Pirmasens Sie soll das Ding schaukeln

Ihr Privatleben hat Birgit Stegmann vor drei Jahren nach Gönnheim verlegt, jetzt könnte ihr Beruf „nachfolgen“. Die kommissarische Leiterin des Personalamts der Stadt Pirmasens will Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Wachenheim werden. Die parteilose Stegmann tritt für die SPD an. Gewählt wird am Sonntag.
Wer das Wohn-Esszimmer im Haus Ludwigstraße 63 in Gönnheim betritt, blickt automatisch auf einen Türrahmen aus alten groben Holzbalken mitten im Raum. Der Lebenspartner von Birgit Stegmann, mit dem sie seit drei Jahren lebt, hat ihn bei der Renovierung entdeckt und als Raumteiler stehenlassen. Über dem Querbalken stehen Bücher, darunter hängt – eine Schaukel. Ihre Schaukel. „Ab und zu sitze ich da drauf“, bekennt sie freimütig. Seele baumeln lassen, neuen Schwung holen – passende Sprachbilder. Ein paar Minuten reichen. Seele baumeln lassen kommt im Moment wohl etwas kurz. Der Herausforderung Wahlkampf auf politisch wildfremdem Terrain stellt sie sich beherzt und eifrig, macht neben den vier zentralen Infoabenden in jeder Gemeinde auch Haustürbesuche von fünf Stunden und länger, meist in Begleitung eines Ortskundigen. Ihren Job bei der Stadt Pirmasens hat sie dafür vorübergehend auf Teilzeit heruntergefahren, um das Pensum zu schaffen. Sie will, sie muss ja bekannt werden. „Vor ein paar Wochen wusste ich noch nicht, dass ich hier antreten werde“, sinniert die zierliche Frau von 1,54 Metern. Als wolle sie sich selbst kneifen, welch traumhaft einmalige Lebenschance sich da gerade auftut. Das noch frische private Glück womöglich mit beruflichem Aufstieg verknüpfen zu können, mit 49 noch einmal eine reizvolle neue Aufgabe angehen zu können, nicht zuletzt zehn Wochenstunden im Auto zwischen Wahlheimat und Heimatstadt zu „sparen“. In Pirmasens spielte sich bisher ihr ganzes Leben ab, doch nun gäbe es für sie kein Zweifeln und Zögern, es neu auszurichten. Die Tätigkeit als Verbandsbürgermeisterin wäre „die logische Folge meiner beruflichen Vita“, sagt sie. Sie suche etwas Anspruchsvolles, an dem sie noch wachsen könne. Natürlich sei die räumliche Annäherung ein willkommener Nebeneffekt, „aber nicht alles - sonst wär’ ich ja schon lange hier.“ Sie habe „den schönsten Job bei der Stadtverwaltung“ und von daher keine Sorge, sollte es am 10. oder 31. Mai nicht klappen. Stegmann wurde im Februar 1962 in Pirmasens geboren. Hier hat sie die Schule bis zum Abi durchlaufen, hat sie ihre beiden Söhne (heute 23 und 21) geboren, hat sie 1985 eine Verwaltungslehre bei der Stadt begonnen, die sie 1988 mit Abschluss Diplom-Verwaltungswirtin (FH) ins Hauptamt führte. Dort galt sie ab 2002 als umtriebige „Organisationschefin“, seit 2012 leitet die Stadtverwaltungsrätin kommissarisch das Personalamt. Stegmann kommt aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus und bekennt sich zu Grundwerten der SPD, ist aber (kommunal-)politisch in Pirmasens bisher nicht in Erscheinung getreten. Der Kontakt zum SPD-Gemeindeverband Wachenheim, für den sie als Parteilose kandidiert, kamen durch Nachbarn in Gönnheim zustande. Sie gilt als „taff“. „Im Grunde bin ich schüchtern“, meint sie selbst, aber „warmherzig“. Bisweilen zu perfektionistisch an sich selbst, zu anspruchsvoll, „tue mir schwer zu delegieren“. Freizeit, sobald wieder vorhanden? Krimis lesen (wenig Fernsehen), wenn Beschallung, dann breites Musikspektrum von Nick Cave und Grönemeyer bis Pink Floyd und kirchliche Arien. Sport? Ab und zu morgens joggen, dann gut 45 Minuten. Gefeiert wird in der Scheune. Egal, wie’s ausgeht am Sonntag. Als Dank an die rührige, ihr noch im Januar unbekannte Schar von Helfern, „die schaffen wie die Brunnebutzer“. Und natürlich hoffen, dass Birgit Stegmann das Ding schaukeln wird.