Pirmasens Ständiges Auf und Ab

Eisenach. Als der größte und als einer der anspruchsvollsten Ultramarathons Europas gilt der Supermarathon auf dem Rennsteig im Thüringer Wald, der über 72,7 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld führt. Der Hauensteiner Martin Kunz hat sich am vergangenen Wochenende dieser Herausforderung gestellt und sie grandios bewältigt: Nach sechs Stunden, einer Minute und 43 Sekunden erreichte er das Ziel, als 16. des Gesamtklassements und Siebter der AK 40. Chapeau!
Martin Kunz ist kein alter Hase auf den Laufstrecken: Er tauchte zwar immer mal in Ergebnislisten von Volksläufen in der Region auf, doch erst seit 2013 trainiert er intensiv. Mit seinem Schwager Herbert Rollwa aus Rodalben, der auch im Alter von 65 Jahren nach wie vor auf 100-Kilometer-Strecken unterwegs ist, hatte Kunz einen versierten Mentor. Ziel damals war der Frankfurt-Marathon. Und schon beim ersten Marathon knackte der 41-jährige Unternehmensberater die magische Drei-Stunden-Marke: Am Main blieben die Uhren nach 2:57:45 Stunden stehen, mittlerweile steht seine Bestzeit bei 2:49:45 Stunden. „Nach sechs Marathons habe ich eine neue Herausforderung gesucht“, sagt Kunz. Der Sprung vom klassischen Marathon hin zum 100-Kilometer-Lauf schien ihm zu groß, der Rennsteig-Lauf mit seinen 72,7 Kilometern schien „passend“. Und so begann im November vergangenen Jahres die Vorbereitung: „1600 Trainingskilometer werden’s wohl seither gewesen sein“, erzählt Kunz. 30 bis 50 Kilometer am Wochenende sei er mit Kollegen gelaufen, in der heißen Phase der Vorbereitung wurden es rund 100 Kilometer pro Woche. Und ab und zu gab’s Rennen: Ende Januar der 50-Kilometer-Rodgau-Ultra-Marathon, in den Vogesen war Kunz auf dem 52 Kilometer langen, mit 2300 Höhenmeter gespickten „Trail du Petit Ballon“ unterwegs, seinen ersten Sieg überhaupt feierte er beim Kurstadtlauf in Bad Bergzabern, der Ende April über 23 Kilometer führte: „Da hat man gemerkt, dass die Form stimmt.“ Jetzt also der Rennsteiglauf, der mit seinen verschiedenen Laufstrecken über 15.000 Läufer aus 28 Nationen nach Thüringen lockte. 2211 Starter nahmen den Supermarathon mit seiner Höhendifferenz von 2439 Metern unter die Sohlen, 2080 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel, nur 15 waren schneller als der Hauensteiner. Am Freitag war Kunz nach Eisenach angereist, die Nacht verbrachte er im Auto, kurz vor vier war die Nacht vorbei. Zum Frühstück gab’s Kaffee und ein paar Toastscheiben, ehe um sechs Uhr der Start auf dem Eisenacher Marktplatz folgte. Das Profil bot Überraschungen für Kunz: „Ich war davon ausgegangen, dass die ersten 25 Kilometer mit dem Aufstieg hoch zum 910 Meter hohen Inselberg die meisten Körner kosten würden und dass sich danach die Strecke nivellieren würde.“ Aber: „Es folgten Wellen ohne Ende, ein ständiges Auf und Ab. Du meinst, das hört nicht mehr auf.“ Unterwegs gab’s als kleine motivierende Zwischenziele zahllose Verpflegungsstationen, an denen Kunz fast ausschließlich Wasser zu sich nahm. Ausnahme: der Haferschleim, eine Besonderheit des Rennsteiglaufs. Um 12 Uhr lief Kunz ins Ziel. Und sein nächstes Ziel ist der 100-Kilometer-Lauf von Biel in der Schweiz.