Pirmasens
Studie: Warum Pirmasenser nicht so lange leben wie Münchner
Die Autoren der Studie, allesamt Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, haben sich die Lebenserwartung in den einzelnen Städten und Landkreisen Deutschlands angeschaut. Dabei haben sie unterschieden zwischen Männern und Frauen.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich die Lebenserwartung der Männer in Deutschland je nach Region um mehr als fünf Jahr unterscheidet, die der Frauen um knapp vier Jahre. Richtig alt werde man in Deutschland vor allem in Baden-Württemberg und im Süden Bayerns, sagte Roland Rau, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung.
Armut spielt eine Rolle
Die Unterschiede in den 402 Landkreisen und kreisfreien Städten führen die Autoren vor allem auf Armut zurück. Im vergleichsweise gut situierten Baden-Württemberg zeigen nahezu alle Landkreise eine überdurchschnittliche Lebenserwartung auf. Die Frauen werden im Schnitt 83,8 bis 85,7 Jahre alt, Männer 78,8 bis 81,2 Jahre.
Frauen im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt werden im Schnitt nur 81,8 Jahre alt. Dagegen werden Frauen im Landkreis Starnberg im Südwesten Münchens durchschnittlich 85,7 Jahre alt. Auch bei den Männern gibt es ein Gefälle Richtung Süden: In Bremerhaven leben sie im Schnitt nur 75,8 Jahre, im Landkreis München werden Männer dagegen 81,2 Jahre alt.
Region liegt unter Bundesdurchschnitt
Für Pirmasenser Männer, die zwischen 2015 und 2017 geboren sind, wird eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78 Jahren vorhergesagt, bei den Frauen liegt der Wert bei knapp 83 Jahren. Im Landkreis sieht es nur unwesentlich besser aus. Männern wird dort eine Lebenserwartung von 78,6 Jahren prognostiziert, Frauen immerhin 84 Jahre. Die Werte für Zweibrücken liegen zwischen denen des Landkreises und der Stadt Pirmasens – die Lebenserwartung in der gesamten Region liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt. Die besten Daten wurden für die Frauen in Starnbergs und die Männer in München errechnet.
Insgesamt zeigt die Studie, dass mehr Landkreise mit niedriger Lebenserwartung im Osten Deutschlands liegen als im Westen. Allerdings gibt es auch etwa im Ruhrgebiet Regionen, in denen die Bewohner im Schnitt früher sterben. Dazu zählen Dortmund, Gelsenkirchen und Essen.
Lebensbedingungen ändern
Darüber hinaus untersuchten die Forscher, welche Faktoren zur unterschiedlichen Lebenserwartung beitragen. Starken Einfluss hat demnach die Arbeitslosenquote und die Quote der Hartz-IV-Empfänger in einem Landkreis. „Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern“, sagte Rau. Andererseits zeigten die Daten, dass häufig debattierte Faktoren wie das Durchschnittseinkommen, die Dichte der Ärzte oder die Bevölkerungsdichte einen weitaus geringeren Einfluss auf die Lebenserwartung haben.
Für die Studie haben die Rostocker Wissenschaftler mit Hilfe der Sterberaten der Jahre 2015 bis 2017 die Lebenserwartung für Frauen und Männer in den 402 Landkreisen geschätzt. Um statistische Unsicherheiten in sehr kleinen Landkreisen auszugleichen, wurden die Sterberaten mehrerer Jahre kombiniert.