Pirmasens Von Woche zu Woche

Ungewöhnlich offene Koalitionsgespräche führten am Montagabend Oberbürgermeister Bernhard Matheis und Walter Krämer (FDP). Über die Tischreihen des Ratssaals hinweg warb Krämer bei Matheis ausgelassen um eine Neuauflage der Koalition aus CDU, FDP und FWB. Die beiden Herren waren gut gelaunt. Die FDP hatte, was Krämer selbst nicht unbedingt erwartet hätte, ihre zwei Sitze im Stadtrat verteidigt. Und die CDU von OB Matheis hat zwei Sitze hinzugewonnen. Würden die tatsächlichen Koalitionsgespräche, die nun unweigerlich anstehen, auch so öffentlich und ungezwungen per Zuruf geführt, würde wohl – vorübergehend – der Vorwurf der Geheimniskrämerei im Rathaus verstummen. Zwei Gruppen sind gestärkt aus den Kommunalwahlen in Pirmasens hervor gegangen: die Einzelhändler und die Ortsvorsteher. Wie eine Rakete war Heiner Wölfling, Chef des gleichnamigen Familienbetriebs, bei der Wahl von Platz 23 der CDU-Liste auf Platz drei hoch geschossen. Auch Erich Weiss, Chef des Pick’s-Raus-Marktes in der Waisenhausstraße und Vorsitzender des Pirmasenser Einzelhandels, machte aus den hinteren Rängen heraus einen großen Sprung in den Stadtrat. Und dort ist der Inhaber des Modehauses Adler, Bernd Adler, schon seit Jahren eine feste Größe der CDU. Damit sind drei der prominentesten Pirmasenser Einzelhändler Mitglieder des Stadtrats. In Zeiten, in denen die Entwicklung der Innenstadt und damit der Einkaufsstadt Pirmasens eins der wichtigsten politischen Themen der nächsten Jahre in der Stadt sein wird, kann zusätzliches Fachwissen im Rat sicherlich nichts schaden. Die zweite Gruppe, die gestärkt aus der Kommunalwahl hervorgegangen ist, sind die Ortsvorsteher. Bis auf den Niedersimter Kurt Sennewald sind alle Ortsvorsteher im neuen Stadtrat vertreten – vorausgesetzt natürlich, dass Frank Fremgen die Stichwahl in Erlenbrunn gewinnt. Das kann für die Vororte nur gut sein. Sie haben damit eine Lobby im Rat, die dafür sorgen kann, dass die Wertschätzung für die eingemeindeten Dörfer rund um die Stadt nicht nachlässt (andere würden sagen: dass sie besser wird). Ein Kurzbericht im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in dieser Woche lässt ahnen, welche Herkulesaufgabe es sein wird, den komplett vierspurigen B-10-Ausbau bis Landau im Bundesverkehrswegeplan zu platzieren. Laut „Spiegel“ fordern allein die Bundesländer bis zum Jahr 2030 die Umsetzung von mehr als 1650 Straßenbauvorhaben, Spitzenreiter sei Bayern, der Freistaat schlägt fast 340 Projekte vor. Vor diesem Hintergrund fällt es schwer zu glauben, dass Berlin – ohne Empfehlung des Landes – tatsächlich Geld für den B-10-Ausbau zur Verfügung stellt.