Pirmasens Schuhgeschichte inszeniert

Das AKT-Ensemble agierte an unterschiedlichen Orten in der Festhalle und die Zuschauer mussten mit ihren Klappstühlen unter dem
Das AKT-Ensemble agierte an unterschiedlichen Orten in der Festhalle und die Zuschauer mussten mit ihren Klappstühlen unter dem Arm den Schauspielern folgen.

Einen im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Abend bot das Arme Kreative Theater (AKT) unter der Leitung von Achim Ropers am Freitag in der Pirmasenser Festhalle. Nicht nur, weil die Schauspieler ihr Publikum durch die bewegte Pirmasenser Stadtgeschichte schickten, sondern auch, weil das Ensemble an unterschiedlichen Orten in der Festhalle agierte und die Zuschauer mit ihren Klappstühlen unter dem Arm den Schauspielern folgten.

So ging es vom Foyer in den Eingangsbereich, von dort nach oben in die erste Etage, und wieder zurück. Immer der Zukunft entgegen. 100 Besucher folgten aufmerksam. In seinem Bemühen, mit der AKT-Truppe stets neue Wege zu gehen, hat Ropers das Publikum mit einem Stationentheater auf die Reise durch die Festhalle geschickt – und gleichzeitig durch die Pirmasenser Stadtgeschichte. Eine ähnliche Version war bereits beim Kultursommer zu sehen. Frauen bestimmten die Pirmasenser Stadtgeschichte, so die Meinung der Theatermacher, und so war auch die Rolle der Frau in den sechs Episoden stark vertreten. Gisi Justus erzählte die Lebensgeschichte einer Frau, die in der Schuhfabrik alt wurde und damit zufrieden war, Denise Raquet-Stark und Christina Wiedemann wurden vor den Augen des Publikums zu Heimarbeiterinnen, und die komplette Belegschaft in der Spielszene „Modern Times“ wurde Teil der Industriemaschinerie. Mit einer Choreographie machte das Ensemble deutlich, dass Arbeiterinnen zu einem Teil des Fließbands mutierten. Absoluter Publikumsliebling war Hans Pfeifer alias Eugen Schäfer. Wenn er auf der Bühne auftauchte, verwandelte er die Handlung mit seiner Komik fast in Slapstick-Nummern. Besonders als er sich die neuste Dampfmaschine erklären ließ, von der er nun so gar keine Ahnung hatte. Einfach klasse. Die Erläuterungen zur Dampfmaschinentechnik stammten übrigens von Wikipedia und Google. Ropers hatte die Dampfmaschine über das Onlinelexikon erklären lassen und mit Google hin- und her übersetzt. Die großteils sinnlosen Worte, die sich daraus ergaben, hat er den Darstellern in den Mund gelegt. Die Szene „Schöne Eine Welt“, die die Zeit der Globalisierung beleuchtete, wurde AKT von der „Berliner Companie“ überlassen, den Profis aus der Hauptstadt, die im Sommer im Rheinberger-Atrium mit ihrem Stück samt Fassadenklettereien die Pirmasenser begeisterte. Diese externe Doppelszene brach denn auch aus dem Collagen-Puzzle von „Absatz kehrt!“ heraus, weil sie in Hochdeutsch gehalten war, aber auch, weil es darin um Textilindustrie ging. Am spannendsten war der Innenhof als Spielort, wo die Schuhproduktion in der NS-Zeit beleuchtet wurde. Das Publikum saß drinnen im Warmen, um die Spielszene „Auf Abwegen“ draußen zu verfolgen. Durch die Glasscheiben sah man die Schauspieler in gleichtönigen Overalls als Gefangene des Konzentrationslagers Sachsenhausen marschieren, während der Dialog über Mikrofon und Lautsprecher nach innen übertragen wurde. Die Regie ließ die Schauspieler sich von unten mit einer Taschenlampe beleuchten. So sahen sie gespenstig aus wie das Thema, das sie mit der Spielszene umsetzten. Es ging etwa darum, dass neue Schuhmaterialien von KZ-Häftlingen auf ihren tagelangen Märschen getestet wurden. Favorit am Applaus gemessen war der Rapper Don Chrizzo, der seiner Stadt ein Lied widmete und mit viel Herzblut von seiner Heimat schwärmte. Fazit des Abends war: Pirmasens hat Zukunft. Das war der Konsens aller. Mal was anderes, sagten viele Besucher. Witzig, fanden die einen. Anstrengend, die anderen, weil sie ihre Sitzgelegenheit immer mit sich tragen mussten. Doch die Stimmung war bei allen bestens. AKT sei es gelungen, die Pirmasenser Industriekultur mit der hiesigen Kulturgeschichte zu verknüpfen, lobte OB Bernhard Matheis. Termine Weitere Aufführungen sind für den 23. November sowie 14. und 16. Dezember jeweils um 20 Uhr vorgesehen.

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