Hinterweidenthal
Streit um Kiosk und Pizzeria in Hinterweidenthal: Betreiberin klagt über Diskriminierung
Vor nicht ganz einem Jahr hat Meryem Esmer in der Hauptstraße 53 „Raschida – Blumen, Kiosk, Pizza“ eröffnet, einen modernen Tante-Emma-Laden. Nun kämpft die gelernte Floristin und Altenpflegerin ums wirtschaftliche Überleben. Sie beklagt Boykott, Fakebestellungen, Verleumdungen und anhaltenden Hass. „Ich habe bald keine Kraft mehr“, sagt sie.
Der Laden kam nicht in Schwung, die Kundschaft blieb hinter den Erwartungen zurück – trotz breiter Auswahl auf 50 Quadratmetern: Haushaltsartikel, Lebensmittel vom Mehl bis zur E-Zigarette, Eis, Gemüse und Obst, Hygieneartikel, Drogerieartikel, Parfums und Blumen. Hinzu kommt ein Essensangebot: Donnerstag ist „Dönertag“, außerdem gibt es Pizzen, auch per Lieferdienst. „Wir wollen Leben in den Ort bringen“, hatte Esmer zur Eröffnung gesagt. Jetzt klingt es anders.
In sozialen Netzwerken berichtete Esmer schon: „Wegen Boykott, Fakebestellungen, Verleumdungen und anhaltendem Hass ändern wir die Öffnungszeiten … Wir hoffen, dass das euren Hass wenigstens ein wenig lindert. Eure Raschida.“ Sie habe 15 Jahre mit ihrer Familie in Karlsruhe gelebt und erst jetzt Anfeindungen erlebt.
Verkaufsstand Auslöser für den Ärger?
Nach der Eröffnung im August 2025 begann das Desaster aus ihrer Sicht rund um das jährliche Fischerfest im August 2025. Ortsbürgermeister Georg Eitel habe ihr die Teilnahme untersagt, sagt Esmer. Sie wirft ihm vor, sich ihr gegenüber anders zu äußern als öffentlich. Während des Festes habe sie einen Verkaufsstand gegenüber dem Laden betrieben, was mit Eitel vereinbart gewesen sei.
Eitel widerspricht. Eine Schankgenehmigung habe nicht vorgelegen, und er habe keine Befugnis, einen Stand an der B427 zu genehmigen. Jeder, der ein Geschäft betreibe, müsse sich an Vorschriften halten. Er habe, wie andere Kommunalpolitiker, im Nachgang mit „Engelszungen“ zu vermitteln versucht. Ausländerfeindlichkeit als Ursache für geringe Kundschaft hält er für vorgeschoben. Weder Gemeinde noch Vereine müssten sich Vorwürfe machen. „Ich verwahre mich entschieden gegen jede derartige Unterstellung. Wir haben alles versucht, die Familie zu integrieren. Hier wird Ursache und Wirkung verwechselt“, sagt er. Wo man seinen Döner kaufe, entscheide jeder selbst.
Ortsbürgermeister verwahrt sich gegen Vorwürfe
Esmer betont, sie habe bekannt werden wollen und die Einnahmen von 150 Euro vom Fest dem Angelsportverein (ASV) spenden wollen. Der ASV habe die Spende abgelehnt. „Ich habe keine Spende angeboten bekommen“, sagt allerdings ASV-Vorsitzender Thomas Schwinghammer.
Er verweist auf gescheiterte Bemühungen, im Nachgang mit einem Schiedsmann der Verbandsgemeinde Hauenstein eine Lösung zu finden. Esmers Ehemann habe behauptet, zwei Mitgliedern die Spende angeboten zu haben. „Wir haben überhaupt kein Interesse, etwas zu boykottieren“, so Schwinghammer. „Wir ziehen uns den Schuh, ausländerfeindlich zu sein, nicht an.“
Es gibt Tage, da habe ich nur 20 Euro Umsatz.
Esmer hat für ihren Kiosk jetzt die Öffnungszeiten verkürzt. Bisher war täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Ab sofort ist nur noch von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 16 bis 22 Uhr offen. „Es gibt Tage, da habe ich nur 20 Euro Umsatz“, sagt Esmer. Längere Öffnungszeiten rentierten sich da nicht mehr.
Zu den treuen Kundinnen gehört die Dahnerin Martina Heeg. „Ich bestelle öfter und mag vor allem die Pizza, sehr lecker“, sagt sie. Sie habe von den Problemen gehört und bedauere es sehr, sollte es zu Fakebestellungen und Diskriminierung gekommen sein.
Die habe es aber gegeben, so Esmer. Sie vermutet dahinter ein Komplott. Bis zu 35 Pizzen seien bestellt und nicht abgeholt worden. Mitunter würden Adressen angegeben, die es nicht gebe. Ihr Ehemann habe die Notbremse gezogen und arbeite wieder in Karlsruhe, um den Lebensunterhalt zu sichern. Drei der vier Kinder hätten die Schule gewechselt, weil auch sie diskriminiert würden.
Zudem sei der Gewerbemüll – eine Restmüll- und eine Papiertonne – seit zwei Monaten nicht abgeholt worden. Die Müllberge türmten sich, obwohl sie die Gebühren entrichtet habe. Die Kreisverwaltung widerspricht. „Die Tonnen werden geleert“, sagt Pressesprecherin Steffi Blinn. Selbst bei Beitragsrückständen würden Tonnen geleert. Aus Persönlichkeitsschutzgründen werde nicht mitgeteilt, wer bezahlt oder nicht. Die Tonnen müssten zu den Abholzeiten gut zugänglich bereitstehen.