Pirmasens Streik bei Horten

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Nicht weil sie sich schlecht behandelt oder gar ausgebeutet fühlen, streiken die Mitarbeiter des Pirmasenser Kaufhauses Horten. Wie zuvor bereits die Kollegen der Karstadt-Filiale in Kaiserslautern haben sie ihre Arbeit niedergelegt aus Protest gegen die Absicht der Bonner Regierung, das Ladenschlussgesetz aufzuweichen und einen langen Dienstleistungsabend – donnerstags bis 20.30 Uhr – einzuführen. Mit Transparenten und im Gespräch mit Passanten bringen sie auf der Straße ihre Empörung zum Ausdruck. 95 Prozent der Beschäftigten seien dem Aufruf gefolgt, erklärt Gewerkschaftssprecher Arno Meyer. Auch in Pirmasens wolle man damit ein unübersehbares Zeichen für die Westpfalz setzen gegen den beabsichtigten Eingriff in das bewährte Ladenschlussgesetz. Die Zahl 95 hält Horten-Geschäftsführer Christian Weiße allerdings für weit überzogen. Er habe immerhin die Abteilungen im Erdgeschoss und im dritten Obergeschoss noch ausreichend besetzen können, hier gehe der Verkauf weiter. Arno Meyer zeigt sich befremdet darüber, dass Horten das Haus nicht, wie zuvor Karstadt in Kaiserslautern, ganz geschlossen sondern teilweise weitergeführt hat. Weiße erklärt dies mit der von der Bevölkerung gern genutzten Funktion des Hauses als Verbindung zwischen Fußgängerzone und Oberem Schlossplatz. Zahlreiche Passanten haben sich vor dem Haus eingefunden. Ihre Reaktion auf den Streik fällt unterschiedlich aus. Während die einen volles Verständnis dafür zeigen, dass sich die Mitarbeiter gegen die drohende Mehrbelastung wehren, halten andere die Befürchtungen für überzogen. Immerhin gehe es nur um einen einzigen Dienstleistungsabend und die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter werde dadurch ja wohl nicht berührt. Mehrarbeit an diesem Abend werde dann eben durch Freizeit an anderen Tagen ausgeglichen. Ins Gespräch gebracht werden auch immer wieder die Ladenöffnungszeiten in anderen Ländern. Dagegen nimmt sich der eine Dienstleistungsabend in der Woche in der Tat mickrig aus. Zu lebhaften Diskussionen kommt es unter den Passanten über die Frage, wie notwendig ein Dienstleistungsabend überhaupt ist. Dazu gibt es gegensätzliche Meinungen: von „in Großstädten vielleicht, in kleineren Städten wie Pirmasens keinesfalls“ bis „unbedingt notwendig in allen Städten, in denen viele Frauen berufstätig sind“. Der Dienstleistungsabend wird im Oktober 1989 trotz des Widerstands der Gewerkschaft eingeführt, sieben Jahre später mit einer erneuten Lockerung der Ladenöffnungszeiten jedoch bereits wieder abgelöst. Heute dürfen Verkaufsstellen in Rheinland-Pfalz montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr geöffnet sein. Es steht den Betreibern jedoch frei, je nach Akzeptanz durch die Verbraucher, unterschiedlich darauf zu reagieren. Wie der Donnerstagabend gehört allerdings auch das Kaufhaus Horten in Pirmasens der Vergangenheit an. (mf)

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