Pirmasens
Wie ein Pirmasenser Reisebüro dem Abwärtstrend der Branche trotzt
Totgesagte leben länger: Dieses alte Sprichwort trifft auf Reisebüros zu. Durch das Internet und Online-Buchungen vom heimischen Sofa aus wurde den Reiseanbietern vor Ort schon lange ihr Untergang prophezeit. Das City Reisebüro in Pirmasens möchte von diesem vermeintlichen Trend aber nichts wissen. Trotz mehrerer Umzüge hat das Reisebüro seit mehr als 50 Jahren seinen festen Platz in der Schuhstadt. Seit September unter neuer Führung: Das Ehepaar Jan und Laura Schindler beerbte Inge-Lore Rose und Roland Müller. Und das mit Erfolg, wie Jan Schindler berichtet: „Wir haben dieses Jahr 15 Prozent mehr Umsatz gemacht als vor Corona.“ Laut eigenen Angaben war es das erfolgreichste Geschäftsjahr der langen Unternehmensgeschichte.
Die Gründe dafür sieht das Paar hauptsächlich im großen Kundenstamm und der Erfahrung der Mitarbeiter. „Manche sind schon seit über 20 Jahren dabei und kennen jedes Reiseziel“, betont Schindler. Es vergehe keine Woche, in der die Schindlers oder einer der zehn Mitarbeiter nicht unterwegs seien. „Das sind meist sogenannte Inforeisen“, sagt Laura Schindler. Heißt: Die Mitarbeiter informieren sich vor Ort über die Hotels, die sie anbieten. Aber natürlich profitiere jeder auch von den Erfahrungen, die bei privaten Urlaubsreisen gesammelt werden. „Persönlich über ein Reiseziel sprechen zu können, ist etwas ganz anderes, als nur Zahlen vorzulegen. Das merken die Kunden“, so Jan Schindler.
Kunden wollen Service und Sicherheit
Ein weiterer Punkt, weshalb ihre Kunden das Reisebüro dem Internet vorziehen, sei das Thema Sicherheit. „Es geht um viel Geld. Die Kunden wollen Sicherheit und Service, falls etwas passiert“, erklärt Laura Schindler. In jüngster Vergangenheit haben – neben der Corona-Pandemie – Pleiten von Reiseveranstaltern dazu geführt, dass etliche Urlauber ihre Reise vorzeitig abbrechen mussten und nicht wie geplant heimfliegen konnten. Zudem gebe es mittlerweile wesentlich mehr individuelle Wünsche der Reisenden. Jan Schindler: „Manche wollen ein bestimmtes Zimmer oder dass der Mietwagen schon direkt vor der Tür steht. Aber auch Gruppen- und Familienreisen mit mehreren Kindern lassen sich nicht so einfach übers Internet buchen.“
Zwar bestehe ein großer Teil des Kundenstamms aus Leuten im Rentenalter, doch das Klischee, dass nur alte Menschen noch ins Reisebüro gehen, können die beiden nicht bestätigen. „Es kommen auch viele junge Pärchen und Familien, die gerne hochpreisig reisen – zum Beispiel als Hochzeitsreise“, berichtet Jan Schindler. Insgesamt sei zu beobachten, dass die Nachfrage an luxuriösen Reisen steige. „Die Welt ist offen – es gibt nichts, was es nicht gibt“, ergänzt seine Ehefrau. So gebe es inzwischen viele Spezialanbieter, die Reisen abseits der üblichen Tourismus-Routen ermöglichen, beispielsweise nach Afrika und Asien.
Schon Buchungen für 2026
Das bedeute aber nicht, dass die Pirmasenser und Südwestpfälzer nur noch prunkvoll verreisen. „Unser Hauptzugpferd sind immer noch Club- und Pauschalreisen – die klassischen Jahresurlaube“, sagt Jan Schindler. In diesem Jahr seien alle möglichen Ziele im Mittelmeerraum am beliebtesten gewesen, egal ob Balearen, Türkei, Griechenland oder Ägypten. Aber auch Reisen in die USA, nach Asien sowie Kreuzfahrten stehen hoch im Kurs.
Für das kommende Jahr ist ein Großteil der Reisen schon unter Dach und Fach. Damit haben nicht einmal die Betreiber gerechnet: „Wir sind selbst überrascht. Ein Drittel des Jahresumsatzes ist schon drin. Viele Kunden haben schon für 2025 gebucht, manche sogar schon für 2026.“ Das empfehle sich aber ohnehin, wie die Reiseexperten sagen: „Die Zeiten von Last-Minute-Schnäppchen sind vorbei. Wenn man etwa ein halbes Jahr im Voraus bucht, ist es meist am günstigsten.“
„Das Fernweh ist schon da“
Wer Tag für Tag mit Urlauben konfrontiert wird, wird unweigerlich selbst vom Reisefieber gepackt. Da bilden Jan und Laura Schindler keine Ausnahme. „Das Fernweh ist schon da, aber wir kommen auch viel rum“, sagt Laura Schindler. Ihnen ist es wichtig, besonders neue Ziele aus ihrem Angebot selbst zu bereisen. Deshalb geht es im kommenden Jahr erstmals in den Senegal. „Wir wollen wissen, was wir verkaufen“, betont das Ehepaar.