Pirmasens
Walhalla: Andreas Groß sieht für Kinocenter rosige Zukunft
„Ich hatte Bedenken, ob das so funktioniert. Es ist aber alles in allem gut gelaufen“, resümiert der Pirmasenser im Redaktionsgespräch mit der Pirmasenser Rundschau. Mit 47.000 Besuchern im Vorjahr habe er die gleiche Marke wie 2023 erreicht, als das Walhalla noch unter der Regie von Theodor Sieber lief. Der habe ihm viel geholfen und sei immer da gewesen, wenn Fragen zu großen oder kleinen Problemen aufgetaucht seien, betont Groß. Er selbst habe den Vorteil, dass er schon das technische Know-how für den Film durch seine eigene Foto- und Filmproduktionsfirma mitgebracht habe.
„Reich werde ich nicht“, gesteht der Unternehmer, dass ihn der Blick auf das Kino-Konto schon ab und zu unruhig mache. „Es bleibt nicht so viel übrig“, bedauert er und wünscht sich, dass alle, die ihm das bei der Übernahme versprochen hätten, auch tatsächlich mal ins Kino kämen. Dann wäre das Ergebnis optimal. Den kleinen Gewinn, den das Walhalla erwirtschafte, müsse er gleich wieder in die Infrastruktur investieren. Sieber habe vor der Übernahme geschätzt, dass er eine halbe Million Euro in Technik und Ausstattung stecken müsse, um weiterzumachen. Die Summe hält Groß heute für zu hoch gegriffen: Vieles lasse sich durch kleine Verbesserungen bei der Technik hinbekommen. „Wir haben die Projektoren neu eingestellt, und die waren gleich viel heller“, nennt er ein Beispiel. Die halbe Million Euro wäre realistisch, wenn man alles neu kaufen würde. Kürzlich habe er den Server erneuert – das sei es dann aber fürs Erste auch gewesen. Etliches könne selbst gemacht werden – und wenn ein neuer Projektor angeschafft werden müsse, tue es oft auch ein gebrauchtes Modell.
Mehrmals täglich frisches Popcorn
Neu gemacht worden seien allerdings die Toiletten. „Die hatten es nötig“, sagt Groß. Viel Wert legt der Kinochef auf Sauberkeit und Frische. Popcorn beispielsweise werde mehrmals täglich frisch produziert. Schließlich seien die Snacks und Getränke an der Kinokasse eine wichtige Säule bei den Einnahmen. Zudem habe er kleine Änderungen beim Snacksortiment vorgenommen. So gebe es jetzt beispielsweise auch Export- und alkoholfreies Bier. Damit der Kioskverkauf selbst bei großem Andrang funktioniert, habe er eine zweite Kioskkasse eingerichtet.
Bereits in seinem ersten Jahr sei es ihm gelungen, im Walhalla einen neuen Tagesrekord an Besuchern aufzustellen, erzählt Groß begeistert. Im September habe er zwei Kinofesttage bei einem Eintritt von fünf Euro angeboten – das Walhalla sei förmlich überrannt worden. 605 Zuschauer wurden an einem der Tage gezählt, vorher habe der Rekord bei weniger als 500 Besuchern gelegen. Wobei trotzdem noch viel Luft nach oben sei: Die fünf Kinos bieten zusammen Platz für 700 Gäste – bei drei Vorstellungen am Tag wären theoretisch 2100 Kinogänger möglich. „Wir arbeiten dran“, meint Groß und lacht.
22 Besucher bei Super-Bowl-Übertragung
Apropos dran arbeiten: Mit neuen Filmangeboten will der Pirmasenser auch andere Bevölkerungsschichten ansprechen und gewinnen – beispielsweise die Cosplayszene. Das sind vor allem Jugendliche, die ihre Stars aus Mangacomics nachspielen. „Ich frage da immer unsere Mitarbeiterinnen, was da gut ist“, verrät Groß, woher er seine Expertise bezieht. Das funktioniere auch: Der Film „Spy X Family“ sei richtig gut gelaufen. Andere hingegen nicht. „Da waren nur sechs Leute pro Film da“, bedauert er. Es sei schlecht kalkulierbar, warum der eine Film gut angenommen werde, während ein anderer der gleichen Kategorie gar nicht gut ankomme. So sei es etwa bei den Opernübertragungen gewesen, als die Aufführung von Bizets Carmen aus Paris gerade mal eine Frau anlockte, die das ganze Kino für sich alleine hatte. Andere Opernabende seien hingegen gut besucht, versichert Groß.
Weiteres Beispiel: Die Superbowl-Übertragung im Februar zu später Stunde, die mit 22 Zuschauern nicht überragend gut besucht gewesen sei. „Es war trotzdem okay“, findet Groß, der es wieder machen würde. Für Pirmasens und den ersten Versuch zu dieser schwierigen Uhrzeit sei es doch noch in Ordnung gewesen. Außerdem habe ihm persönlich die Atmosphäre gefallen. „Da habe ich richtig Bock drauf“, kündigt er eine Fortsetzung dieser Formate an.
Für 2025 sind Starwars-Tage geplant
Eine andere Kinogemeinde will er mit „Starwars Episode III“ ansprechen. „Wir wollten schon letztes Jahr einen Starwars-Tag machen. Das hat aber nicht geklappt“, informiert der Kino-Chef. Dieses Jahr sollen es nun Starwars-Tage von Donnerstag bis Sonntag werden – inklusive einer Helmausstellung und einem Überraschungsbesuch von Darth Vader, verrät Groß mit einem Leuchten in seinen Augen.
Wer mit ihm über Kino spricht, merkt schnell, dass hier einer für die Leinwand brennt. „Kino ist viel intensiver. Das hat man zuhause nicht. Kino wird immer bleiben“, ist der 38-Jährige überzeugt. Das sähen andere auch so. Als Positiv-Beispiel nennt er den Film „Dune II“, der fünf Wochen lang im Walhalla gelaufen sei, obwohl er längst online zu streamen war. „Du hast bei uns einfach einen besseren Sound, ein besseres Bild – und natürlich besseres Popcorn“, sagt Groß mit einem Augenzwinkern. Und er erzählt, dass er kürzlich alte Fotos von sich angesehen habe. Dabei sei ihm eine Aufnahme aus dem Walhalla aufgefallen. Groß: „Jetzt bin ich das Walhalla. Ich liebe das.“