Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel „Unico“ läutet in Pirmasens die grüne Eiszeit ein

Das Eis-Café „Unico“ ist ein Familienbetrieb. An der Eistheke stehen von links: Erhan und Manuela Ilan, kniend von links Sinan,
Das Eis-Café »Unico« ist ein Familienbetrieb. An der Eistheke stehen von links: Erhan und Manuela Ilan, kniend von links Sinan, Sahin und vorn Schwester Mira.

Eine neue Eiszeit kündigt sich in Pirmasens an – und sie ist grün. Matcha-Eis wird zu den auffälligsten Neuheiten im „Unico“ zählen – wahlweise auch rein pflanzlich.

Den Impuls für die grüne Eiszeit, die ab dem Frühling im Pirmasenser „Unico“ anbricht, hat sich das Inhaberehepaar Erhan und Manuela Ilan auf der Gelatissimo in Stuttgart geholt. Auf Europas größter Fachmesse für handwerklich hergestelltes Speiseeis wurde Matcha als einer der prägenden Trends für die Saison 2026 vorgestellt.

Die Messe gilt international als Plattform für Innovationen, neue Rohstoffe und Eiskreationen. „Wir haben viele Gespräche geführt, neue Kontakte geknüpft und uns an den Ständen inspirieren lassen“, sagt Erhan Ilan. Neben Matcha nahmen er und seine Frau zahlreiche Anregungen zu Fruchtbasen, Pistazienqualitäten, Texturen und neuen Kombinationen mit zurück nach Pirmasens.

Genau 24 Sorten passen in die Theke seines Eis-Cafés, das seit seiner Eröffnung erst 14 Monate Betrieb hinter sich hat. In der Regel sind es 16 Milchspeiseeissorten und acht vegane Varianten. Gerade die pflanzlichen Sorten gewinnen an Bedeutung. Vor allem jüngere Gäste ab etwa 20 Jahren greifen gezielt zu veganem Eis. Das ältere Publikum, 60 aufwärts, bleibt überwiegend beim klassischen Milcheis.

Auch im Winter wird im „Unico“ Eis gegessen. Die Nachfrage sei zwar geringer als im Sommer, aber stabil. Der Saisonstart im vergangenen Jahr überraschte dennoch selbst die Betreiber: „Mitte März ging es los, dann kam ein extrem starker April. Mit dieser Dimension hatten wir nicht gerechnet. Das war wirklich Wahnsinn.“

Ganzjährig geöffnet

Der Familienbetrieb an der Johanneskirche hat sich als ganzjährig geöffneter Treffpunkt etabliert – mit einem Konzept, das bewusst anders ist. „Wir sind nicht das Eis-Café, das im Sommer geöffnet ist und dann vier Monate Pause macht, weil es im Winter schlecht läuft“, sagt Erhan Ilan. Das „Unico“ habe durchgehend geöffnet. Die entscheidende Frage sei von Anfang an gewesen: Was wird in der kalten Jahreszeit angeboten, damit keine Pause gemacht werden muss?

Die Antwort liegt in einer Kombination aus italienischen, deutschen und türkischen Einflüssen – nicht als Marketingstrategie, sondern aus der eigenen Biografie heraus. Besonders in der Winterzeit seien die Frühstücksvariationen ein zentraler Anziehungspunkt. „Brötchen, Butter und Marmelade oder Nutella – das kann ich auch zuhause essen“, zitieren die Betreiber ihre Gäste. „Wir gehen ins ,Unico’, um etwas zu frühstücken, das wir zuhause nicht bekommen.“ Beispielsweise seien Menemen-Frühstück, Günaydin-Frühstück, eine vegetarische Frühstücksoption, in Pirmasens kaum ein zweites Mal zu finden. „Das ist das, was uns ausmacht und was uns in den vergangenen eineinhalb Jahren nach vorne gebracht hat.“

Platz für 160 Gäste

Denn klar sei auch: „Nur von Kaffee und Kuchen kannst du das alles nicht stemmen.“ Die Idee für eine erweiterte Karte entstand auch durch Rückmeldungen ehemaliger Gäste des früheren Restaurants „Buon Giorno“, die die große Terrasse schätzten, aber eine herzhafte Kleinigkeit vermissten. Also entwarf Ilan eine zusätzliche Auswahl, beziehungsweise eine „Winterkarte“.

Innen bietet das Café rund 60 Plätze, auf der Terrasse können etwa 100 Gäste sitzen. An sonnigen Sonntagen im Sommer arbeiten alle Servicekräfte gleichzeitig, um die Bestellungen zu bewältigen. Insgesamt beschäftigt der Betrieb zehn Mitarbeitende. Doch das „Unico“ ist vor allem eines: ein Familienprojekt. Neben Erhan und Manuela Ilan helfen auch die beiden 15-jährigen Söhne Sahin und Sinan mit – ebenso wie die erst zehnjährige Tochter Mira. „Alle packen mit an“, sagt Ilan. Diese Präsenz werde von den Gästen wahrgenommen.

Vielleicht ein zweiter Standort

Eine Vergrößerung in Pirmasens sei nicht geplant. Langfristig könne sich der Inhaber jedoch eine weitere Niederlassung vorstellen. „Ich würde gern noch eine Filiale eröffnen, aber eher so in der Zweibrücker Kante.“ Perspektivisch gebe es familiäre Unterstützung: Durch die beiden Söhne und die Tochter. Ob und wann eine Expansion kommt, bleibt offen. Die zunehmende Café-Dichte rund um den Standort bewertet Ilan positiv. Mehr Angebote brächten mehr Menschen in die Stadt. Problematisch werde es erst, wenn alle das gleiche bieten. Unterschiedliche Konzepte stärkten die Innenstadt.

Für ihn zeigt das erste Jahr vor allem eines: Inhabergeführte Gastronomie funktioniert in Pirmasens – ohne Franchise, ohne Kette. „Meine Eltern stehen nach 30 Jahren noch immer selbst hinter der Theke.“ Genau diese Haltung – persönlich präsent, langfristig denkend – sei die Grundlage des Erfolgs.

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