Pirmasens
Sommerintermezzo: Der Abend an dem alles stimmt
Musica, Passione, Emozione: Darauf setzen die Dolci Signori, die gerade kreuz und quer durch Deutschland touren und am Sonntag in Pirmasens gastieren – zum letzten Abend des Sommerintermezzos auf dem Joseph-Krekeler-Platz vor der Alten Post. Und das kommt bei den Leuten hervorragend an. Der Platz ist rappelvoll. Es herrscht eine Stimmung wie im Urlaub, wenn Musiker am Pool spielen. Nur, dass die Szenerie viel größer ist. Ein Hauch von San-Remo-Festival schwebt über den Platz – und manchmal auch von Jahrmarkt. Viele haben sich Sitzgelegenheiten mitgebracht, denn nicht mal auf der Mauer war noch ein Platz zu ergattern, geschweige denn einer der Liegestühle.
Eins steht fest, die Dolci Signori sind im ständigen Kontakt mit dem Publikum. Sie interessieren sich für alles, was ihrem Publikum zu Italien einfällt, animieren die Konzertbesucher zum klatschen, aufstehen und tanzen – und die machen mit. Los geht es mit Adriano Celentanos „Azzurro“, bevor sich das Sextett mit Albano und Romina Power, Ricci e Poveri und Jovanotti durch die 70er Jahre der italienischen Musikgeschichte hangelt. Die Pirmasenser genießen den Abend, sind ausgelassen und bester Laune.
Musikalischer Urlaub
„Ihr seid das beste Publikum der Welt“, beteuern die Männer, geben aber gleich auch zu, dass sie das in allen Städten sagen. Aber das verzeiht das Publikum, lacht, klatscht und will mehr musikalischen Urlaub. Den bekommen sie, denn mit „You Wanna be American“ geht es nach Napoli, wo in den 60er Jahren Sophia Loren den Song zum besten gab.
I Dolci Signori, das sind Frontmann Rocky Verardo, der für den „Gänsehaut-Faktor“ sorgt, besonders wenn er eine Stimme wie Eros Ramazzotti bekommt, sowie Gitarrist Gianni Carrera in vorderster Reihe. Sie übernehmen die charmante Moderation und werden von den Pirmasensern sofort ins Herz geschlossen. Gianni Carrera spielt übrigens nicht nur Gitarre, sondern baut sie auch. Er hat diese Kunst im kalabresischen Bisignano bei der Familie DeBonis gelernt, die in Italien zu den bekanntesten Gitarrenbauern gehören. Außerdem stehen auf der Bühne die Bassisten Uli Rossi und Riccardo Belli, Keyboarder Bernardo „del fuego“ Meyer, der alle Songs für die Band arrangiert, und Schlagzeuger Michele Foresta. Seit über 23 Jahren begeistert die Band ihr Publikum mit italienischem Lebensgefühl und Spielfreude.
Sommerlich ausgelassene Stimmung
Was die Herren auch wissen wollen ist, wieviele Italiener auf dem Platz sind. Dass man die an zwei Händen abzählen kann, enttäuscht sie ein wenig, denn normalerweise füllt das Sextett auch riesige Freiluftbühnen, wo zahlreiche Landsleute auftauchen. Aber auch die Pirmasenser singen lauthals mit, als die Männer „L’italiano“ von Toto Cutugno präsentieren.
Immer wieder veranstalten I Dolci Signori wahre Fitness-Programme mit dem Publikum: Hände hoch heben, seitlich halten und wieder zurück nach oben mit einem Klatschen, dann das Tempo steigern. Geschlossen machen alle mit. Und manche tanzen auch: mal Rock’n’Roll, mal Rumba – was die Rhythmen eben gerade hergeben.
Konzertgenuss ohne Eintrittskarte
Bei dieser sommerlich ausgelassenen Stimmung ist der Getränkestand von Rita de las Mercedes Figueredo Veliz hochfrequentiert. Mit ihrem Team von der Bodega Estacion kommt sie kaum nach, kühle Getränke über die Theke zu reichen. Aperol Spritz gehört zu den Favoriten, denn das gehört zu einem italienischen Abend, antworten die Pirmasenser den Musikern, die wissen wollen, was ihren Gästen zu Italien einfällt. Natürlich Amore und Mare, aber eben auch Pizza, Espresso und Aperol Spritz.
Kulturamtsleiterin Heike Wittmer strahlt über das ganze Gesicht. Das von ihr eingeführte „Sommerintermezzo“-Konzept mit freiem Eintritt, ganz ohne Bauzaun um den Joseph-Krekeler-Platz ist ein Riesenerfolg. Die Pirmasenser lieben es, zu kommen und zu gehen, wann immer sie wollen und ohne sich um eine Eintrittskarte kümmern zu müssen.
Das Abschlusskonzert ist der größte Erfolg unter den dreitägigen Konzertangebot vor der Alten Post, weil alles gestimmt hat. Nicht nur die Musik und die Bewirtung, sondern auch das Wetter.