Pirmasens
Vom Winzer zum Gärtner – Über die Geschichte der Gärtnerei Christoffel
Im Jahr 1912 siedelte der Betrieb von der Elisenstraße in die Darmstädter Straße um. Damals sei das ein Standortvorteil gewesen. „Der Alte Friedhof war noch in Betrieb und für die Grabpflege war das natürlich praktisch“, sagt Michael Christoffel. Er hatte die Firma von 1990 bis 2023 in vierter Generation geleitet und steht seinem Sohn und Nachfolger Denis weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.
Die „Kunst- und Handelsgärtnerei“, wie die Firma zu dieser Zeit hieß, verkaufte vor allem Salat- und Gemüsepflanzen. Damals versorgten sich viele Menschen noch selbst mit den Erzeugnissen aus ihrem Garten. Aber es gab auch schon das Geschäft mit Blumen für Familienfeste, Jubiläen und Beerdigungen. Bis heute kamen immer mehr „grüne“ Fachgebiete dazu. Außer dem Blumengeschäft gehören der Gärtnerei- und Friedhofsbetrieb, die Gartenplanung und –gestaltung, der Landschaftsbau, aber auch Kletterarbeiten und Baumfällungen zum Angebot des Unternehmens. „Damit arbeiten wir interdisziplinär in allen Bereichen, die mit urbaner Gestaltung zusammenhängen“, erklärt Denis Christoffel, der nach der Gärtnerlehre ein Zusatzstudium an der früheren TU Kaiserslautern mit dem Abschluss als Ingenieur für Raum- und Umweltplanung absolviert hat.
Angebot stets weiterentwickelt
Die Historie des Betriebs, in dem heute rund zehn Mitarbeiter beschäftigt sind, über die Jahrzehnte spiegelt die Entwicklung der Gesellschaft wider. Stand zu Beginn die Selbstversorgung mit Salat und Gemüse im Fokus, rückten alsbald Blumenschmuck und Zierpflanzen in den Mittelpunkt. Und auch die Kundenanforderungen änderten sich: Früher galt etwa die Fichte als typischer Weihnachtsbaum, heute soll es meist eine Nordmanntanne sein. Bei Familienfeiern und besonderen Anlässen waren früher beim Blumenschmuck Nelken und Asparagus der Standard. „Heutzutage sind auch Innenraumbegrünung und Hydrokultur wichtig. Die Menschen legen Wert darauf, dass sie es in ihrer engsten Umgebung schön haben“, beschreibt Denis Christoffel einen weiteren Trend.
Die Friedhofskultur hat sich ebenfalls geändert. Die Grabpflege wird immer häufiger in Auftrag gegeben – wer wegzieht, will das Grab seiner Eltern oder Großeltern professionell betreuen lassen. Urnengräber und Ruheforste werden immer mehr nachgefragt. Es entstehen neue Möglichkeiten, wie der kürzlich vorgestellte Memoriam-Garten auf dem Waldfriedhof zeigt. Die Angehörigen haben dabei keinen eigenen Pflegeaufwand und können sich darauf verlassen, dass das Grab langfristig fachkundig betreut wird. In Bad Bergzabern betreibt Christoffel bereits ein solches Projekt.
Tradition auch auf dem Kennzeichen der Fahrzeuge
Ein großes Thema für die Gärtnerei sind die Energiekosten für die Gewächshäuser. „Hier müssen wir genau kalkulieren und unser Angebot anpassen,“ sagt der junge Firmenchef. „Manche Pflanzen brauchen dauerhaft Temperaturen von 20 Grad, was natürlich erhebliche Kosten verursacht.“
Um sich als Fachbetrieb zu behaupten, muss sich die Gärtnerei den Kauf- und Verbrauchsgewohnheiten der Kunden anpassen. „Mit den zahlreichen Angeboten fertig gebundener Sträuße an der Tankstelle oder im Supermarkt ist Floristik zum Konsumgut geworden,“ schildert Denis Christoffel und möchte deshalb die Marketing- und Vertriebswege weiterentwickeln. „Wir beginnen im Januar mit dem Umbau des Blumenladens. Die Kunden sollen noch mehr von unserer Arbeit erleben.“
Fragt man Vater und Sohn, wie selbstverständlich es für sie war, die Traditionslinie fortzusetzen, wird klar: Zweifel gab es nie. „Der Betrieb war immer mein schönster Spielplatz,“ erzählt Michael Christoffel. „Mein Vater nahm mich überall mit hin, mit drei Jahren saß ich schon auf dem Bagger. Und es ist immer noch schön zu sehen, wie nach dem Zurückschneiden der Pflanzen im Frühjahr wieder neues Leben wächst.“ Auch Denis Christoffel konnte sich nie etwas anderes vorstellen, auch weil er heimatverbunden ist. „Der Umgang mit unterschiedlichen Menschen macht mir einfach Spaß.“ Wie wichtig ihnen die Historie des Betriebs ist, zeigt ein Blick auf die – natürlich grünen – Firmenfahrzeuge. Diese haben alle die Zahl 1891, das Gründungsjahr, auf dem Kennzeichen.