Pirmasens Rubin: Gesellschaft will mehr Schwerbehinderte in die Betriebe bringen
„Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber“ nennt sich das Beratungsangebot und die Person dahinter ist die Sozialtherapeutin Sibylle Reinmüller, die sich im Förderdschungel: Eingliederungszuschuss, Beschäftigungssicherungszuschuss und andere Formen der Förderung von Betrieben, die sich zur Einstellung eines schwerbehinderten Kollegen entscheiden. Vor allem will Reinmüller mit einem Vorurteil aufräumen, das vielfach eine Barriere für die Einstellung darstellt: die angebliche Unkündbarkeit von Schwerbehinderten. „Kündigungen sind für diese Personen auch betriebsbedingt oder aus strukturellen Gründen möglich und in der Probezeit sowieso“, betont Inge Umhofer, die Geschäftsführerin von Rubin mit Sitz in Kaiserslautern in der Eisenbahnstraße und in Pirmasens in der Schützenstraße im so genannten Postdreieck.
Rubin ist ein gemeinnütziges Unternehmen und arbeitet seit über 25 Jahren im Bereich der Westpfalz. Die Aufgabe von Rubin ist es, Menschen mit psychischen Erkrankungen umfassend zu helfen. Mit unterschiedlichen Angeboten soll erreicht werden, das Leben in der Heimat so gut wie möglich in einer Gemeinschaft zu führen. Und dazu gehört eine sinnstiftende Arbeit unbedingt, weshalb gemäß dem neuen Teilhabestärkungsgesetz Organisationen wie Rubin nun auch verstärkt mit den einheitlichen Ansprechpartnern auf die Arbeitgeber zugehen wollen.
Beratung kostenlos
„Unsere Beratung ist für die Betriebe kostenfrei“, betont Umhofer. Die Aufgabe von Sibylle Reinmüller könne mit der eines Lotsen verglichen werden, der Hemmschwellen abbauen sollte und den Firmen helfen soll, sich in der komplexen Förderstruktur zurechtzufinden; also Fragen beantworten wie beispielsweise „Wann stelle ich welchen Antrag?“, „Welches Förderprogramm passt am besten?“ oder „Wie kann ich die Stelle am besten für die in Frage kommende Person einrichten?“.
Große Betriebe hätten da meist keine Probleme und eigene Abteilungen mit Schwerbehinderten. Mittlere und erst recht kleine Betriebe hätten jedoch viel mit den Gesetzen und Vorschriften zu kämpfen, berichtet Reinmüller aus ihren ersten Erfahrungen. Es habe sich aber schon viel verbessert, findet Umhofer. Schwerbehinderte Mitarbeiter hätten über die Fördermöglichkeiten viel für die Betriebe zu bieten. „Die sind zum Teil gut ausgebildet und oft sehr loyal zu ihrem Betrieb“, weiß Umhofer aus ihrer langjährigen Erfahrung. Neben der Beratung zu Fördermöglichkeiten werde auch noch allgemein über psychische Erkrankungen oder Behinderungen aufgeklärt sowie deren Auswirkungen auf das Berufsleben.
Ungenutztes Potenzial von 500 Personen
Rund 500 Personen kommen im Raum Pirmasens für solch eine Vermittlung in Betriebe in Frage, schätzt Umhofer. „Wir haben eine relativ hohe Zahl in Pirmasens und Kaiserslautern“, wofür Reinmüller ebenfalls zuständig ist. Ihre Arbeit endet nicht mit der Einstellung einer schwerbehinderten Person, sondern geht bei Bedarf noch viele Jahre weiter. „Es gibt da noch begleitende Hilfen zur Stabilisierung oder bei Konflikten“, nennt Reinmüller weitere Beispiele für Möglichkeiten der Unterstützung. Sibylle Reinmüller arbeitet seit Sommer bei Rubin im Auftrag des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung. Davor hat die studierte Psychologin in einer Reha-Klinik gearbeitet.
Kontakt
Rubin, Schützenstraße 9, Pirmasens, Sibylle Reinmüller, 06331/515420, E-Mail: reinmueller.sibylle@rubin-awo.org