Handball
Warum das Aus der FSG Hauenstein/Rodalben bevorsteht und was daraus folgt
Am 31. Januar bestellte Romi Hirtle als Handball-Abteilungsleiter der Turnerschaft Rodalben die Verantwortlichen der Frauen-Spielgemeinschaft Hauenstein/Rodalben zu einer Sitzung ein, in der es um die Zukunft der FSG gehen sollte. Alexander Meyer, Sportvorstand des Turnvereins Hauenstein, reiste mit einem unterschriftsreifen Vertrag für den ebenfalls mitgereisten Trainer Björn Stoll und mit viel Zuversicht an. Was dann geschah, schockierte nicht nur Meyer: „Dem Trainer sind die Gesichtszüge runtergefallen“, beschreibt er die Reaktion auf das, was Hirtle, der von seinen Jugendtrainern Carsten Heyner und Yvonne Schäfer flankiert wurde, als Fakt mitteilte. Die TSR will ab der Saison 2024/25 eigenständig den Spielbetrieb im Frauenbereich fortführen.
Das schlug sofort hohe Wellen. Beim TVH fühlte man sich überrumpelt – und ausgenutzt. Kreisläuferin Kareen Ehrlich sagt mit Blick auf die Entstehung im Jahr 2017: „Es war wohl von Beginn an geplant, zu warten, bis die eigene Jugend wieder soweit ist und den TV Hauenstein dann fallen zu lassen.“ Damals wie heute stellte der TVH das Grundgerüst der Stammspielerinnen. Um längerfristig eigenständig zu agieren, fehlte aber die breite Bank. Die versprach sich Ex-Regionalligist Hauenstein über die Kooperation und bekam nun aus dem TSR-Nachwuchs auch Leistungsträgerinnen wie Rückraumschützin Paula Hack – ein Spielertypus, der dem TVH lange fehlte. Die Kooperation machte sich bezahlt. Doch offenbar nicht für alle.
Ziel: Jugend-Bundesliga
Während Stoll in Ruhe an seinem „Projekt und Auftrag“ arbeitete und die FSG in die Oberliga führen wollte, schmiedete eine Gruppe von TSR-Verantwortlichen mit Hirtle an der Spitze andere Pläne. Hirtle will mit der eigenständigen TSR in die Dritte Liga, setzt dabei auf die starke Nachwuchsarbeit mit den A- und B-Juniorinnen, die im Sommer die Qualifikation zur Nachwuchs-Bundesliga anpeilen.
Der TSR-Abteilungsleiter und Metzgermeister, der auch als Sponsor bei vielen Vereinen in der Region engagiert ist (auch beim TV Hauenstein), will sich nicht als Buhmann sehen: „Wir wollten nur fair sein und haben dem TVH mehr als ein Jahr im Voraus mitgeteilt, was wir planen, damit man sich dort darauf einstellen kann. Das Abkommen der Spielgemeinschaft ist nicht über einen längeren Zeitraum gültig, sondern muss jedes Jahr erneuert werden.“ Er untermauert: „Wir haben 60 bis 70 Spielerinnen in unseren Jugendmannschaften, während beim TVH gar keine Nachwuchsarbeit stattfindet. Es ist da doch legitim, dass wir auf unsere Jugend bauen wollen.“
Hirtles Begründung
Er sagt auch, dass Trainer und Betreuer der Jugendmannschaften das Konzept für die eigenständige Entwicklung mit ihm gemeinsam geplant hätten. Ein Grund, die Kooperation mit dem TVH zu beenden, sei der, dass die Jugendspielerinnen nicht in Hauenstein trainieren und spielen wollten: „Man weiß ja gar nicht, ob vom TVH in zwei Jahren noch Spielerinnen aktiv sind.“
Hirtles Plan, für den es auch innerhalb der TSR teils massiv Gegenwind (beispielsweise aus Männerteam und Förderverein) gibt, sieht vor, dass die FSG, die ohne die Randgeräusche sicher Chancen auf einen Oberliga-Aufstieg in der Saison 2023/24 gehabt hätte, in der kommenden Runde noch besteht, es aber ein zweites Frauenteam in der A-Klasse geben wird, die als TS Rodalben mit den Nachwuchsspielerinnen dann zum Sprung nach oben ansetzen soll. Doch dieser Gedanke wird sich so wohl nicht verwirklichen lassen, da sich beim TVH sofort große Empörung entwickelte – die noch größer wurde, als Hirtle bei einem weiteren Termin die Pläne vor der Mannschaft vorstellte. Nun läuft es auf eine Trennung schon im Sommer hinaus, wobei noch viele Fragen zu klären sind.
