Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Robody: Ein Pflege-Roboter im Einsatz

Marc Bender von der ökumenischen Sozialstation (rechts) bedient den Pflegeroboter Robody, den die Firma Devanthro entwickelt hat
Marc Bender von der ökumenischen Sozialstation (rechts) bedient den Pflegeroboter Robody, den die Firma Devanthro entwickelt hat. Deren Geschäftsführer Rafael Hostettler gibt Tipps.

Bei der Diakonie in Pirmasens wird ein Pflegeroboter getestet. Erstmals ist er bei einer Person im Einsatz, die auf Hilfe angewiesen ist. Wie läuft das Projekt?

„Wollen wir Wäsche zusammenlegen?“, fragt Marc Bender eine ältere Dame, die gemütlich in ihrem Lehnstuhl sitzt. Bender ist ausgebildete Pflegefachkraft und Bereichsleiter der ökumenischen Sozialstation in Pirmasens, dem ambulanten Pflegedienst des Diakoniezentrums. Die Dame überlegt nicht lange und willigt sofort ein. „Wo ist denn die Wäsche?“, will sie wissen. „Die steht schon auf dem Tisch, ich zeige es ihnen“, sagt Bender und setzt den Roboterkörper, der im Wohnzimmer der Dame steht, in Bewegung.

Denn Bender ist nicht selbst in der Wohnung der Patientin, sondern sitzt rund zehn Kilometer entfernt im Wohncafé der Diakonie. Ausgestattet mit einer VR-Brille, Steuerungsmodulen und einem Bildschirm, bedient er Robody, einen humanoiden Roboter.

Bilder in Echtzeit übertragen

Über Kameras sieht Bender, wie die Dame aufsteht und mit ihrem Rollator Richtung Tisch läuft, auf dem ein Wäschekorb steht. Der Roboter begleitet die Dame. Je nachdem, wohin Bender blickt, übertragen Kameras die Bilder in Echtzeit aus dem Wohnzimmer. Gleichzeitig sieht die Patientin das Gesicht Benders, das auf Kopfhöhe des Roboters angezeigt wird.

Für Robody ist es die dritte Testphase bei der Diakonie Pirmasens, erzählt Rafael Hostettler, Geschäftsführer der Münchener Firma Devanthro. Seit drei Jahren werde an der Entwicklung des Roboters gearbeitet, der die Pflege unterstützen soll, erklärt Hostettler.

Bei Patientin im Einsatz

In dieser Woche wird Robody zum ersten Mal von einer Pflegefachkraft der Diakonie selbst gesteuert und ist bei einer Patientin im Einsatz, die tatsächlich auf seine Unterstützung angewiesen ist, erklärt Bianca Heinze, die stellvertretende Pflegedienstleitung der ökumenischen Sozialstation.

Rafael Hostettler und Alona Pammer entwickeln mit ihrer Firma Devanthro den Pflegeroboter Robody.
Rafael Hostettler und Alona Pammer entwickeln mit ihrer Firma Devanthro den Pflegeroboter Robody.

Normalerweise werde die demenzerkrankte Frau von ihren Angehörigen betreut, einmal am Tag komme der ambulante Pflegedienst vorbei. Nun zieht eine Woche lang zusätzlich Robody ein. Mehrmals am Tag aktiviert Bender den Roboter und spricht mit der Patientin. „Gestern haben wir gemeinsam Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt“, erzählt Bender. Das Würfeln habe mit dem Roboterarm gut funktioniert, nur die Figuren habe die Frau für ihn bewegt.

An diesem Morgen nun das Zusammenlegen der Wäsche. Während die Frau die Kleidungsstücke faltet, unterhält sich Bender mit ihr. Robody stoße auf große Akzeptanz bei den Menschen, sagt Hostettler. Dabei sei vor allem die Kombination aus Stimme und Gesicht wichtig. Denn die Menschen interagieren nicht mit einer Künstlichen Intelligenz, sondern mit einem realen Menschen, der sich über den Roboter in der Wohnung der Person bewegen kann, betont Stefan Höhn, der theologische Vorstand des Diakoniezentrums.

Neue Möglichkeiten für die Pflege

Das eröffne der Pflege ganz neue Möglichkeiten, sagt Bianca Heinze. Derzeit sei es nicht möglich, mehrmals am Tag zu Patienten zu fahren. Wenn jedoch ein Roboter vor Ort sei, den eine Pflegefachkraft steuern könne, sei es möglich, den Menschen durch mehrere kleine Aktionen eine Tagesordnung zu geben.

Die Arbeit mit dem Roboter sei ungewohnt und durch die VR-Brille auch anstrengend, sagt Bender nach den ersten Testtagen. Doch nicht nur bei der Bedienung des Roboters seien Pausen sinnvoll, sondern auch für die Patientin. Denn die Interaktionen sollen die Menschen nicht stressen.

Im Notfall biete Robody zwei Möglichkeiten, die es so noch nie gab. Sollte eine Person auf medizinische Hilfe angewiesen sein, könnte die Pflegefachkraft den Rettungsdienst alarmieren, in Form von Robody die Hand der Person halten und sie beruhigen sowie den Rettungskräften die Tür zur Wohnung öffnen, erklärt Höhn. Weiter ist es möglich, dass nicht nur Pflegedienstmitarbeiter auf den Roboter zugreifen, sondern auch Angehörige könnten Robody nutzen.

Für Hostettler und seine Firma ist die Zeit bei der Diakonie sehr wertvoll, um ihre Entwicklung in der Realität zu testen. Was funktioniert, wo muss noch nachgebessert werden? Als erstaunlich hartnäckig hätten sich die unterschiedlich geformten Griffe von Schubladen erwiesen – manche Modelle könne der Roboter hervorragend öffnen, andere nicht. Der Geschäftsführer denkt, dass bis Ende 2026 in einem Pilotprojekt 20 Personen mit Hilfe von Robodies betreut werden könnten, bis 2027 100 bis 200 Personen. Ab 2028 soll Robody frei verfügbar sein. Derzeit geht er davon aus, dass eine Pflegefachkraft vier Robodies in unterschiedlichen Haushalten betreuen kann.

Den Besuch der ambulanten Pflegkräfte werden Roboter auch in Zukunft nicht ersetzen, vielmehr könnten sie zusätzliche Hilfe bieten, resümiert Stefan Höhn die bisherigen Forschungsergebnisse. So könnte der Leitgedanke der Diakonie – den Menschen zu dienen – mit modernen Mitteln umgesetzt werden.

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