Pirmasens
The Spirit of Gambo – herausragendes Gambenkonzert in der Alten Post
Das wenig bekannte Instrument erfüllt den stimmungsvoll ausgeleuchteten Kuppelsaal mit ungewöhnlichen Klängen. Ein besonderes Konzert in Kooperation mit der Mozartgesellschaft.
Erwartungsvolle Spannung herrscht im Saal, als die beiden die Bühne betreten – dann beginnt die musikalische Zeitreise durch Europa: Renaissancemusik aus dem 16./17. Jahrhundert aus England und Frankreich, Barockmusik und frühe Klassik aus Deutschland. Mit zwei Stücken von Tobias Hume entspinnen die beiden einen musikalischen Dialog, der mal zart und innig, mal kraftvoll wirkt. Tobias Hume reizt hier die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments auf ungewöhnliche Weise aus. Mit überraschenden Effekten, rhythmischer Freiheit und spieltechnischen Besonderheiten verleiht Hume der Gamba den Status eines virtuosen Soloinstruments. Schon die Haltung ist ungewöhnlich: die Gambe wird zwischen den Beinen gehalten, der Bogen wird unterhand geführt – anders als bei Violine oder Cello. Die Bünde – wie bei einer Gitarre – erlauben ein präzises Gestalten des Tons und eröffnen neue klangliche Räume, wie Paolo Pandolfo während des Konzerts erläutert.
Kunstvolle Verzierungen
Häufiges Prinzip in der Renaissancemusik: aus einer schlichten Melodie entwickeln sich immer kunstvollere Verzierungen bis hin zu temporeichen Läufen, die scheinbar mühelos daherkommen. So auch bei der „Division“ von Charles Simpson, dessen schlichtes Motiv sich zu immer lebendigeren Figurationen verdichtet. Das Publikum lässt sich von der Spielfreude und der Faszination für dieses Instrument anstecken. Mache lauschen mit geschlossenen Augen, versinken förmlich in der meditativ wirkenden Musik.
Die Konzerte für zwei Gamben von Monsieur de Sainte-Colombe zählen zu den poetischsten und zugleich geheimnisvollsten Werken der französischen Barockmusik. Sainte-Colombe galt als herausragender Virtuose der Viola da Gamba und prägte die französische Gambentradition nachhaltig – nicht zuletzt als Lehrer von Marin Marais. Ihm wird zudem die Erweiterung der Gambe um eine siebte Saite zugeschrieben, die dem Instrument größere klangliche Tiefe verlieh.
Die beiden Stimmen begegnen sich auf Augenhöhe: mal im innigen Dialog, mal im zarten Widerstreit. Die Linien der Melodie umspielen einander, verschmelzen und lösen sich wieder: so entsteht eine Klangwelt von großer emotionaler Tiefe. Die einzelnen Stücke seines Konzerts zeichnen den Weg von Tod und Vergänglichkeit nach. Die Trauer über den Verlust, das Glockengeläut des Carillons, der Ruf Charons, der die Toten ins Jenseits geleitet, die Tränen, aber auch die himmlischen Freuden („Les Joyes des Elysées“), zugleich auch Namensgeber für dieses Ensemble. Paolo Pandolfo und seine Frau Amélie Chemin verstehen es, die Zuhörer für ihr Instrument zu begeistern und vermitteln neben der unfassbar schönen Musik auch viel Interessantes bei der unterhaltsamen Moderation. So auch bei dem Werk von Antoine Forqueray: „Pièces à trois violes“, arrangiert für zwei Gamben. Virtuose Passagen, rasante Läufe und kraftvolle Akkorde wechseln sich mit zarten Passagen ab – eine Verbindung von Eleganz und Wildheit, die bereits in Richtung eines expressiveren, fast modernen Empfindens weist.
Feines Klangerlebnis
Ein besonders faszinierendes Klangerlebnis ist die Bearbeitung der Cellosonate von Johann Sebastian Bach, bearbeitet für zwei Gamben. Die ursprünglich für Violoncello solo komponierte Suite besteht aus einer Folge von barocken Tanzsätzen nach einem Präludium. Pandolfo und seiner Partnerin Chemin gelingt es hier, die komplexe Polyphonie mit den beiden Instrumenten klar herauszuarbeiten. Die beiden Musiker spielen wieder höchst konzentriert, meisterhaft aufeinander abgestimmt, häufige Blickkontakte vervollständigen den Dialog der Instrumente. Mit einem zufriedenen Lächeln bedanken sie sich beim Publikum für den großen Zwischenapplaus. Mit einer Sonate für zwei Gamben von Christoph Schaffrath endet die musikalische Reise am Hofe Friedrichs des Großen. Das begeisterte Publikum wird mit einer besonderen Zugabe belohnt: ein leidenschaftlicher Tango aus der Feder Pandolfos.