TVH: Können Team stellen
Meyer wie auch Stoll sind sich „absolut sicher“, dass der TVH eine eigenständige Mannschaft stellen kann, die in der Pfalzliga spielen und dort konkurrenzfähig sein wird. Beide bestätigen, dass bereits aus der Mannschaft heraus Gespräche aufgenommen wurden, um den Kader für kommende Saison zu bilden, darunter auch zu ehemaligen TVH-Spielerinnen, die ihre Karriere bereits beendet haben.
Stoll wird vom TVH bezahlt, wurde aber damals von Hirtle als FSG-Coach ins Spiel gebracht. Er missbilligt Rodalbens Vorgehen aufs Schärfste. Ob er künftig noch auf der Bank sitzen wird, ist offen: „Ich habe jedes Jahr Angebote, aber mich hat hier dieses Projekt gereizt. Ich wollte hier langfristig etwas entwickeln. Nur deshalb habe ich zugesagt.“ Er hat sich Bedenkzeit erbeten, „um die Sache sacken zu lassen.“ Für Stoll ist klar: „Sportlich macht die Entscheidung der TSR keinen Sinn. Deshalb habe ich den Gerüchten, die mal vor einigen Wochen an mich herangetragen wurden, auch nicht geglaubt.“
Schlag in die Magengrube
Für ihn sei das ein Schlag in die Magengrube gewesen, weil ihm diese Aufgabe so viel Freude bereitet habe. Es sei toll gewesen zu sehen, „wie die Erfahrenen die Jungen an die Hand genommen haben, die gute Entwicklung eingetreten ist. Ich denke, dass ich die Vorgaben, die ich bekommen habe, sehr ordentlich umgesetzt habe – und auch die jungen Spielerinnen gut eingebaut habe.“
Eine davon wird er künftig nicht mehr einbauen können: Paula Hack. Die hat sich nun entschieden, nur noch für die TSR-Jugend aufzulaufen. „Ich habe in der Schule viel zu tun, dazu gibt es jetzt den Zwiespalt zwischen den Vereinen. Davor hat die Chemie gestimmt, ich hatte mit allen Spaß“, sagt die Spielerin.
In Gewissenskonflikten
Stoll sieht nun auch Lea Beneke, Nele Müller und Lena Heisel in Gewissenskonflikten: „Sie müssen sich spätestens bis Sommer entscheiden, wo sie spielen wollen, obwohl sie Freundinnen in beiden Teams haben.“ Stoll rechnet aber bei diesen Spielerinnen damit, dass sie die Runde wie bisher zu Ende spielen. Samira Bärmann hat zwar ihren Pass in Rodalben, habe sich aber klar zum TVH bekannt, sagt Meyer. Auch schon entschieden hat sich Annalena Seibel – jedoch weder für ihren Heimatverein, den TVH, noch für die TSR: Die Torjägerin aus Hauenstein strebt nach Höherem und will zur SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam wechseln. Deren Verbleib in der Oberliga ist bei vier Zählern Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang und zuletzt sieben Niederlagen am Stück allerdings noch nicht gesichert.
Neue Spielgemeinschaft?
Und für den TVH geht es ab sofort darum, alles zu tun, damit das Kapitel Frauenhandball in Hauenstein nicht bald nach der nun wohl einsetzenden Trotzreaktion, die zumindest eine weitere Spielzeit sichern wird, beendet ist. Das geht langfristig nur über den Neustart in Sachen Jugendarbeit und mittelfristig wohl nur über eine neue Kooperation, beispielsweise einen Beitritt zur HSG Trifels oder einer neuen Spielgemeinschaft mit dem TV Dahn oder TV Thaleischweiler.
