Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn Hildegard trauert: „Kunschdraum“-Künstler stellen aus

Ewald Git überrascht in der Lutherkirche mit sehr naturalistischen Darstellungen vom Eisweiher und vom Strecktalpark.
Ewald Git überrascht in der Lutherkirche mit sehr naturalistischen Darstellungen vom Eisweiher und vom Strecktalpark.

13 Pirmasenser Kunstschaffende präsentieren derzeit in der Lutherkirche ihr sehr breitgefächertes Spektrum an Malerei und Skulpturen. Die Hauptrolle spielt eine Kuh.

Alle Künstler sind Mitglied des Pirmasenser Vereins „Kunschdraum“, der wenige Meter entfernt sein öffentliches Atelier hat. Seit 2021 versammelt der Verein ambitionierte Maler und Kreative in seinem Atelier – zunächst sehr beengt in einem kleinen Laden in der Bahnhofstraße und seit zwei Jahren in den Räumen des früheren Modehauses Ackermann. Wo früher feine Anzüge und sportliche Herrenbekleidung angeboten wurde, wird jetzt gemalt und vor allem sich ausgetauscht. Die Früchte dieser Arbeit zeigt die Ausstellung „Hauptsache Kunst“ in der Lutherkirche noch bis 20. Dezember.

Die Bandbreite der gezeigten Malerei und Objektkunst ist sehr groß. Das fängt bei Farbexperimenten von Matthias Kiefer an, der gerne auf Leinwänden alle möglichen und unmöglichen Farbkombinationen austestet und auch mal vermeintlichen Abfall in eine Komposition integriert. So bei einem Gemälde, das in Grüntönen gehalten ist und durch dünne Plastikröhrchen ergänzt wird, die zu Rautenformen zusammengeklebt wurden. Kiefer ist eben experimentierfreudig.

Der Hingucker in der Ausstellung ist das großformatige Kuhgemälde "Hildegard trauert" von Marianne Bonert (Ausschnitt).
Der Hingucker in der Ausstellung ist das großformatige Kuhgemälde »Hildegard trauert« von Marianne Bonert (Ausschnitt).

Das trifft auf Roland Küster erst recht zu. Im Atelier liebt er es, in der Manier von Jackson Pollock farbspritzend auf Leinwänden zu agieren. Für die Lutherkirche hat er sich mit dem christlichen Glauben auf seine Art auseinander gesetzt. Gleich zwei Objektbilder beinhalten Kreuze. In einem Objekt springt die Jesusfigur mit einem Bungeeseil vom Kreuz. Einen anderen Gott, das Geld, hat er fein geschreddert in Gläser abgefüllt. Von der Bundesbank aussortierte Geldscheine konnte er dazu verwenden. Küster demonstriert mit den Kreuz- und Geldobjekten, dass er eben keinen Respekt vor Institutionen hat, die anderen heilig sind.

Viel gesitteter geht es da auf den Gemälden von Ilse Graf zu, die das berühmte Gemälde „Mädchen mit Perlenohrring“ neu interpretiert oder Ansichten des Petersdoms zeigt und einen Leuchtturm richtig plastisch auf eine Leinwand modelliert hat.

In der Lutherkirche zeigt Oksana Graf ein Gemälde mit Koi (Ausschnitt).
In der Lutherkirche zeigt Oksana Graf ein Gemälde mit Koi (Ausschnitt).

Ganz naturalistisch arbeitet auch Oksana Graf, deren Koi-Gemälde in der Ausstellung heraussticht. Eine präzise Sicht auf Pirmasens liefert Ewald Git in mehreren kleinen Gemälden. Eisweiher und Strecktalpark wurden von Git in sehr sauberer Manier auf Leinwand gebannt. Dazu kommen Stadtansichten, wie sie auch Rita Hupfer in ihren Bildern malt.

Technisch brillant hebt sich Marianne Bonert von ihren Mitausstellern ab. Ihre großformatige Kuh zieht den Blick sofort an. Daneben zeigt sie bei einem Katzen- und Hasenbild ihr ganzes Können. Allein mit Buntstiften ist Bonert hier ein perfektes Bild gelungen.

Weitere Aussteller sind Karin Schieler, August Eberle, Manuela Sauer, Masoumeh Dizaji, Nina Rogg, Christian Wackwitz und Steffen Bauer.

Die Ausstellung

„Hauptsache Kunst“; Lutherkirche Pirmasens, bis 20. Dezember, montags bis samstags von 11 bis 13 Uhr.

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