RHEINPFALZ-Redaktionsgespräch
Susanne Ganster will in die Verlängerung
Susanne Ganster ist seit dem 1. Oktober 2017 Landrätin des Kreises Südwestpfalz, 2025 will sie sich der Wiederwahl stellen. „Für mich ist das ganz klar, dass ich das fortsetzen will. Das ist eine sehr erfüllende Tätigkeit, die aber auch herausfordernder ist, als man das von außen angenommen hat“, sagte die promovierte Theologin. Gerade im Rückblick auf die vergangenen drei Jahre – 2020 und 2021 standen im Zeichen der Corona-Pandemie, 2022 bestimmen die Gas- und Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges das Geschäft – sei man gezwungen, „neue Wege zu gehen“. Corona habe das „Normalgeschäft sehr stark ausgebremst“, auch jetzt sei eine Normalität weit entfernt.
Derzeit stehen die Vorbereitungen auf mögliche Versorgungsengpässe im Fokus der Landrätin. Zu dem ursprünglichen Szenario einer Gasmangellage und ihren Folgen hat sich zuletzt eine zweite Bedrohungslage hinzugesellt: Angriffe auf die kritische Infrastruktur. Als Beispiele nannte Ganster Angriffe auf die Deutsche Bahn, durch die der Bahnverkehr im Norden zum Erliegen kam, und einen Hackerangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. „Wir bereiten uns gezielt auf einen Blackout vor“, sagte die Landrätin. Darüber soll im Dezember die Öffentlichkeit informiert werden. Dann gibt es auch die Ergebnisse einer Risikoanalyse und Handreichungen für die Bevölkerung, wie sie sich auf eine mögliche Krisensituation vorbereiten kann.
Suche nach Gewerbeflächen
Der Kreis habe seine Hausaufgaben erledigt, etwa was die Bevorratung von Treibstoffen und die Aufrechterhaltung von Kommunikationsmöglichkeiten mit Hilfe von zwei satellitengestützten Telefon- und Internetsystemen betrifft. „Wir leben in einer Zeit, in der man sich auf solche Szenarien vorbereiten sollte“, sagte sie mit Blick auf Gasmangel, Stromausfälle und Angriffe auf die Infrastruktur.
Neben dem Katastrophenschutz läuft das Tagesgeschäft, hier werden große Projekte angeschoben. Eines ist die Suche und Ausweisung neuer Gewerbe- und Industriegebiete im Kreis und den beiden Städten. „Es gibt immer wieder Nachfragen“, sagte Ganster mit Blick auf mittelständische Gewerbetreibende, die neu bauen oder sich erweitern wollen. Es gebe auch Interessenten, die sich neu in der Südwestpfalz ansiedeln wollen. Mit dem Messgerätehersteller Stabila aus Annweiler, der ab Ende November im interkommunalen Gewerbegebiet Hauenstein/Wilgartswiesen auf Wilgartswieser Gemarkung ein neues Werk bauen wird, konnte zuletzt ein großer Ansiedlungserfolg erzielt werden. „Die Gespräche mit der Bauabteilung liefen seit einem Jahr“, sagte Ganster mit Blick auf die Dauer des Verfahrens bis zur Ansiedlung.
Für Tourismus werben
Die Flächenerkundung für weitere Gewerbegebiete ist abgeschlossen, die Ergebnisse, welche in Frage kommen, werden in Kürze in den Verbandsgemeinden in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt. „Wir haben von Cima 50 bis 60 je rund 2,5 Hektar große Gebiete prüfen lassen, die erfolgversprechenden haben wir ausgewählt“, bemerkte die Landrätin mit Blick auf den Auftrag des Beratungsunternehmens.
Das Kreisentwicklungskonzept, das von Cima entwickelt und vom Kreistag beschlossen wurde, setzt einen Schwerpunkt auf die touristische Entwicklung der Region. Was die Werbung für die touristischen Reize der Südwestpfalz betrifft, ist Ganster an eine ehrenamtliche Schaltstelle vorgedrungen. Sie führt seit Kurzem den Verein Pfalzmarketing. „Diese Aufgabe wurde an mich herangetragen“, sagte sie. Weil das Pfalzmarketing sein bislang weinlastiges Image verändern wolle, stelle sie sich dieser Aufgabe. „Wir können in der Westpfalz selbstbewusster auftreten. Wir sind auch ein Teil der Pfalz und wollen das Image in unserem Sinne ändern“, bemerkt Ganster.
Südwestpfalz-Touristik als Schaltstelle
In der Südwestpfalz selbst setzt sie auf eine engere Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden, in deren Aufgabenbereich der Tourismus fällt. Die Schaltstelle soll die Südwestpfalz-Touristik sein. „Der Tourismus in den Verbandsgemeinden ist sehr stark geworden. Wir müssen das in größeren Dimensionen vermarkten und uns in neuen Strukturen wiederfinden“, betonte die Landrätin. Der Wille der Beteiligten, das zu tun, sei vorhanden. „Wir haben zwei erfolgreiche Workshops mit den Verbandsgemeinden und Städten hinter uns“, sagte Ganster. Der Kreis betreibt ein Internetportal, führt ein Unterkunftsverzeichnis und bietet ein Buchungsportal an. „Wir führen das bei uns zusammen, versuchen zu unterstützen“, ergänzte sie.
Neue Aufgabe in der Partei
Seit Montag hat Susanne Ganster eine weitere neue Aufgabe: Sie ist stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Südwestpfalz. „Es ist ein Signal, dass ich mitten in der CDU verankert bin, dass ich aktiv den Generationenübergang begleite. Und es ist ein Zeichen, dass Mandatsträger auch bereit sind, sich in der Partei zu engagieren“, sagte sie. Durch die Neuorganisation mit Arbeitsgruppen sei es ermöglicht worden, dass Mitglieder im Alter von Ende 20 bis Mitte 30, die sich lange in der Jungen Union engagiert hatten, „Verantwortung in einem Teilbereich übernehmen“. Möglicherweise rückten diese Mitglieder in zwei Jahren weiter nach vorne. Ganster strebt nicht nach dem Kreisvorsitz, den ihr Vorgänger im Landratsamt, Hans Jörg Duppré, lange inne hatte. „Wenn ich mich engagiere, dann als Stellvertreterin. Mit meinem Terminkalender kann ich nicht den Vorsitz übernehmen.“
Dass sie bei ihrer Wahl ein „klares Ergebnis“ erhielt und „wir nach vierjähriger Corona-Zwangspause wieder so einen Zuspruch hatten“, freute sie. Die Beteiligung zeige, „dass die Basis nach wie vor dabei ist“. Die Basis der CDU wird Ganster 2025 brauchen, wenn sie in den nächsten Landratswahlkampf zieht.