Pirmasens Stürmer mit Dynamit im rechten Fuß
CLAUSEN. Fußball – das war und ist sein Leben und der FK Clausen sein Verein. Heute feiert Paul Germann seinen 70. Geburtstag. Sein Name steht fast schon wie ein Synonym für den Fußballklub.
Bereits als 16-Jähriger (1963) spielte Germann in der ersten Mannschaft des FKC, für den er seit dem siebten Lebensjahr an den Ball trat. Für die Gelb-Schwarzen vom Hanauerring markierte Germann im Verlauf seiner Karriere, die 1980 zu Ende ging, mehr als 300 Tore. „Genau gezählt habe ich sie nie“, bekennt der Jubilar heute. Germann war ein Vollblutstürmer, der entweder im Angriffszentrum oder auf der rechten Seite zur Gefahr für den gegnerischen Kasten wurde. Als Wehrdienstleistender gehörte der Fallschirmjäger Germann lange der Bundeswehrauswahl „Rote Jäger“ an. „Da spielten ansonsten nur Profis und Halbprofis mit. Da habe ich als 19-Jähriger enorm viel lernen können“, erzählt Germann. Gemeinsam mit Robert Jung oder dem FCK-Profi Gerd Kentschke kickte er damals für die Bundeswehr. Und Paul Germann hatte richtig Dynamit im rechten Fuß. Ein Beleg hierfür war sein Treffer anno 1973 im immer wieder ganz heißen Derby beim FC Rodalben. „Was das für uns Fußballer und den Großteil der Bevölkerung war, kann man heute nicht mehr vermitteln.“ Im Match vor 2500 Zuschauern stand es 2:2, als der später für den FK Pirmasens spielende Rodalber Torhüter Norbert Paul den Ball wegschlug. Germann stand in Höhe der Mittellinie gerade noch in der Hälfte der Rodalber, nahm den Ball per Dropkick und bugsierte ihn direkt – „wie ein Strich“ – in den Winkel zum 3:2 für Clausen. „Damals haben wir erstmals seit Jahren wieder gegen Rodalben gewinnen können“, erinnert sich Germann. Und er denkt auch daran zurück, dass sein FKC nach dem Start mit 18:0 Punkten den Titel in der Zweiten Amateurliga holte. Fußball zu spielen und Tore für seinen FK Clausen zu erzielen, war stets eine Herzensangelegenheit für den Vollblutfußballer. „Alle Erinnerungen sind noch heute in mir drin“, erzählt er. Mit erst 19 Jahren hatte Germann seine Clauser erstmals in die Erste Amateurliga Südwest, anno 1966 die dritthöchste Spielklasse im bundesdeutschen Fußball, geköpft. Im Entscheidungsspiel in Bad Dürkheim hatte er in der Verlängerung eine Flanke von Kurt Mutter zum 2:1 verwandelt. Unvergessen seien auch die Spiele um die Südwestdeutsche Amateurmeisterschaft 1974. Da war zunächst der Saarlandmeister St. Ingbert zwei Mal mit 2:1 bezwungen worden. Im Viertelfinale wurde das favorisierte Villingen aus dem Wettbewerb geschossen und erst im Halbfinale scheiterte Clausen an Reutlingen. 1966, 1970 und 1974 holte Germann mit dem FK Clausen den Titel in der Zweiten Amateurliga Südwest. Von 1968 bis 1973 spielte der Stürmer in der Auswahl des Südwestdeutschen Fußballverbandes. Dieser ehrte den verdienten Fußballer und späteren Funktionär wie auch der Sportbund Pfalz mit der Ehrennadel. Außerdem erhielt Germann 1998 den Ehrenamtspreis des Deutschen Fußball-Bundes. Als die aktive Karriere von Germann 1980 zu Ende gegangen war, schloss sich nahtlos die Funktionärslaufbahn an. Von 1980 bis 2000 leitete Germann den Verein als Vorsitzender. 1981 führte er den FKC als Vereinschef in die Oberliga. Ralf Weishaar, Roland Germann, Werner Höh oder Hans Bischoff hießen damals die Protagonisten der Schwarz-Gelben. „Fußball war stets Thema Nummer eins bei uns in der Familie“, erzählt Germann, dessen Vater bereits in den 30er Jahren für den FK Pirmasens gespielt hatte und dessen Bruder Karl ebenfalls erfolgreich bei den Pirmasensern am Ball gewesen war. Auch heute ist Germann beim FKC „immer noch dabei“. Ihn interessiert es sehr, „wie es mit dem Verein weitergeht“. Der Ehrenvorsitzende ist davon überzeugt, dass sein Klub in dieser Saison den Titel in der B-Klasse Ost holen kann, denn „die spielen gut und ziehen alle an einem Strang.“ Der Vater einer Tochter und eines Sohns arbeitete zeitlebens – 48 Jahre lang – nur bei einem Arbeitgeber, dem Lederwarenhandel Richard Brill, bei dem er zuletzt Geschäftsführer war. „Ich bin aber auch ein Freund der Musik und singe gerne“, berichtet Germann. 15 Jahre lang lenkte er als Ratsmitglied die Geschicke seiner Heimatgemeinde mit. Noch heute ist er aktives Mitglied im Kirchenchor und unterstützt fast jeden Clauser Verein mit seiner Mitgliedschaft.