RHEINPFALZ-Sommergespräch
Was ein Wirtschaftsförderer mit einer Kanzler-Puppe zu tun hat
Die ganze Welt redet von Corona. Da gerät oft in Vergessenheit, dass das SARS-Virus vor ein paar Jahren die Menschheit plagte. Wenngleich die damaligen Auswirkungen nicht mit den Folgen der Corona-Pandemie vergleichbar sind, so blieb das Virus Mark Schlick in Erinnerung.
Daran sei die Sache mit der Merkel-Puppe schuld. Schlick ist ja bekanntermaßen nicht nur städtischer Amtsleiter, sondern auch als Musiker unterwegs. Er spielt nicht nur Gitarre, sondern hat auch eine gute Stimme. Die ist so gut, dass er sie hin und wieder nutzt, um Werbespots fürs Radio zu sprechen – oder, um komödiantisch Stimmen zu imitieren. So war es auch vor einigen Jahren. Damals sollte er für eine Plastikpuppe die Stimme von Bundeskanzler Gerhard Schröder imitieren. Die Puppe fing dann auf Knopfdruck an zu tanzen und Schröder, alias Schlick sang eine Parodie. Dummerweise wurden diese Puppen in China produziert. Wegen des SARS-Virus durften die Schiffe mit den Kanzlerpuppen jedoch über Wochen die Häfen nicht verlassen. Das hatte zur Folge, dass sie mit etlicher Verspätung auf den deutschen Markt kamen – und der Absatz anders verlief als geplant. „Ich hatte dann den halben Keller voll mit Kanzler-Puppen“, erinnert sich Schlick und lacht herzhaft.
Von der Globalisierung zu Pirmasens
Weg von den Problemen der Globalisierung, hin zu Pirmasens. Der kreative Geist Schlicks steckt auch hinter der Kreativmesse „Kreativvitti“, die bereits zweimal erfolgreich über die Bühne ging. Die dritte Auflage war für November 2021 geplant. Die Veranstaltung wird wohl um ein Jahr verschoben werden müssen, sagt Schlick. Gerade die Kreativbranche sei momentan, Corona lässt grüßen, nur schwer ansprechbar und für eine Messe zu begeistern.
Aber langweilig wird es dem Wirtschaftsförderer Schlick deshalb nicht. in der Corona-Krise sei sein Amt gefragt gewesen. Vor allem kleiner Unternehmer hätten angerufen und um Hilfe gebeten. Er selbst habe ebenfalls zum Hörer gegriffen und die Mittelständler gefragt, wo und wie die Stadt sie unterstützen könne. Sein Fazit nach vielen Rückmeldungen: Für viele Unternehmen ist die Krise milder ausgefallen, als im Worst-Case-Szenario angenommen. Aber dennoch hätten die Firmen „viele Federn gelassen“. Die Stadt werde das bei den Gewerbesteuereinnahmen zu spüren bekommen, ist Schlick überzeugt.
Lob für den City-Manager
Eine „richtig gute Arbeit“ attestiert Schlick seinem Mitarbeiter Constantin Weidlich, dem City-Manager. Kritikern hält er entgegen, dass „übermenschliche Erwartungen“ an Weidlich gestellt wurden. Der Zustand der Innenstadt habe sich über Jahrzehnte aufgebaut, das könne ein City-Manager nicht so kurzerhand ändern. Aber Schlick ist sicher: „Hätten wir ihn nicht, wäre es noch trister.“
Außerdem sei der Ruf von Pirmasens bei Investoren gar nicht mal so schlecht. Sein Job sei es, die Stadt zu verkaufen, sagt Schlick und verrät: „Das ist bei externen Investoren teils einfacher als bei Investoren aus der Region.“ Als Beispiele nennt er etwa die neue Praxis für Strahlentherapie am Krankenhaus oder die Entwicklung auf dem ehemaligen Fuller-Gelände. In beiden Fällen hätten sich Geschäftsleute von außerhalb für Pirmasens interessiert.
Filialisten haben hohe Ansprüche
Es sei aber nicht einfach, Filialisten in die Pirmasenser Innenstadt zu locken. Die Konzernzentralen würden knallharte Vorgaben machen. Wenn beispielsweise die Kundenfrequenz oder die Größe der Ladenlokale nicht stimmten, gebe es direkt eine Absage. Schlick sagt: „Es muss mehr Aktion in die Innenstädte.“ Die Stadt müsse eine Bühne werden. Einkaufen und einen Kaffee Trinken reiche nicht mehr aus, um Kunden anzulocken. Die Stadt sieht er dabei in d er Pflicht, den entsprechenden Rahmen zu ermöglichen. Halloween habe gezeigt, dass es gelingen kann, tausende Besucher in die Pirmasenser Fußgängerzone zu locken.