Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Warum ein Ofen des Landgrafen in einem Treppenhaus in Dahn steht

Der Ofen aus der Exerzierhalle ist noch original erhalten, darf aber nicht nach Pirmasens, weil die Besitzer ihn als Dauerleihga
Der Ofen aus der Exerzierhalle ist noch original erhalten, darf aber nicht nach Pirmasens, weil die Besitzer ihn als Dauerleihgabe für Dahn vorgesehen haben.

Das Pirmasenser Heimatmuseum hat nicht viele Ausstellungsstücke, die aus der Landgrafenzeit stammen und einen direkten Bezug zum Stadtgründer nachweisen können. Von der riesigen Exerzierhalle beispielsweise gibt es fast nichts, das erhalten ist. Bis auf einen Ofen aus der Halle, der zwar sehr gut erhalten ist, aber in Dahn steht und dort bleiben muss.

16 Öfen gab es 1771 bei der Einweihung der Halle, die dort stand, wo heute die Pirminiuskirche steht. Die Öfen wurden 1809 beim Abriss der Halle versteigert. Einer davon gelangte irgendwie nach Dahn, wo er lange Jahre im Besitz eines „O. Klan“ war. Mehr ist über den einstigen Besitzer nicht herauszufinden. Die anderen Öfen dürften im Laufe der Jahre eingeschmolzen oder anderweitig zerstört worden sein. Der Ofen von O. Klan hingegen blieb erhalten und wanderte nach dem Tod des Besitzers zu einer Erbengemeinschaft, die ihn der Kreisverwaltung als Dauerleihgabe überließ, mit der Bedingung, dass er immer in der Kreisgalerie zu stehen habe. Das ist die Auskunft der Kreisverwaltung auf die Frage der RHEINPFALZ, warum der Ofen nicht in Pirmasens steht, wo er im Heimatmuseum ganz direkt von der Zeit der Stadtgründung erzählen könnte.

Seit Jahrzehnten ist der Ofen im Treppenhaus der Kreisgalerie platziert und wird meist nur von Besuchern beachtet, die eine Etage tiefer auf die Toilette gehen wollen. Ein Schild informiert, dass er aus der Exerzierhalle stammt. Auf dem Ofen selbst finden sich zahlreiche flammende Granaten, die der Landgraf als Wappen ausgewählt hatte. Oben auf dem Ofen ist eine Granate modelliert, die auch in Flammen steht. Auf der Vorderseite findet sich zudem das Monogramm „L IX.“ und die Jahreszahl 1770. Die Öfen wurden offenbar ein Jahr vor der Einweihung der Halle gegossen.

Größter Bau in der Region

Die Exerzierhalle war das größte Gebäude zur Landgrafenzeit in Pirmasens und auch im weiteren Umland das größte Gebäude mit seinen 36 Metern Länge und 21 Metern Breite. Vor allem die freitragende Konstruktion machte den Unterschied. Ohne Pfeiler und Schrägstützen konnten die Grenadiere in der Halle exerzieren. Eine größere Exerzierhalle gab es in Europa zu der Zeit nur in St. Petersburg. Für seine Grenadiere war dem Landgraf nichts zu teuer. Der Architekt soll Johann Martin Schuhknecht gewesen sein. Dieser war von Ludwig IX. zum Direktor des herrschaftlichen Bau- und Kasernenwesens ernannt worden und in dieser Funktion für die Errichtung von Fabrikgebäuden, Kasernen aber auch Erweiterungen des Darmstädter Schlosses verantwortlich.

Aus Bauschutt der Halle wird Kirche gebaut

In der Exerzierhalle wurde täglich die Wachtparade aufgestellt und die Regimenter übten regelmäßig, wenn das Wetter für Außenaktivitäten auf dem Exerzierplatz zu schlecht war. Die 16 Öfen waren nicht nur für das Wohlbefinden der Soldaten gedacht. Der Landgraf soll in späteren Jahren unter Gicht gelitten haben, weshalb die Öfen auch an kühleren Sommertagen befeuert wurden. 1807 war das Dach der inzwischen praktisch funktionslosen Halle stark beschädigt worden und zwei Jahre später wurde der Abriss angeordnet. Aus den Steinen wurde damals die Kirche St. Pirmin am selben Ort errichtet. Baustoff war knapp und Bauschuttdeponien noch nicht erfunden.

Den letzten übrig geblieben Ofen hätte Stadtarchivarin Heike Wittmer schon gerne zum Stadtjubiläum im Jahr 2013 nach Pirmasens in die Ausstellung zur Stadtgeschichte geholt und vielleicht sogar ganz in das Heimatmuseum im Alten Rathaus, wie vom städtischen Kulturdezernenten Denis Clauer zu hören ist. Die Kreisverwaltung verwies damals jedoch wie heute auf die Verfügung der Erbengemeinschaft Klan, wonach der Ofen in Dahn zu bleiben hat. „Ich bedauere dies natürlich sehr, da der Ofen thematisch sehr gut nach Pirmasens ins Alte Rathaus passen würde“, meint Clauer.

Erbengemeinschaft nicht zu erreichen

Die Erbengemeinschaft selbst zu befragen, ist nicht möglich. Die Kreisverwaltung will auf Anfrage der RHEINPFALZ keinen Kontakt zu Mitgliedern der Erbengemeinschaft herstellen. Alle im Telefonbuch zu findenden Dahner, die Klan als Familiennamen haben, erklären am Telefon, dass sie mit der Erbengemeinschaft nichts zu tun hätten und auch nicht wüssten, wie diese erreicht werden kann.

Wer den Ofen aus der Zeit des Landgrafen sehen will, muss also weiter nach Dahn fahren: Die Kreisgalerie in der Schulstraße hat in der Regel täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Im Alten Rathaus steht ein Modell der Exerzierhalle, die einst dort stand, wo heute die Pirminiuskirche zu finden ist.
Im Alten Rathaus steht ein Modell der Exerzierhalle, die einst dort stand, wo heute die Pirminiuskirche zu finden ist.
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