Pirmasens
Warum Wawi im November schon Osterhasen produziert [mit Bildergalerie]
Warum produziert Wawi Mitte November schon Osterhasen?
Der Pirmasenser Süßwarenhersteller beliefert nicht nur den deutschen Markt. Die Exportquote liegt bei über 60 Prozent. Unter anderem hat Wawi Kunden in Übersee. Alleine die Lieferzeiten erfordern eine frühzeitige Produktion. Hinzu kommt: Das Weihnachtsgeschäft ist für Wawi faktisch so gut wie abgeschlossen. Die Lager der Händler und der Handelsketten sind voll mit Weihnachtsartikeln. Deswegen produziert Wawi seit einigen Wochen, Osterhasen, Ostereier, Küken und Co. Weihnachtsmänner gehen im großen Stil übrigens wieder ab nächstem Februar im Werk in Münchweiler übers Band. Ab Mai verschifft Wawi die erste Weihnachtsware.
Wann werden die ersten Osterhasen ausgeliefert?
Das ist bereits geschehen. Vor ein paar Tagen wurde ein erster Container in Münchweiler beladen. Er geht nach Australien. Die Container werden von Hand beladen, weil Paletten zu viel Platz brauchen. Drei Mitarbeiter brauchen rund drei Stunden, um die Süßwaren versandfertig einzuräumen.
Welche Rolle spielen Adventskalender?
Im Werk in Münchweiler hat Wawi eine Anlage mit zwei Spuren installiert. Sie ermöglicht die Produktion von 70.000 Adventskalendern pro Tag. Alleine zwei Millionen davon werden in Schweden verkauft. Neben den klassischen Weihnachtsmotiven werden in Münchweiler neuerdings auch Osterkalender erstellt. Der Inhalt ist nahezu identisch, aber die Verpackung eine andere. Allerdings handelt es sich dabei um ein Nischenprodukt mit einer Gesamtstückzahl von 150.000.
Was hat es mit den Schoko-Reiswaffeln auf sich?
Bei der Firmengründung 1957 spezialisierte sich Wawi auf Osterhasen und später Weihnachtsmänner. Damit verbunden war eine starke Abhängigkeit vom Saisongeschäft. 1981 erwarb Firmengründer Walter Müller aus der Insolvenzmasse eine anderen Herstellers eine Anlage, mit der dort Schokoreis hergestellt wurde. Damit gelang der Wechsel vom Saisonlieferanten zum Jahresproduzenten.
Wie werden die Schoko-Reiswaffeln hergestellt?
Die ursprüngliche Maschine wurde in Münchweiler 2020 durch eine neue Anlage ersetzt. Mit großen Lastwagen werden die Rohstoffe angeliefert. Die Fünf Tonnen Puffreis, die ein Lastwagen liefert, reichen zwei bis drei Tage. Die Schokolade wird bereits flüssig angeliefert und in Silos temperiert. Die eigentliche Produktion geschieht auf einem Fließband. Dort stehen Formen drauf. In die kommt flüssige Schokolade. Anschließend wird sie gerüttelt, damit sie sich besser verteilt bevor der Puffreis und der sogenannte Crisp einrieseln und erneut Schokolade draufkommt. Anschließend geht es durch die Kühlung bis hin zur vollautomatischen Verpackung in Folien und anschließend in Kartons für den Handel.
Was passiert mit dem Ausschuss?
An der Anlage sind unterschiedliche Detektoren angebracht. Sie registrieren beispielsweise, ob sich etwas in den Riegeln befindet, was nicht rein gehört oder, ob sie anderen Qualitätsansprüchen nicht genügen. Fehlerhafte Ware wird per Luftdruck vom Band geschossen. Dieser Ausschuss landet nicht im Verkauf. Für den Fabrikverkauf im Sommerwald wird extra sogenannte Bruchschokolade hergestellt, die sich qualitativ aber nicht von den anderen Wawi-Produkten unterscheidet. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen versucht Wawi, möglichst wenig echten Bruch bei der Produktion zu haben.
Wie laufen die Geschäfte bei Wawi?
Die Verantwortlichen sprechen von einer „guten Auftragslage“. In Münchweiler sind 130 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit sind es 1000. Wawi unterhält unter anderem ein großes Werk in China. Die Belegschaft in Münchweiler arbeitet in drei Schichten, um alle Aufträge erfüllen zu können. Firmenchef Richard Müller sagt: Wawi habe seinen Umsatz in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gesteigert. Das sei durch das Erschließen neuer Märkte möglich gewesen.
Was sagt Firmenchef Richard Müller zur Politik?
Ein von der IHK und der Zukunftsregion Westpfalz initiiertes Treffen mit rund 70 Unternehmern nutzte Richard Müller am Donnerstag, um klare Worte in Richtung Politik zu schicken: „Die Lokalpolitik macht, was sie kann. Im Land wird es schon schwierig und auf der Bundesebene ist es schlimm.“ Unter anderem kritisierte der Unternehmer das von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir in die Diskussion gebrachte Verbot von Werbung für Süßigkeiten: „Das ist irre!“ Zu Ende gedacht würde das bedeuten, dass Wawi keine Trikots für Jugendabteilungen von Sportvereinen mehr sponsern dürfte. Auch das finanzielle Engagement als wichtiger Sponsor beim FKP wäre dann nur noch schwer möglich. Er plädierte zudem mit Blick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel dafür, dass die Politik ein Einwanderungsgesetz auf den Weg bringen müsse, das diesen Problemen entgegenwirke.