Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Wie im Museum: Was sich im Plub in der Zwangspause tut

Still ruht das Becken. Ob das mit den anderthalb Metern Abstand noch stimmt, wenn das Hallenbad irgendwann wieder öffnet?
Still ruht das Becken. Ob das mit den anderthalb Metern Abstand noch stimmt, wenn das Hallenbad irgendwann wieder öffnet?

Es riecht nach Schwimmbad. Die Becken sind gefüllt. Leise plätschert Wasser, ansonsten herrscht ungewohnte Stille. Jeden Moment könnten sich die Türen öffnen, Besucher hereinströmen, möchte man meinen. Doch wann dieser Moment kommt, ist unklar: Das Plub ist wegen Corona seit November erneut geschlossen. Ein Besuch.

Ein geschlossenes Schwimmbad hat eine ganz eigene Ästhetik. Es wirkt still, sauber, unberührt − und irgendwie trostlos. So ist auch manchmal Dominik Pfundstein, dem stellvertretenden leitenden Schwimmmeister im Bad, zumute. Egal, wie lange die Zwangspause noch dauern wird: „Ich werd’ mich nicht daran gewöhnen“, sagt er angesichts der Ruhe. Ihm fehlt der Kontakt mit den Badegästen, der Austausch, die Abwechslung. Viele Badegäste kennt er seit Jahrzehnten; man duzt sich längst. Wenn er sie im Supermarkt trifft, fragt ihn fast jeder: „Wann macht das Plub wieder auf?“ Schwer zu sagen, schwer hinzunehmen, gilt doch ansonsten: Das Plub ist ein Kombibad, ein Teil hat immer auf. Derzeit nicht.

Der Großteil der 26 Plub-Mitarbeiter ging nach und nach in Kurzarbeit, nachdem sie erst noch in anderen Stadtwerke-Bereichen mitarbeiteten, etwa in der Verwaltung, bei der Zählerablesung und im Callcenter. Die fünf Auszubildenden können ihre Ausbildung zu Fachangestellten für Bäderbetriebe trotz Corona fortsetzen. Sie sitzen zum Theorieunterricht verteilt an mehreren kleinen Tischen rund um die Becken, und sie dürfen − anders als derzeit alle anderen in der Stadt − im Plub schwimmen gehen.

Kein Kinderlachen, kein Toben

Stichwort Schwimmen: Die großen Wasserbecken, die so still daliegen, üben eine eigentümliche Faszination aus. 1200 Quadratmeter Wasserfläche bietet das Kombibad. Jetzt eintauchen, ein paar Bahnen ziehen. Etwa 26 Grad hat das Wasser drinnen. Auch die Luft im 2010 sanierten Hallenbad ist bei Weitem nicht so warm wie sonst. Der Lockdown erlaubt es den Stadtwerken, Heizkosten zu sparen, und die Luft wird längst nicht so häufig getauscht. Der Whirlpool neben der künstlich gestalten Felsenlandschaft, die den Pfälzer Buntsandstein imitiert, ist leer; der Kinderbereich mit der Edelstahlrutsche ist verlassen. „Es ist schon seltsam, wenn man weiß, was hier sonst los ist“, sagt Pfundstein. Kinderlachen, Toben. Im März 2020, da herrschte den halben Monat Lockdown, zählte das Bad noch gut 5000 Besucher. Im März 2019 waren es knapp 12.900. Diesen März: 0. „Aktuell wirkt das Plub fast wie ein Ausstellungsstück. Es hat musealen Charakter“, stellt Plub-Bereichsleiter Peter Zimmermann fest.

Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr macht sich Gedanken über den Tag X, wenn das Plub irgendwann wieder öffnen darf: Verlangt das Land dann ein Hygienekonzept wie im vergangenen Jahr oder ein strengeres? Wie viele Besucher auf einmal sind dann zulässig? Machen die neuen Virusmutationen einen größeren Abstand der Badegäste untereinander erforderlich? „Wir wissen prinzipiell, was wir zu tun haben, aber nicht, wie weit die Maßnahmen diesmal gehen sollen“, sagt Dörr.

Becken bleiben dennoch gefüllt

Draußen, im 2005 sanierten Freibad-Bereich, haben sich die Maulwürfe breitgemacht: Die Liegewiesen zählen etliche Hügel. Kein Schwimmer ist in Sicht, um diese Jahreszeit eh nicht, doch wieso ist das Becken dann gefüllt? Das habe mit Druck zu tun, erläutert Peter Zimmermann. Wäre das große Edelstahlbecken leer, könnte es durch den Druck im umliegenden Erdreich eingedrückt werden. Das Wasser sorge für den notwendigen Gegendruck. 1800 Kubikmeter fasst das große Becken.

Der Blick schweift. Zum denkmalgeschützten Schwimmbadgebäude im Bauhaus-Stil, zum Kiosk, zur großen, gelben Rutsche. Dominik Pfundstein hingegen hat den Blick für die kleinen Details um ihn herum: Hier muss Flugrost an den Pfosten entfernt werden, die sonst das Sonnensegel halten; dort müssen der Edelstahl und die Rinnen am Beckenrand poliert werden. Hinzu kommen viele Arbeiten hinter den Kulissen: Pumpen putzen, Technik säubern, Chemikalien vorbereiten. Die Arbeit mehrerer Wochen, am besten direkt vor der Eröffnung zu erledigen. Doch die liegt in ungewisser Ferne. „Wir wollen Gäste haben“, sagt Stadtwerke-Chef Dörr in die Stille. „Wir leben nicht von der Schließung.“

Wann macht das Bad wieder auf?

Es gibt kein Datum, an dem der seit November geschlossene Pirmasenser Luft- und Badepark (Plub) wieder aufmachen darf. „In den jüngsten Corona-Verordnungen des Landes war von Bädern gar keine Rede“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr. Demnach könne es noch dauern. Doch wollen die Stadtwerke vorbereitet sein, falls das Land den Tag X irgendwann mitteilt. Geschäftsführer Dörr hat dem Aufsichtsrat diese Woche drei Szenarien vorgestellt: Es öffnet dann nur das Hallenbad. Es öffnet nur das Freibad. Es öffnen beide Bereiche. Dörr ist für die Variante nur Freibad, der Aufsichtsrat sieht das nach seinen Worten ebenso. Laut Dörr braucht das Bad etwa vier Wochen Vorlaufzeit, ehe es aufmachen kann. Mit diesen Vorarbeiten werde das Plub-Team nach Ostern beginnen, um spätestens Ende Mai startklar für die Freibad-Saison zu sein, sollte das Land dann die Öffnung der Schwimmbäder erlauben.

Dörr berichtet im RHEINPFALZ-Gespräch, er habe Oberbürgermeister Markus Zwick vorgeschlagen, sich mit Landrätin Susanne Ganster und dem Zweibrücker Oberbürgermeister abzustimmen: Sollten die Bäder wieder öffnen dürfen, wäre es laut Dörr gut, „wenn alle plus minus zwei Tage zur selben Zeit offen hätten“. Dadurch lasse sich „Schwimmbadtourismus“ in der Südwestpfalz vermeiden.

Drei Herren im (Frei)Bad: Bereichsleiter Peter Zimmermann, Stadtwerke-Chef Christoph Dörr und Schwimmmeister Dominik Pfundstein
Drei Herren im (Frei)Bad: Bereichsleiter Peter Zimmermann, Stadtwerke-Chef Christoph Dörr und Schwimmmeister Dominik Pfundstein (von links) beraten, was zu tun wäre, wenn man aufmachen dürfte.
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