Pirmasens Trends für den Rest der Welt
Der Winter 2018/19 wird nicht trist. Nicht bei Schuhen. Denn dort ist Farbe angesagt: kräftiges Rot oder Blau, sattes Lila oder Braun, dazu als „Beruhigung“ neutrale Töne sowie Effekte wie reflektierende Materialien. Darauf haben sich gestern etwa 40 Fachleute der internationalen Schuh-, Leder- und Taschenindustrie sowie Modeexperten im Dynamikum verständigt – Farbtrends für Schuhe und mehr gehen einmal mehr aus Pirmasens hinaus in die Modewelt.
Diesmal passt das Frühlingswetter draußen zu den Farbmustern, die drinnen auf den Tischen liegen: Kräftiges Rot, Blau oder Grün findet sich neben dunkleren Winterfarben und neutralen Tönen. „Es wird farbig“, sagt Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut zur Herbst- und Wintermode 2018/19 bei Schuhen, Taschen und weiteren Accessoires. Eine erfreuliche Sache für sie: Farbe mache doch glücklich, stellt sie fest. Etwa 600 Farbmuster erwarten die 40 Experten aus Modewelt, Schuh- und Lederwarenindustrie, die sich regelmäßig treffen, um Trends für neue Farbkarten festzulegen. Organisiert sind sie seit Jahren im „Fashionpool“ des Deutschen Schuhinstituts in Offenbach, „Modeurop“ heißt die internationale Gruppe, der auch Südwestpfälzer angehören. Diesmal haben sie sich wieder in Pirmasens getroffen, zum siebten Mal. Am Mittwoch ging der Blick erst einmal zurück: auf die vor einem halben Jahr erstellte Farbkarte für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 – ob das Festgelegte noch passt. Gestern ging es um die Zukunft: um die Farben für Herbst/Winter 2018/19. Die Experten mussten dabei nicht bei Null anfangen. Denn ein „harter Kern“ der Gruppe arbeitet vor, wie die federführende Trend-Expertin Marga Indra-Heide beim Blick über die Schulter erklärt. Jener Kreativkreis hat sich auch jetzt wieder vorher getroffen und drei Themengruppen erarbeitet. Hier fließen erste Inspirationen hinein: etwa Eindrücke von den großen Laufstegen, von großen Namen wie Prada und Gucci, aber auch von den Straßen modebewusster Metropolen – London fällt der Expertin da als erstes Beispiel ein. Stück für Stück wird zusammengetragen, recherchiert. Orientierung liefert dabei natürlich auch die Textilmode, allerdings haben die Farben fürs Material Leder meist noch andere Anforderungen. Hat der kleine Kreis seine Arbeit getan, erhalten die Gerbereien papierne Vorlagen, aus denen sie Farbledermuster herstellen. Etwa 600 Muster haben Gerbereien aus Indien, Italien und Deutschland (hier liefert nur noch eine) diesmal angefertigt. Und daraus sucht und benennt die große Modeurop-Runde jene Farben, etwa sechs bis acht je Themengruppe, aus denen am Ende die Farbkarte der Saison entsteht. Diesmal geht es bunter zu als in vergangenen Runden: Neben neutralen Tönen wird es die satten dunkleren Winterfarben geben und dazu kräftige Farben im Retro-Look, die mit Hightech-Effekten wie etwa reflektierenden Materialien aufwarten. Eine Palette, stellt Claudia Schulz fest, zwischen klassisch-sportlich und feminin-luxuriös. Für Schuh- oder Taschenproduzenten geht es jetzt darum, dies umzusetzen. Kein Problem damit dürfte Anne-Katrin Hummel (flip-flop/Hummel-Gruppe Pirmasens) haben: Vor allem die Kontraste zwischen klassischen Farben und Mustern, etwa Karo, mit neuen technischen Materialien gefallen ihr. Und – natürlich – die große Farbigkeit.