Kraftsport RHEINPFALZ Plus Artikel Schwere Steine als Sportgeräte

Gewichtshochwurf: Der Petersberger Peter Fremgen katapultiert den 15,8 Kilo schweren Stein über die auf 3,60 Meter liegende Latt
Gewichtshochwurf: Der Petersberger Peter Fremgen katapultiert den 15,8 Kilo schweren Stein über die auf 3,60 Meter liegende Latte.

„Christian“ heißt ein 50 Kilo schwerer Stein, der als Sportgerät dient. Christian zu transportieren, ist im normalen Alltag eher etwas für einen Minibagger. Wie sich Sportler in einem Wettkampf mit solch unförmigen Ungetümen messen, das gab es am Samstag in der Halle des Turnvereins Thaleischweiler zu sehen.

Dort trafen sich 14 Athleten, um die deutschen Hallenmeister im Zehn- und Achtkampf sowie im Gewichtshochwurf des kleinen Spezialsport-Verbands LSW (Laufen, Stoßen, Werfen) zu ermitteln. Dabei waren auch Peter Fremgen, Leandra Weiß, Ann-Sophie Becker und Leo Wirth vom TV Thaleischweiler.

Eine Lkw-Ladung Sand sorgt für ein sanftes Abfedern der Sportgeräte im Zielbereich. „Ich probiere aus, was geht“, sagte Leandra Weiß vor ihrem ersten Versuch mit dem 20-Kilo-Stein. Aus dem Stand heraus stieß die 19-Jährige aus Höhfröschen den Stein in den Sand. Die beiden Kampfrichter, Ralf Weiß aus Höhfröschen und Rüdiger Becker aus Petersberg (beide vom TVT), schauen genau hin. Fokussiert auf den Stoß, nimmt die TVT-Athletin am Balken, der nicht übertreten werden darf, Aufstellung. Mit einem Stoß fliegt das Sportgerät 2,60 Meter weit. „Da geht noch was“, ist auf ihrem roten Sportdress zu lesen. Genau so kam es: 2,86 Meter weit katapultierte die 1,67 Meter große und 62 Kilo wiegende Sportlerin den Stein im zweiten Versuch. Ihre Vereinskollegin Ann-Sophie-Becker schaffte 2,91 Meter.

Stein über die Latte

In der nächsten Disziplin, dem Gewichtshochwurf, ging es darum, einen Stein, an dem an einer kleinen Kette eine Triangel als Griff befestigt ist, möglichst hoch über eine Latte zu werfen. Rückwärts zur Latte stellten sich die Teilnehmer. Leandra Weiß nahm Schwung und packte 2,60 Meter mit dem elf Kilo schweren Stein. „Ungewohnt, wir machen das ja nur einmal im Jahr, aber es macht Spaß“, stellte sie fest.

Leo Wirth warf mit verschieden schweren Steinen von 3,5 bis 25 kg. Je drei Versuche pro Gewicht hatte er. Zudem versuchte sich der 19-jährige Weselberger auch im Hochwurf. „Ich hör’ auf, da geht nichts mehr“, sagte er, nachdem er im zweiten Versuch an 3,20 Meter Höhe gescheitert war.

Für Peter Fremgen lief es hingegen richtig gut. Der Petersberger donnerte den 15,8 Kilo wiegenden Stein 3,60 Meter hoch. „Höher als letztes Jahr“, freute sich der Trainer der Leichtathleten und Rasenkraftsportler des TVT.

Der Gärtner und der Lehrer

Ein ewiges Duell liefern sich ein Gärtner und ein Lehrer. Gärtner Christian Tauscher ist der LSW-Vorsitzende. Der 73-jährige Pforzheimer duellierte sich mit dem zwei Jahre jüngeren Reinhard Rauhe, einem pensionierten Lehrer. Der Vizevorsitzende des Rasensportclubs Mutterstadt, der aus Alzey stammt und jetzt in Wien lebt, schaffte 3,80 Meter und warf damit den Stein etwas höher als Tauscher. „Dafür bin ich mit dem 50-Kilo-Stein seit drei Jahren ungeschlagen“, relativierte der dieses Mal unterlegene Tauscher und scherzte: „Reinhard Rauhe ist nicht mein Konkurrent, beim Wettkampf ist er mein Feind.“

Rauhe ist in dieser Disziplin einer der Besten weltweit. Bei den Highland-Games-Weltmeisterschaften im August in der Schweiz holte er Bronze, bei der WM in den Spezialwurfdisziplinen im tschechischen Lovosice gewann er zwei Gold- und sieben Silbermedaillen. Zudem hält er vier deutsche Seniorenrekorde im Ultramehrkampf. Tauscher packte übrigens am Ende nicht nur die Urkunde für die deutsche Vizemeisterschaft in seinen Campingbus, sondern auch die Hochwurfanlage, die ihm gehört und die er für die Wettkämpfe zur Verfügung stellt.

Ein Fall für die Versicherung

Ein Missgeschick unterlief Claudia Ernst-Offermann von Phoenix Mutterstadt. Statt in den Sand flog bei ihr der Stein in die Wand. „Ich habe eine Haftpflichtversicherung“, nahm sie das Malheur gelassen zur Kenntnis.

Leandra Weiß wurde deutsche U20-Meisterin im Achtkampf und im Hochwurf, Ann-Sophie Becker in den gleichen Disziplinen in der Altersklasse W20. Leo Wirth stand sogar dreimal auf dem Treppchen als deutscher Meister im Achtkampf, Zehnkampf und im Hochwurf. Peter Fremgen wurde zweimal deutscher Meister: im Zehn- und im Achtkampf der Männer über 60 Jahre.

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