Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Von Woche zu Woche

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Blick über den Tellerrand

Noch zwei Mal schlafen, dann tagt der Stadtrat. Erstmals nach der Kommunalwahl Ende Mai dürfte es dort bei der Diskussion um Sachthemen wieder richtig kontrovers zu gehen. Dafür haben die SPD sowie die Fraktion „Die Linke-Partei“ gesorgt. Beide haben Anträge gestellt, die sicher den ein oder anderen (emotionalen) Wortbeitrag nach sich ziehen. In beiden Fällen geht es irgendwie um das Klima und die Umwelt. Themen, die derzeit in der politischen Debatte so en vogue sind, dass kein Stadtrat mehr dran vorbeikommt. Die SPD will den „Klimanotstand“ ausrufen. Die Linke-Partei hat Schottergärten den Kampf angesagt. Beide Themen sind, vorsichtig ausgedrückt, emotional besetzt. Die Sitzung beginnt um 14.30 Uhr. Ende? Offen. Die Pirmasenser Stadträte sind ja für ihre bisweilen aus- und abschweifenden Wortbeiträge berühmt, wenn nicht sogar berüchtigt. Zumindest war das in der vorigen Wahlperiode so. Den Ratsmitgliedern sei an dieser Stelle ausnahmsweise ein ganz vorsichtiger Blick über den Tellerrand empfohlen. In Kaiserslautern wurde das Thema „Klimanotstand“ im Stadtrat unlängst vertagt. Der Grund: Die Ratsmitglieder hatten dort zuvor schon fünf (!) Stunden über andere mutmaßlich wichtige Themen diskutiert. Das wiederum soll im saarländischen Merzig nicht (mehr) passieren. Dort haben sich die Fraktionen im Stadtrat einstimmig verpflichtet, nicht mehr länger als drei Stunden zu tagen. In Pirmasens undenkbar, oder?

Irgendwie drollig

Als Nicht-Pirmasenser sei es dem Autor dieser Zeilen zugestanden, das ein oder andere drollig zu finden, was sich in der Stadt abspielt. Jüngstes Beispiel einer Realsatire: der mobile Verkaufswagen „Ludwig“. Dieser soll die Besucher im Strecktalpark mit Getränken, Eis und Snacks versorgen. Eigentlich. Denn in diesem Sommer war das bunte Gefährt dort nicht zu sehen. Schade. Der städtische Mitarbeiter und Tausendsassa Rolf Schlicher nennt dafür „personelle Engpässe“ als Grund. Schon kommende Woche, also Ende August – wenn sich der Sommer dem Ende entgegen neigt – will er Gespräche führen, um irgendwann einmal neues Personal zu finden. Wenn alles gut geht, wird „Ludwig“ vielleicht noch dieses Jahr im Strecktalpark zu sehen sein. Die Hauptsaison ist dann zwar vorbei, aber wen juckt das schon? Die touristischen Vorzüge der Region lauthals zu preisen und sich über die neue Jugendherberge zu freuen, ist eine Sache. Gäste mit Getränken und Co. zum Verweilen in einem der schönsten Parks der Stadt zu animieren, scheint hingegen nahezu unmöglich für die Verantwortlichen. Drollig irgendwie.

„Der Mann, der kein Personal findet“

Rolf Schlicher ist ein Mann, der für die Stadtspitze auf vielen Hochzeiten tanzt: Dynamikum, Tourismus, Kultur, Marketing. Aber eins fehlt ihm offenbar: das richtige Händchen fürs Personal. Die „Ludwig“-Posse ist nur ein Beispiel. Die Stelle der pädagogischen Leitung des Dynamikums ist seit über einem Jahr unbesetzt. Die Kuratorin Cecile Prinz hat der Alten Post den Rücken gekehrt. Eine kompetente Mitarbeiterin der Tourist-Info sah sich dem Vernehmen nach nicht ernst genommen und wechselte kurzerhand nach Hauenstein. Das alles fällt in die Verantwortung von Rolf Schlicher. Spötter nennen ihn bereits: „Der Mann, der kein Personal findet“ . Bei all seinen Verdiensten für die Stadt – dieser Vorwurf ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

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