Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Was eine Pirmasenser Straße mit Stollwerk-Sammelbildern und einem Satireblatt zu tun hat

Vom Künstler bleiben die Slevogtstraße in Pirmasens – vor allem aber bleiben Tausende von Gemälden, Skizzen, Karikaturen und Zei
Vom Künstler bleiben die Slevogtstraße in Pirmasens – vor allem aber bleiben Tausende von Gemälden, Skizzen, Karikaturen und Zeichnungen.

Er war sehr fleißig, ungemein kreativ, hatte viele und vielfältige kulturelle Talente, gilt als herausragender Impressionist und ist daher verdientermaßen Namensgeber der Slevogtstraße im Pirmasenser Stadtteil Ruhbank. Max Slevogt zeigte bereits als Vierjähriger sein künstlerisches Talent, und seine in Saarbrücken geborene Mutter förderte das.

Slevogt wird als „König der Illustration“ bezeichnet und verbrachte sein Leben zum großen Teil auf einem Hof (Neukastel) in Leinsweiler bei Landau. 1868 in Landshut geboren, studierte er bereits als 16-Jähriger an der Akademie für Bildende Künste in München (1884 bis 1889) und absolvierte 1889 ein Semester an der Académie Julian in Paris. Jedoch malte Slevogt, der sich in jungen Jahren zwischen einer Karriere als Sänger oder Maler entscheiden musste, nicht nur. Er war ein außergewöhnlich guter Karikaturist, ein vorzüglicher Zeichner, dem seine ganz frühe Ausbildung gestattete, einen feinen Pinsel zu führen. So arbeitete er früh für das in München erscheinende Satireblatt „Simplicissimus“. Für den Kölner Schokoladenproduzenten Ludwig Stollwerck entwarf er die berühmten Stollwerck-Sammelbilder.

Zwei Cousins machten ihn berühmt

1897 hatte Slevogt seine erste Einzelausstellung in Wien. Im Jahr darauf beteiligte er sich mit dem Gemälde Danaë an der Ausstellung der Münchner Sezession. Das Bild wurde aber wegen angeblicher Obszönität aus der Schau entfernt. Auf der ersten Ausstellung der Berliner Sezession war sein Tryptichon „Der verlorene Sohn“ ein großer Erfolg. Und damit kehrte der Bayer München den Rücken.

Berlin wurde zu seiner Heimat, zumal er mit den Galeristen und Cousins Bruno und Paul Cassirer bekannt wurde, die ihm auf Dauer ein ordentliches Einkommen sicherten. 1899 zeigten die Cassirer Slevogt in einer Gruppenausstellung mit Werken der großen Edouard Manet, Edgar Degas und Puvis de Chavannes. Sie katapultierten ihn damit an die Spitze der internationalen Avantgarde. Slevogt wurde in einem Atemzug mit Max Liebermann und Lovis Corinth genannt, und er war Teil des sogenannten „Triumvirats des deutschen Impressionismus“.

Eine der schönsten Stellen der Pfalz

1901 weilte Slevogt zwei Monate im Frankfurter Zoo und schuf 29 Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle der Raubtiergehege und der Papageien. Da hatte er bereits seine Nini, die Tochter eines Zigarettenfabrikanten, geheiratet und hielt sich in den Sommermonaten besonders gern in der sonnigen Vorderpfalz auf. 1914 schließlich, dann schon zweimaliger Vater, kaufte er das heute als Slevogthof bekannte Anwesen bei Edenkoben von seinem finanziell klammen Schwiegervater. Den Großteil des Geldes dafür hatte er sich mit Bildern seiner fast schon legendären Ägyptenreise (1914) verdient.

Max Slevogt malte nicht nur mit Hingabe, er begeisterte sich für das Exotisch-Fantastische. Er illustrierte die Erzählungen aus 1001 Nacht, den Roman-Zyklus Lederstrumpf von James Fenimore Cooper, Shakespeares Hamlet und Märchenbücher der Gebrüder Grimm. Immer öfter erhielt er Aufträge, Bühnen- oder Wandbilder zu gestalten. Am allerliebsten malte er indes seine Frau, seine ganze Familie, einschließlich der Schwiegermama, sowie immer wieder die Pfalz an einer ihrer wohl schönsten Stelle zwischen Weinbergen und Haardt.

Wie malt man den Krieg?

Slevogt „fängt Augenblicke ein, mit flirrenden Farben und kurzen Pinselstrichen, sodass man die winzigsten Bewegungen – das Schwanken der Schatten, das Zittern der Blätter im Wind – zu sehen glaubt. Er malt diese Kunstwerke oft auf eine Zigarrenlänge“, schrieb ein Kritiker. Solch eine Zigarrenlänge-Würdigung ist indes ein Unikat. Aber: Slevogt war auch als Kriegsmaler im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Das Kriegserlebnis wirkte schockierend auf ihn. Er suchte nach angemessenen künstlerischen Gestaltungsformen, um die Schrecken des Ersten Weltkriegs aufzuzeigen.

Hochdekoriert, unter anderem gibt es eine Briefmarke von ihm, starb Max Slevogt 1932 in Leinsweiler. Es bleiben unter anderem die Slevogtstraße in Pirmasens-Ruhbank (und etliche weitere nach ihm benannten Straßen und Plätze) und Tausende von Gemälden, Skizzen, Karikaturen und Zeichnungen, die an den vor 152 Jahren geborenen Künstler erinnern.

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