Pirmasens Steppend durch Zeit und Tradition
Eine mitreißende Show aus Musik, Tanz und kleinen Spielszenen erlebte das Dahner Publikum mit den „Danceperados“ am Donnerstagabend im Otfried-von-Weißenburg-Theater. Die Dahner Sommerspiele hatten diesmal mit dem „Spirit of The Irish Christmas“-Spektakel eindeutig auf die richtige Karte gesetzt: Das Haus war ausverkauft.
Die „Desperados“ versprühten Lebensfreude im Saal: Mitreißender Stepptanz, der die Bühne zum Beben brachte, und irische Gute-Laune-Musik. Aber nicht nur. Die Tanzgruppe erzählte dem Publikum gemeinsam mit ihren Musikern in kleinen Spielszenen und Multimedia-Projektionen, wie man Weihnachten in Irland feiert. Mit Erklärungen, die von einem Band abgespielt wurden, und Aufnahmen von rauen Landschaften nahmen die Künstler ihr Publikum mit auf die Reise zurück zu alten Traditionen, aber auch durch die Weihnachtszeit und was sie Tag für Tag bietet. Choreograf Michael Donnelan war übrigens auch immer wieder präsent: Er flimmerte in einem Video über die Leinwand, die hinter das Bühnengeschehen gespannt war. Ein großartiger Tänzer, dessen Stepps im Zoom zu bewundern waren. Die Szene wirkte wie ein Dialog zwischen den Percussions und den Steppclicks der Metallplatten auf den Schuhen auf dem Boden und der Leinwand. Ein Gesamtkunstwerk. „Sean Nós“ heißt der neue Weg, den Donnelan mit den „Danceperados“ geht, der so viel wie „old style“ bedeutet und darauf aus ist, die Jig & Reels, so heißen die irischen Steppschritte, so expressiv wie möglich zu gestalten. Eine Kulturgeschichte ihres Landes lieferten die Künstler auch: Das Publikum erfuhr, dass die Iren zu Weihnachten Gruppenschwimmen im eisigen Meer veranstalten und wie man Plum-Pudding bäckt und flambiert. Das brachte Stimmung in den Saal, besonders als die Süßigkeit auf dem Bildschirm mit Whisky getränkt und gezündet wurde. Ein großes Geschrei gab es hingegen, als die Waldschrate ungestüm ins Publikum stoben. Mit ihren Strohköpfen und Schreien verströmten sie einen Flair von aufgeregter Wildheit, so dass sich mancher duckte und froh war, als sie wieder verschwanden. Federleicht und perfekt synchron hingegen wirbelten die Tänzer über die Bühne, immer in verschiedenen Konstellationen und bunt-glitzernden Kostümen. Es wirkte, als seien sie schwerelos und ihr Tanz kinderleicht. Doch es war eine herausragende und bestimmt sehr anstrengende und konzentrierte Leistung, die die Dancesperados in ihrer Performance boten. Immer wieder standen die Leute in den hinteren Reihen auf, um auch auf die Füße schauen zu können und die Tanzschritte zu bewundern. Besonders amüsierte sich das weibliche Publikum, als es von der kleinen Weihnacht erfuhr. Die findet am 6. Januar statt, wenn in Irland die Weihnachtsdekoration schon wieder in den Schachteln verschwindet. Der Brauch will, dass die Männer die Frauen an diesem Tag bedienen. An der „Frauenweihnacht“, wie sie auch genannt wird, werden die Damen dann von ihren Männern bekocht. Nach dem Raunen im Saal könnte man annehmen, dass so manche Besucherin bald auch irische Bräuche zu Hause einführen wird. Das Publikum tobte letztendlich zum Schluss vor Begeisterung, es klatschte, stampfte mit den Füßen und schrie vor Begeisterung, so, wie es ihm die Künstler anfangs beigebracht hatten, um die Tänzer und Musiker anzufeuern.