Pirmasens
Was 400 Bürger am Montag auf die Pirmasenser Straßen trieb
„Omikron ist kein Spaziergang“ oder „Solidarisch aus der Pandemie“ war auf Transparenten zu lesen, die Teilnehmer der angemeldeten Kundgebung auf dem Exerzierplatz präsentierten. Die Schilder waren auf Vorrat gemalt worden und jeder, der wollte, konnte sich eines bei den Organisatoren holen. Dem Aufruf von Grüne, Kirchen und der Gewerkschaft Verdi waren auch Sozialdemokraten und vereinzelt CDU-Mitglieder gefolgt. „Ich will den Gegnern der Corona-Maßnahmen nicht die Straße überlassen“, begründete SPD-Stadtratsmitglied Wolfgang Deny seine Teilnahme und Giuseppe Di Benedetto wollte sich stark machen für die Impfung, die der einzige Weg aus der Pandemie sei.
Angemeldet hatte die Kundgebung die Grüne-Stadtverbandsvorsitzende Felicitas Lehr, die auf dem Exerzierplatz dazu aufrief, die Maßnahmen im Sinne des Gemeinwohls mitzutragen und eigene Bedürfnisse zurückzunehmen. Mehrere Redner wandten sich gegen den Egoismus von Impfverweigerern und Kritikern der Corona-Maßnahmen. So auch Gerald Wolf, der sich selbst als Wutbürger bezeichnete, der wegen der Impfskeptiker in Wut gerate, da diese ihren Egoismus als Eigenverantwortung bezeichneten.
„Danke für über 85 Prozent Solidarität“ hatte der Obersimter Bürgermeister Torsten Höh auf seinem Transparent stehen als Anspielung auf die hohe Impfquote im Landkreis . Er sei als Privatmann hier, betonte der Christdemokrat ebenso wie Martin Oden, der früher CDU-Fraktionschef im Pirmasenser Stadtrat war.
An die vielen Mitarbeiter im Gesundheitswesen erinnerte Dunja Maurer als Vertreterin der Gewerkschaft Verdi. Diese verdienten eine gerechte Entlohnung, so Maurer, die dazu aufrief, keine gemeinsame Sache mit Faschisten und Rassisten zu machen, die Veranstaltungen wie die so genannten Spaziergänger zu unterwandern versuchten. Grüne-Sprecherin Lehr warnte die Teilnehmer der Kundgebung vor Diskussionen mit „Spaziergängern“. „Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen mit denen ein. Das bringt nix“, so Lehr. Eine Meinung, die der Rodalber Manfred Rosin nicht teilen wollte. Der Teilnehmer mehrerer „Spaziergänge“ hatte sich auch die Kundgebung am Exe angesehen. „Ich habe da gut mit einem Mann diskutiert. Der Gegenseite zuzuhören, gehört für mich zur Demokratie auch dazu“, so Rosin. Am Rande der Kundgebung war auch der AfD-Fraktionschef Ferdinand L. Weber zu sehen. „Ich gucke mir das alles an, damit ich auch mitreden kann“, begründete er seine Anwesenheit auf dem Exerzierplatz und später auf dem Schlossplatz, wo sich die Spaziergänger diesen Montag trafen, um der Kundgebung auf dem Exe aus dem Weg zu gehen.
„Es waren alle sehr friedlich“, resümierte am Ende des „Spaziergangs“ der Leiter des Ordnungsamts, Steffen Schmitt. Die Maskenpflicht sei von 95 Prozent der Teilnehmer eingehalten worden. „Es gab aber viele Befreiungen, die wir noch überprüfen werden“, kündigte er an.