Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Theatermacher Achim Ropers spricht über die Anfänge des Armen Kreativen Theaters

Der Anspruch des Armen Kreativen Theaters ist es, viele verschiedene Themen aufzugreifen.
Der Anspruch des Armen Kreativen Theaters ist es, viele verschiedene Themen aufzugreifen.

Zeitgenössisches Theater hat seit 1995 einen Platz in Pirmasens: Damals hat Achim Ropers die Theatertruppe Armes Kreatives Theater (AKT) gegründet. Inzwischen hat sie 26 Produktionen realisiert. Zum Jubiläum am Samstag gibt es ein Best-of. Im Gespräch mit Christiane Magin blickt Ropers auf die vergangenen Jahre zurück.

Herr Ropers, warum haben Sie die Theatergruppe vor 28 Jahren überhaupt gegründet?
Bei der Abitur-Entlassungsfeier 1993 wurde ich von einigen Akteuren der Schultheatergruppe Prolögchen gebeten, auch nach der Schulzeit eine Theatergruppe zu leiten. Im November 1995 gründeten wir schließlich den gemeinnützigen Theaterverein Armes Kreatives Theater.

Was erzählen Sie mit dem Best-of am Samstag?
Wir haben von Anfang an versucht, einen eigenständigen Weg zu gehen. Die Auswahl unserer Stücke orientiert sich im weitesten Sinne an Jerzy Grotowskis bahnbrechendem Werk „Für ein armes Theater“ aus dem Jahre 1994. Das hat uns auch bei der Namensgebung unseres Amateurtheaters beeinflusst. Wir verzichten in der Regel auf aufwendige Bühnenbilder, Requisiten und Kostüme. Unter den 26 Stücken, die wir bis heute aufgeführt haben, stammen wenige aus den Federn berühmter Klassiker. Viele sind Werke weniger bekannter Autoren und einige sogar Eigenproduktionen. Noch eine Besonderheit, die auch auf Grotowski verweist, bezieht sich auf die unterschiedlichen Spielorte, an denen wir unsere Stücke aufgeführt haben. Das soll auch der Leitfaden für den Theaterabend sein: Bei den Szenendarstellungen verzichten wir auf eine chronologische Abfolge.

Gibt es immer noch Nachwuchs am Kant-Gymnasium?
Da ich seit meiner Pensionierung in der Jugendkulturwerkstatt des Internationalen Bundes (IB) die Jugend-Theatergruppe Flamettis Erben leite – auch hier waren Prolögchen-Mitwirkende die eigentlichen Initiatoren –, konnte ich auch für AKT auf Kant-Nachwuchs zugreifen. Aber auch junge Menschen mit einem anderen Schulhintergrund stießen über Flamettis Erben zu AKT.

Welche Vorbilder haben Sie in der Theaterwelt?
Ganz ehrlich: keine. Ich lasse viele Eindrücke auf mich wirken, stelle einzelne Ideen dem AKT-Ensemble vor und versuche, auf diesem Weg möglichst offenzubleiben.

Woher kommen die Leute, die mitmachen?
Das Ensemble umfasst etwa 20 Personen im Alter von 20 bis 70 Jahren. Viele unterschiedliche Berufe sind vertreten – der pädagogische Sektor ist recht groß. Besonders stolz bin ich darauf, dass es uns immer wieder gelingt, Mitwirkende aus den verschiedensten Regionen Europas, ja sogar Afrikas, einbinden zu können. Integration ist bei uns keine leere Worthülse.

Wo proben Sie hauptsächlich?
Seit einigen Jahren haben wir die ehemalige Schankstube in der Festhalle als Lager und Proberaum angemietet. Das ist für uns natürlich ideal, so nahe am theatralen Geschehen sein zu können.

Gibt es ein Lieblingsthema, das Sie mit verschiedenen Inszenierungen immer wieder erzählen?
Nein, wir wollen ganz verschiedene Themen aufgreifen. Ob es um Europa, Wirtschaft, die digitale Welt oder um zwischenmenschliche Probleme geht. Wenn wir die Vorlage spannend finden, beschäftigen wir uns mit ihr. Allerdings schreiben wir auch Stücke selbst beziehungsweise inszenieren epische Texte, wenn sie uns interessieren.

Worüber haben Sie sich in den 28 Jahren am meisten amüsiert?
Es gelang uns immer wieder, unser Publikum zu überraschen. Sei es durch Wahl besonderer Spielorte wie den Westwall-Bunker oder den Wasgau-Markt oder durch die Brechung einer Erwartungshaltung, wie es bei dem Stück „Absatz kehrt“ der Fall war.

