat, bleibt. Wir haben so gut wie keine Fluktuation.“ Aber eine Reihe von Kollegen sei gesundheitlich eingeschränkt. Erfurt weiß, was Sache ist in seinem Beritt, auch wenn er die Dienststellen zwischen Kusel und der saarländischen Grenze – seine Zuständigkeit bezieht sich auf 500.000 Menschen – nur einmal im Jahr besucht. Die Südwestpfalz kenne er besser als die Stadt Pirmasens, gesteht er. „Meine Frau und ich erkunden alles mit dem Rad.“ Ab Montag geht es mit der achtjährigen Enkelin ebenfalls zum Radeln – an den Gardasee. Mosel, Bodenseeumrundung, Main, Altmühltal – der Polizeichef hat die guten Radrouten in der Republik durch. Das gehört zu seinem Sommerprogramm. In den kühleren Monaten zieht es ihn eher in die Ferne. Einsatz in Bolivien, Indien, Sri Lanka - alles schon da gewesen.