Fußball
Verteidiger aus Hermersberg steht kurz vor Erstliga-Debüt
Von der vierten in die erste Liga: David Lelle, Fußballprofi aus Hermersberg, ist gerade von Borussia Dortmund II zu Aris Limassol und damit von der deutschen Regionalliga West in die zyprische First Division gewechselt. „Ich wollte schon immer in einer ersten Liga spielen. Erste Liga ist erste Liga, egal, wo das ist. Sie steht im Fokus. Wer sich da durchsetzt, findet überall Beachtung“, freut sich Lelle auf die neue sportliche Herausforderung. Während er gleich nach dem Jahreswechsel in kurzen Hosen und bei 17 Grad mit den neuen Teamkollegen trainierte, präsentierte sich sein Sickingerhöh-Heimatdorf im weißen Winterkleid.
„Ich wollte raus aus der Regionalliga“ – das war der Leitgedanke, der bei dem 22-Jährigen alles ins Rollen brachte. David Lelle wollte schon früh hoch hinaus. Bereits im Alter von neun Jahren wechselte er vom SV Hermersberg zum 1. FC Kaiserslautern, mit 14 dann zum Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig, wo er den Sprung in die U16-Nationalmannschaft schaffte und U17- und U19-Bundesliga spielte, das Viertelfinale im A-Junioren-DFB-Pokal erreichte (2:4 nach Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg).
Leistungsbereitschaft und Durchsetzungsvermögen zeichnen den Innenverteidiger aus. Stets hat er das Ziel, so weit oben wie möglich zu spielen. Von Leipzig, wo er im April 2022 zum Spieltagskader von Chefcoach Domenico Tedesco fürs Europa-League-Match gegen die Glasgow Rangers gehörte, wechselte er zwei Monate später nach längerer Verletzungspause zu Schalke 04.
Damals steckten die Gelsenkirchener im Erstliga-Abstiegskampf. „Da wirfst du natürlich keinen 19-Jährigen so rein, sondern setzt auf die älteren, erfahreneren Spieler – was auch richtig war“, gibt er zu. Also spielte er für Schalkes Regionalligateam. Ein Jahr später dann der Wechsel zu Holstein Kiel, das gerade in die Bundesliga aufgestiegen war. Lelle: „Da lag die Latte gleich ganz oben. Da war es ebenso schwer, in die erste Mannschaft zu kommen.“
Im Januar 2025, da stand er bei Borussia Dortmund unter Vertrag, war der 1,90 Meter große Abwehrspieler ganz nah dran an der höchsten deutschen Klasse. Er stand im Kader des BVB beim 2:3 im Bundesligaspiel gegen den damaligen amtierenden deutschen Meister, Bayer Leverkusen, kam aber nicht zum Einsatz. „In einem proppenvollen Stadion mit absolut toller Atmosphäre als Spieler dabei zu sein: Das sind Erlebnisse, die du nie vergisst“, schwärmt Lelle. Danach kam aber wieder der Alltag in Form von Dritter Liga mit dem BVB II. Dann auch noch der Abstieg mit der Borussia-Zweiten in die Regionalliga West.
Kontakte nach Zypern bauten sich über einen früheren Trainer von RB Leipzig auf. BVB-Mitspieler Antonio Foti, selbst Zypriote, machte ihm die Insel im östlichen Mittelmeer, die dortige Art zu leben und den dort auf ein immer besseres Niveau zustrebenden Fußball schmackhaft. Kaum dort angekommen, war Lelle schnell angetan: „Ich habe hier eine total entspannte Atmosphäre vorgefunden, bin sehr nett aufgenommen worden, habe mich sofort wohlgefühlt. Und Aris Limassol ist nicht irgendein zypriotischer Erstligaverein, sondern ein ambitionierter. Da musste ich nicht lange überlegen.“
Limassol ist die erste Auslandsstation seiner Karriere. Doch er habe keine Probleme, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. „Auf Englisch kannst du dich hier mit allen verständigen. Und dann ist es nicht nur der Reiz, endlich in einer ersten Liga zu spielen, sondern die Herausforderung, die ein total anderes Umfeld an dich stellt. Daher sehe ich das nicht zuletzt auch als weiteren Schritt zur Entwicklung meiner Persönlichkeit“, betont Lelle. „Mir kommt sehr entgegen, dass im Aris-Team mit dem in Berlin geborenen Leon Balogun auch ein deutschsprachiger Spieler dabei ist, der mir bei der Integration helfen kann.“
Am 29. Dezember stand er erstmals in Limassol auf dem Trainingsplatz. Den Jahreswechsel feierte er in der Hafenstadt im Süden der Mittelmeerinsel. „Das ist dort nicht so laut wie bei uns. Friedlich und gemütlich. Richtig schön!“
Dass das nicht der letzte Jahreswechsel im milden Mittelmeerklima werden soll, ist schon an seinem Vertrag zu sehen, denn der läuft zweieinhalb Jahre, also bis Sommer 2028. Aris Limassol ist in der Tat nicht irgendein Fußballverein auf Zypern. Die Grün-Weißen – „die Farben trage ich zum ersten Mal“, merkt Lelle lachend an – waren 2023 erstmals zypriotischer Meister, gewannen den Superpokal und qualifizierten sich für die Gruppenphase in der Europa League. Gegner waren Sparta Prag, Glasgow Rangers und Betis Sevilla; Limassol schied mit vier Punkten und 7:13 Toren (ein Sieg, ein Remis, vier vorwiegend knappe Niederlagen) aus.
Also könnte dieser Wechsel nicht nur erste Liga, sondern auch internationale Bühne bedeuten? „Absolut. Noch ist ja alles drin in der Liga“, sagt der dreimalige Junioren-Nationalspieler. Aris steht derzeit auf Platz vier in Zypern, hat nur fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Omonia Nikosia (36 Punkte). Pafos FC, das im September Champions-League-Gegner von Bayern München war, und AEK Larnaka folgen auf den Rängen zwei und drei. Aris verfügt über einen 30 Spieler starken Kader, der zu 80 Prozent aus Legionären besteht. Die Kicker kommen aus Brasilien, Australien, Uruguay, Kamerun, Gabun, Senegal, Portugal, Russland, Serbien, Georgien, Frankreich, Polen, Norwegen und der Ukraine.
Da zum ersten Rückrundenspiel in der First Division am vergangenen Sonntag bei Olympiakos Nikosia (0:0) noch nicht alle Papiere von DFB-Seite vollständig vorlagen, schaute Lelle nur zu. Diesen Samstag (18 Uhr) beim Verfolgerduell mit Larnaka in der 11.000 Zuschauer fassenden Limassol-Arena ist er nun spielberechtigt. „Da merkt man schon, wie die Spannung im Team steigt. Wir können mit einem Sieg auf Platz drei vorrücken“, sagt der Hermersberger und hofft auf sein Erstliga-Debüt.