Pirmasens Sozialkarte für Familien gewünscht

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In Pirmasens bräuchte es einen Sozialpass. Das ist das Ergebnis der dritten Armutskonferenz des Pfarreirates St. Pirmin. Der Ausweis, der zu ermäßigtem Eintritt in die Festhalle oder auch billigeren Busfahrkarten berechtigen könnte, sollte an die Kinderzahl geknüpft werden, heißt es.

„Das ist keine ideologische Geschichte und verursacht auch keinen großen finanziellen Aufwand“, warb Jürgen Rubeck, Diakon von St. Pirmin, bei der Armutskonferenz in den Räumen der Caritas für den Sozialpass. Mit dem Sozialpass könnten Betroffene günstigere Eintrittskarten für das Plub, die Festhalle oder das Dynamikum bekommen, erläuterte er. Ziele seien außerdem billigere Fahrausweise der Stadtwerke, keine Gebühren für die Stadtbücherei, gesenkte VHS-Kursgebühren. Rubeck verwies auf einen Versuch der Fraktion „Die Linke“ für einen Sozialpass, der jedoch vom Stadtrat abgelehnt worden sei. „Die Stadt macht es sich hier zu einfach“, urteilte Josefa Simon-Baldus von der Caritas. Bei Initiativen wie der für den Sozialpass werde immer auf schon bestehende Angebote von der Tafel, dem Pakt für Pirmasens oder der Regenbogen-Kinderhilfe verwiesen. „Je mehr ehrenamtliche Aktivitäten es gibt, um so eher verstecken sich die Gemeinden dahinter“, kommentierte Rubeck. Kritische Stimmen wurden in der Runde am Mittwochabend auch laut. Ein Sozialpass könne die Landflucht verstärken, da dann Kreisbewohner von den besseren Angeboten in der Stadt profitieren wollten. Auch könne der Sozialneid zunehmen. „In einer Stadt wie Pirmasens sollte schon mehr passieren“, meinte Frank Eschrich von der Linken-Stadtratsfraktion. Die Kosten könnten nicht das Argument sein. „Wenn man was will in Pirmasens, dann geht das auch“, so Eschrich, der auf die neuen Tablets für den Stadtrat verwies, die fast 19.000 Euro kosten werden. Für Jürgen Rubeck erscheint eine generelle Sozialkarte für Familien ohne Einkunftsnachweis als beste Lösung. Die Ermäßigung würde sich nach der Zahl der Kinder richten. „Ich tendiere zu einem familienbezogenen Angebot.“ Auch wenn es sich bei einem Sozialpass um eine freiwillige Ausgabe handele, die eine hoch verschuldete Stadt wie Pirmasens eigentlich gar nicht im Haushalt stehen haben dürfte, könnte das Projekt locker über Sponsoren finanziert werden, findet Rubeck. „Es finden sich für alle möglichen Sachen Sponsoren. Wieso nicht für einen Sozialpass?“ Andere Teilnehmer der Armutskonferenz favorisieren hingegen eine einkommensbezogene Ausstellung des Sozialpasses. Gerade in Pirmasens gebe es sehr viele Rentner, die trotz lebenslanger Arbeit nur eine sehr kleine Rente besäßen, mahnte eine Teilnehmerin. Sinnvoll wäre zunächst, eine Aufstellung der in Frage kommenden Bevölkerungsgruppen erstellen zu lassen, regte Eschrich an. Bis zur nächsten Armutskonferenz soll ein Konzept erarbeitet werden, kündigte Rubeck an. Erst dann wolle der Gesprächskreis mit einer konkreten Forderung an die Stadt gehen. Die Thematik will Rubeck unabhängig von Parteiinteressen behandelt wissen. „Das ist ein Thema der christlichen Soziallehre“, betont er. Weiteres Thema waren Obdachlose, die es zwar nicht mehr so präsent im Straßenbild gibt wie früher. Die Problematik sei aber immer noch vorhanden, betonten die Teilnehmer. Vor allem junge Menschen, die bei den Eltern rausgeworfen wurden oder aus anderen Gründen ohne festen Wohnsitz sind, gebe es häufig in Pirmasens, schilderte Josefa Simon-Baldus von der Caritas. Die Armutskonferenz gibt es seit 2015 in Pirmasens. Träger der Armutskonferenz, die für jedermann offen ist, sind der Pfarreirat St. Pirmin, der Sachausschuss Caritas sowie das Nardini-Hilfswerk. |kka

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