Pirmasens Sie ist dabei – und wie!

ZÜRICH. Eins vorweg: Oma Liesel, der größte Fan von Christin Hussong, weilte gestern nicht im Letzigrund-Stadion von Zürich und war doch live dabei. Telefonisch verbunden mit ihrer Tochter Gabi Hussong, die dann nach Herschberg übermitteln konnte, dass die Enkeltochter mit 61,13 Meter ganz souverän ins Speerwurffinale der Europameisterschaften morgen Abend eingezogen ist.
Gemeistert hat Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) ihre EM-Premiere in der Aktivenklasse. Und wie sicher! „Es ist schon was anderes bei den Großen. Früher in der Jugend bin ich immer als Nummer eins oder zwei in der Meldeliste angereist und dann erwartet man von sich oder von außen, dass man eine Medaille holt. Hier muss ich locker werfen oder laufen, es ist ein wenig entspannter. Aber vieles ist hier auch anstrengend, zum Beispiel die Interviews und die Kameras. Das ist man so nicht gewohnt.“ Früher startete Hussong oft als einzige Deutsche international, nun ist sie das Küken eines starken deutschen Trios. Linda Stahl, die Europameister von 2010, und Katharina Molitor helfen ihr dabei, die Aufregung abzulegen. Das tut ihr gut. „Wir sagten uns, wir schaffen es gemeinsam ins Finale“, sagt Hussong lachend. Gesagt, getan. Morgen um 20.20 Uhr geht es für Christin Hussong weiter. Dann wird sie wieder ihr blondes Haar schön geflochten über den Kopf legen, dann wird der blonde Zopf wieder wehen, dann wird die Nervosität sich wieder breit machen, und dann wird auch der Speer wieder weit fliegen. Ehrlich: Die 20-jährige Herschbergerin hat gestern einen starken und sympathischen Auftritt auf dem internationalen Parkett hingelegt. Das will sie morgen wiederholen. Dann wird anstelle von Oma Liesel die große Schwester Michelle wieder, wie gestern, an der Seite von Mama Gabi sein. Michelle, einst deutsche Meisterin im Siebenkampf, war der sportliche Motor für Christin. Nun spielt sie nur noch ein bisschen Handball, promoviert in Berlin in Molekularbiologie und ist mit ihren Eltern im Wohnmobil in die Schweiz gefahren. Am Sonntag kamen sie an, am Montag trafen sie Christin mal für fünf Minuten am Stadion, gestern drückten sie die Daumen, heute gehen sie shoppen und morgen hoffen sie auf einen Platz unter den Top-Acht. Während Christin im Hilton am Flughafen residiert, wohnt die Dreiviertelfamilie Hussong auf dem Campingplatz, eine halbe Busstunde vom Letzigrund entfernt. Ein schöner Familienausflug der Hussongs in die Schweiz, den auch Vater und Trainer Udo Hussong in vollen Zügen genießt. Er, der so viel in das Training seiner Tochter investiert, ist jetzt voller Stolz dabei, wenn Christin wirft. „Schön sauber über die Schulter“, wie er gestern sagte. Er hatte nichts zu meckern.