Pirmasens
Wie sich das Schokoladenunternehmen Wawi derzeit neu erfindet
Die Zeiten in der Schokobranche waren schon einmal einfacher. Zwar naschen die Konsumenten nach wie vor, allerdings sehen sie sich an der Supermarktkasse mit Preisen für Schokolade konfrontiert, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Der Grund sind die im Vergleich zu früher extrem gestiegenen Preise für Kakao.
Davon kann auch Wawi-Chef Richard Müller ein Liedchen singen. „Wir spüren einen extremen Druck durch die Kakaopreise“, sagt er. Er nennt dazu ein paar Zahlen. So sei es noch gar nicht so lange her, dass eine Tonne Rohkakao 1800 britische Pfund gekostet habe. Zwischenzeitig sei der Preis für die gleiche Menge sogar auf 10.000 britische Pfund gestiegen und liege derzeit bei rund 5300 britischen Pfund. Müller geht nicht davon aus, dass die Preise von früher noch einmal zurückkommen: „Das alte Normal wird es nicht mehr geben.“
Und das hat handfeste Auswirkungen auf das Traditionsunternehmen Wawi. Müller berichtet, dass einer der größten Osterkunden der Firma seinen Sitz in Südafrika habe. Den dortigen Endverbrauchern seien die gestiegenen Preise für Schokoladenhasen und Co. nicht vermittelbar. Es fehle ihnen schlichtweg an Geld dafür. Für den Produktionsstandort Münchweiler war das ein ernstes Problem. Wenn der Absatz fehlt, droht der Produktion eine Zwangspause.
„Eine Million ist schnell weg“
Allerdings hat Wawi reagiert. Die Verantwortlichen nutzen jetzt für einen Teil ihrer Süßwaren Kakaocreme statt Schokolade. Die deutlich günstigere Creme verträgt sich jedoch nicht mit der klassischen Schokolade. Das bedeutet, in Münchweiler wurde von der Annahme über den Tank bis hin zu Leitungen und mehr eine Parallelstruktur aufgezogen, in der nur die Kakaocreme fließt, streng getrennt von den Leitungen für die Schokolade. „Eine Million Euro ist da schnell weg“, sagt Müller zu den damit einhergehenden Investitionen.
Während die Wawi-Schokolade einen Kakaoanteil von rund 30 Prozent hat, beinhaltet die Kakaocreme laut Müller gerade einmal acht Prozent Kakaopulver. Das wiederum verträgt sich nicht gut mit dem Markenversprechen von Wawi: extrahelle Edelvollmilchschokolade. Allerdings gibt es bei dem Unternehmen die fast 100 Jahre alte Marke Moritz. Die stand bislang vor allem für Eiskonfekt. Nun werden unter ihrem Logo auch andere Süßigkeiten produziert, beispielsweise Puffreis. Einen Namen hat sich Wawi auch mit Hohlkörperfiguren gemacht, etwa mit Schokohasen und -Nikoläusen. Genau wie beim Puffreis werden die deutlich günstiger, wenn sie nicht mit Schokolade, sondern mit Kakaocreme hergestellt werden. Die Produkte scheinen gut anzukommen. Von einer „wahnsinnigen Nachfrage“ berichtet Müller bei den Moritz-Osterhasen in diesem Jahr.
Das Geschäft läuft gut
Parallel dazu beobachtet der 35-Jährige einen deutlichen Rückgang beim Verkauf der klassischen Wawi-Weihnachtsprodukte. Für 2024 spricht er von zehn Prozent, in diesem Jahr rechnet er mit bis zu 20 Prozent Rückgang. Die Wawi-Mitarbeiter müssen sich aber keine Gedanken um ihre Jobs machen. Gerade weil die Moritz-Linie so gefragt sei, geht Müller davon aus, dass im Herbst wohl Wochenendschichten in Münchweiler notwendig sein werden.
Neues Geschäftsfeld bei Wawi
Aber Wawi erfindet sich nicht nur ein Stück neu, was die Süßwaren angeht, sondern erschließt derzeit ein weiteres Geschäftsfeld. Richard Müller berichtet, dass er mit sogenannten High-Protein-Produkten an den Markt gehe. Diese speziellen Nahrungsmittel spielen vor allem für Sportler eine Rolle, finden sich aber zunehmend auch in den Regalen von Supermärkten und Discountern. Wawi hat laut Müller nicht nur Erfahrung in der Produktion von Müsliriegeln, sondern auch was die Herstellung von Cremes angeht, die bislang beispielsweise als Füllung von Schoko-Naschwerk benutzt wurden. Diese Expertise nutzt das Unternehmen, um Aufstriche, Riegel und Pulver zu produzieren, die einen sehr hohen Proteingehalt haben und dennoch gut schmecken sollen. Die Produktion des neuen Geschäftsfeldes ist im Werk im fränkischen Burghaslach angesiedelt. Müller kündigt zudem an, im kommenden Jahr in das Geschäft mit Kapseln einsteigen zu wollen, also speziellen Nahrungsergänzungsmitteln.
Weltweit beschäftigt Wawi rund 1000 Mitarbeiter. 450 davon im eigenen Werk in China. In Deutschland sind es 300 Angestellte, knapp die Hälfte davon in der Südwestpfalz. Am Sommerwald in Pirmasens betreibt Wawi einen Fabrikverkauf. Und dort gibt es seit einigen Tagen etwas Neues: Eis. Und zwar nicht irgendein Eis, sondern ein Eis, in dem vor Ort unterschiedliche Wawi-Produkte eingearbeitet werden.
