Radsport
Wasgau-Bike-Marathon des SV Lemberg mit „Wetten, dass ...“-Kandidat
Zwei Trialspezialisten, Felix Kaiser aus Bühl bei Karlsruhe und sein Sportsfreund Daniel Gorez aus Koblenz, zeigen am Freitag bei der obligatorischen Nudelparty am Abend vor dem kurz „Wasi“ genannten Wasgau-Bike-Marathon, was man mit einem Fahrrad ohne Sattel und ohne Gangschaltung so alles anstellen kann: Hochspringen, Weitspringen, auf Paletten und über den Moderator springen. Zuvor präsentierten Mitglieder des Hundesportvereins Münchweiler in der Freizeithalle, was ihre Vierbeiner können. Zwei Lemberger Mädels von „Pole fit“ begeistern mit ihrer Vorführung ebenso.
Einer der „Bike Brothers“, Felix Kaiser, erzählt am Rande, dass er im November 2022 in der ZDF-Show „Wetten, dass …“ eine Fahrradwette gewonnen hat. Er befuhr dabei aufeinandergestapelte Bierkästen auf dem Hinterrad bis zu einer Höhe von drei Metern.
Ohne Unterschenkel
„Guten Tag im Sattel!“ So begrüßt Lukas Hoffmann, der neben Markus Appelmann zum Moderatorenteam des „Wasi“ gehört, die 1041 Teilnehmer am Samstagmorgen. Der Redakteur des „Mountainbike-Magazins“ hat am Freitag die Familientour über 25 Kilometer getestet. „Es sind nicht nur Waldautobahnen“, stellt er fest, während um 9 Uhr viele der Biker auf die Strecke gehen.
Es stehen drei zur Wahl: eine über 93 Kilometer mit 2200 Höhenmetern, eine über 53 Kilometer (1500 Höhenmeter) und eine über 25 Kilometer (480 Höhenmeter). Die meisten, 545 an der Zahl, sind auf der 53-Kilometer-Distanz unterwegs, 295 Biker sind es auf der kurzen Runde, 201 auf der Langdistanz.
Der Gerolsteiner Ralf Luxen ist für die Mitteldistanz gemeldet. Die letzten Kohlenhydrate, eine Schale Müsli, nimmt der 57-Jährige um 8.25 Uhr zu sich. Sein rechter Unterschenkel ist amputiert, ein Magnet im Pedal ersetzt das Körperteil. „Das geht problemlos“, sagt er beiläufig, während er mit zwei Freunden aus der Eifel im Sattel seines E-Bikes auf die 55 Kilometer geht. Überhaupt ist die Anzahl derer, die mit Elektroantrieb unterwegs sind, in den vergangenen Jahren gefühlt stetig gestiegen. Eine Statistik gibt es hierüber allerdings nicht. Bei der Anmeldung wird nicht zwischen den Radtypen unterschieden. „Es spielt auch keine Rolle, denn es geht ja nicht um Zeit, sondern nur ums Erlebnis“, erläutert Appelmann, im Hauptberuf Moderator bei Sat1. Der TV-Profi aus Clausen ist selbst auch schon mitgefahren. Dieses Jahr beschränkt er sich auf die Moderation und die Logistik. Sein Unternehmen „InMedia“ ist zusammen mit der Radsportabteilung des SV Lemberg der Veranstalter.
Zu den jüngsten Teilnehmern gehören die Zwillinge Jonas und Jan Vatter aus Ruppertsweiler. Die 13-Jährigen wollen zusammen mit ihrem gleichaltrigen Schulfreund Elias Stengel aus Münchweiler die 53 Kilometer fahren. Elias’ Vater begleitet die junge Truppe mit Elektroantrieb-Unterstützung. Nach etwa acht Kilometer legt die Gruppe eine kurze Pause ein an der Stelle, an der sich die 25-Kilometer-Strecke von den beiden längeren Distanzen trennt. „Wie viel Wasi ihr wollt, das entscheidet ihr“ – diese Worte von Moderator Hoffmann macht sich die Gruppe zu eigen und entscheidet sich für die 53er-Runde.
Die waghalsigen Überholmanöver einiger „Pistenrowdys“ seien nervig und unnötig, stellen die drei Nachwuchsbiker fest. Die Verpflegung passt, die Muskeln spielen mit, das fahrerische Können ist ausreichend, und Petrus beschwert Sonnenschein, der sich im Laufe des Vormittages schnell gegen den Nebel durchsetzt. Ideale Bedingungen also. Unterwegs tauschen sie die Räder. Jeder darf mal aufs E-Bike. Erschöpft, jedoch sturzfrei kommt das Quartett gegen 15.45 Uhr an. „Hammer-Trails, aber anspruchsvoll“, lautet ihr Fazit.
Bachmanns Pech
Für Klaus Bachmann ist der „Wasi“ statt nach 53 schon nach sieben Kilometern zu Ende. Kurz vor der Überquerung der Straße zwischen Lemberg und Salzwoog reißt dem aus Hürth bei Köln kommenden Biker die Kette. Frustriert steht er, der sich lange auf den Bike-Marathon vorbereitet hatte, am Straßenrand und wird vom Reporter dieser Zeitung mit dem Auto ins Ziel gebracht. „Wir haben leider keine Ersatzkette auftreiben können, sein Bike war zu alt“, sagt Rolf Gumbert vom SV Lemberg.
Gesprächsthema während der Tour ist auch die Sabotageaktion einiger „Vollpfosten“, wie aus Kreisen der Biker des Öfteren zu hören war. Die haben an einigen markanten Stellen bei Lemberg und Dahn die orangefarbenen Wegweiser entfernt. Das führt zu Irritationen. Letztlich kommen alle ins Ziel, einige mit einigen Kilometern mehr als gewollt in den Beinen.