Worüber haben Sie sich richtig geärgert?
Sehr ärgerlich, aber leider durchaus verständlich sind Anordnungen, die durch den Brandschutz verursacht wurden. Jahrelang spielten wir mit dem Publikum auf der Bühne der Festhalle. Das war eines unserer Markenzeichen. Die Studiobühne konnten wir nur kurz bespielen, da dort ein Fluchtgang fehlt. Sicherheitsmaßnahmen müssen natürlich Vorrang haben. Allerdings könnte man meiner Meinung nach in beiden Fällen Abhilfe schaffen.

Haben Sie sich schon überlegt, den Namen wieder zu ändern?
Aus welchem Grund? Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der kein Vermögen für sich erwirtschaften darf. Also sind wir arm. Und unser Credo ist es, kreativ zu sein.

Zur Person: Achim Ropers

Der 1951 in Ingelheim geborene Achim Ropers kam als Kind durch Theaterbesuche mit seiner Mutter in Kontakt zu seiner großen Leidenschaft. Meist ist er ins Mainzer Staatstheater gegangen. Am Theater reizt den Wahl-Südwestpfälzer das Schlüpfen in verschiedene Rollen. Diesen Aspekt sieht er auch als Stärke im Unterrichtsfach Darstellendes Spiel, das er als Grundfach in der Oberstufe am Pirmasenser Immanuel-Kant-Gymnasium eingeführt hat.

Seine eigene Ausbildung absolvierte er an der Mainzer Universität von 1970 bis 1976 in den Fächern Germanistik und Geografie. Danach folgte ab 1988 eine Zusatzausbildung in Seminaren der Landesarbeitsgemeinschaft für das Darstellende Spiel. Am Kant-Gymnasium war er von 1979 bis 2016 Lehrer und unterrichtete Deutsch, Geografie sowie Theater. Besonderes gefreut hat Ropers sich darüber, dass er mit seiner Frau so gut in Pirmasens, Höhfröschen und Clausen aufgenommen wurde: „Die Westpfalz ist unsere Heimat geworden.“ Er sei stolz darauf, dass ihm die Zusammenarbeit in seinen Theatergruppen Prolögchen, Flamettis Erben und Armes Kreatives Theater fast immer so viel Spaß und Erfüllung gebracht habe, sodass er hofft, auch weiterhin seiner geliebten Theaterarbeit nachgehen zu können. Aber auch die Politik spielt im Leben von Achim Ropers eine große Rolle – und das von Jugend an. „Was nicht immer einfach war“, betont er. Seit über 40 Jahren ist er Mitglied der SPD und im Gemeinderat in Clausen vertreten.

Zur Aufführungsgeschichte

1996: „Die Gauneroper“, Václav Havel; „Schöne Bescherungen“, Alan Ayckbourn

1997: „Defekte“, Eigenproduktion

1998: „Ruhe, wir stürzen ab“, Dario Fo

1999: „Schau mir in die Augen“, Woody Allen

2001: „Stadt-Land-Fluss“, Eigenproduktion

2002: „Nero“, Hugo Ball

2003: „Ein Pferd tanzt Syrtaki“, Maurice Baring

2005: „Die Geschichte des Kommunismus, nacherzählt für Geisteskranke“, Matei Visniec

2006: „Oh Vater, armer Vater, Mutter hängt dich in den Schrank und ich bin ganz krank“, Arthur Kopit

2007: „Viel Lärm um nichts“, William Shakespeare

2008: „BLI – Beautiful Life Institute“, Eigenproduktion

2009: „Nichts mehr nach Callingasta“, Julio Cortázar

2010: „Leonce und Lena“, Georg Büchner

2011:„Kommt ein Mann zur Welt“, Martin Heckmanns

2012: „Das Bankgeheimnis“, João Bethencourt

2013: „Die Verwandlung“, Jacob-Heinrich Graeser

2014: „Hysterikon“, Ingrid Lausund

2015: „Paparazzi“, Matei Visniec

2016: „Der Ritter vom flammenden Stößel“, Francis Beaumont

2017: „Europa verteidigen“, Konstantin Küspert

2018: „Absatz kehrt“, Eigenproduktion

2019: „The Circle“, Eigenproduktion nach Dave Eggers

2021: „Das Strindberg-Experiment“, August Strindberg

2022: „Tango auf dem Baum“, Slawomir Mrozek und Peter Ustinov

2023: „Es ist ein Elend mit dem Elend“, Bernd Ernst und AKT

2024: Best-of

Info

Das Best-of der Theatergruppe Armes Kreatives Theater ist am Samstag, 15. Juni, ab 19 Uhr in der Pirmasenser Festhalle zu sehen. Karten gibt es beim Kulturamt im Forum Alte Post unter Telefon 06331 2392716.

Die Einnahmen vom Samstag spendet AKT einem sozialen Club, der das Geld sozialen Einrichtungen zukommen lässt. An wen der Betrag konkret geht, soll am Samstag während der Aufführung bekanntgegeben werden.

Regisseur Achim Ropers
Regisseur Achim Ropers
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