Pirmasens Stadtgeschichte erleben

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Mehr als 20 Teilnehmer, begleitet von zwei Schusterjungen, wandelten mit Gästeführerin Gabriele Großlaub am Samstag „Auf den Spuren von Schuster Joss“ durch Pirmasens.

Und das wusste Großlaub den Gästen zu berichten: Jean Joss, dessen Mutter aus Pirmasens stammte, wurde in Zweibrücken geboren und hatte sechs Söhne. In Paris lernte er das Schuhmacher-Handwerk von der Pike auf und diente dem Landgrafen Ludwig IX. in Pirmasens als Grenadier. Aus Paris hatte er die neuesten Erkenntnisse in der Schuhherstellung mitgebracht und fertigte im Nebenerwerb Hausschuhe aus gefärbten Schaffellen. Nach dem Tode des Landgrafen im Jahr 1790 war die Ehefrau von Joss erfolgreich als Schuhverkäuferin zu Fuß bis Koblenz unterwegs, so die Legende. Später ging Joss nach Straßburg, arbeitete und starb dort. Jahresdaten über sein Leben sind laut Gästeführerin nicht vorhanden. Um 1830 war Pirmasens der Haupthandelsplatz für gewendete Schuhe, die überallhin verkauft wurden, berichtete Großlaub. Ein Relief an einem Haus Ecke Fußgängerzone/Bahnhofstraße zeigt die Schuhträgerinnen. Mit der Schuhproduktion ging es bergauf. Eduard Rheinberger begann 1882 im Husarenstall hinter dem Rathaus Schuhe herzustellen. Schnell expandierte er, zog in die Exerzierplatzstraße und schließlich in die Schachenstraße, in der von 1902 bis 1905 die größte Schuhfabrik in Europa für 2000 Arbeitern entstand. Den benötigten Strom und das Leder stellte Rheinberger selbst her. Am ehemaligen Exerzierplatz nahm auch die Schuhfabrik Neuffer ihren Anfang. Peter Kaiser gründete 1838 in der Schlossstraße (heute C & A) die älteste deutsche Schuhfabrik. Sie arbeitete als erste mit Dampfmaschinen. Jakob Sand stellte die erste Schuhmaschine in Pirmasens her. Es entstanden Leisten- und Kartonagenfabriken. Zu Ehren von Schuster Joss stiftete Rheinberger 1921 den Schusterbrunnen für den oberen Schlossplatz. Er wurde 1984 vor der Lutherkirche wieder errichtet. Original ist nur noch die Bronzefigur des Schusters. Den Brunnen zieren drei Sprüche über den Schuh: „Der Schuh hat hier uns groß gemacht. Drum Schuh und Schuster nicht veracht“, „Verlässt der Schuh die städtisch Grenz, soll Lob er sein für Pirmasens“ und „Das wahre Leben Arbeit ist. Ein deutscher Mann das nie vergißt“. Die Gästeführerin trug auch ein Märchen vom Schuh vor: Adam bekam im Paradies von Gott einen Schuh, den er nach der Vertreibung aus dem Paradies wegwarf. Pirminius fand den Schuh im Sand bei einer Quelle und überlies ihn den Bewohnern eines Dorfes am Wedebrunnen. Diese stellten den Schuh in einem goldenen Kästchen in ihre Kapelle St. Julian, wo er gestohlen wurde und über Spanien wieder zurück in die Kirche nach Pirmasens kam. Der Schuh half den Menschen stets in größter Not. Als Landgraf Ludwig IX. die Kapelle abreißen ließ, warf er den derben Schuh aus dem Fenster und verkaufte das goldene Kästchen. Der Landgraf hörte eine Stimme: „Gib mir mein goldenes Kästchen wieder, sonst gebe ich keine Ruhe. Ich bin der gute Geist der Stadt.“ Doch das Kästchen fand sich nicht mehr und Ludwig IX. sollte fortan zur Geisterstunde keine Ruhe mehr finden. Nach dessen Tod versprach der Schuh Hilfe, wenn die Bewohner kein anderes Handwerk als das des Schuhmachers betreiben würden. Im Schuh-Museum im Alten Rathaus wurde eine Zwicker-Werkstatt besichtigt, die der des Schusters Joss nachempfunden ist. Die Zwicker waren „etwas Besseres“ in der Hierarchie, denn wenn sie nicht richtig zwickten, war der Schuh unbrauchbar, wusste Großlaub. Berühmt ist der „blooer Mondaa“ (blauer Montag) der Zwicker, an dem sie ihren „miede Kerber lifte“, sich also einen freien Tag verschafften. Denn: „E Zwicker, der am Mondaa zwickt, is aarisch kronk un halb verrikt.“

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