Fragen und Antworten
Roboter in der Pflege? Diakoniezentrum wagt den Test
Was hat es mit dem Projekt auf sich?
Gemeinsam mit der Charité Berlin und einem Entwickler-Team testet die Ökumenische Sozialstation den Pflegeroboter Robody.
Warum testet das Diakoniezentrum einen Roboter?
Stefan Höhn ist der theologische Vorstand des Diakoniezentrums, zu dem die Sozialstation gehört. Der Pfarrer sagt, bei dem Projekt handele es sich um Grundlagenforschung. Es gehe darum, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, um überhaupt eine fundierte Entscheidung über den Einsatz von Robotern treffen zu können.
Was kann der Roboter?
Robody kann der Pflegeperson beispielsweise eine Flasche Wasser bringen oder sie daran erinnern, etwas zu trinken. Außerdem registriert das Gerät beispielsweise, wenn die Pflegeperson stürzt und kann das weitermelden. Außerdem kann der Roboter Kontakt zu Angehörigen, aber auch zur Sozialstation herstellen.
Wie wird der Roboter bedient?
Die Pflegeperson kann Robody mit ihrer Stimme bedienen. Robody wird gesteuert von einem sogenannten Operator. In der Testphase ist das ein Techniker. Im realen Einsatz könnte das auch eine Pflegekraft sein. Der Operator bedient Robody mit einer VR-Brille und einem Controller. Sein Gesicht erscheint dabei in Echtzeit auf einem Bildschirm, der in Kopfhöhe von Robody angebracht ist. Auf diese Weise können sich auch Angehörige zuschalten und in Kontakt mit der Pflegeperson treten. Damit es keine Probleme bei der Datenübertragung gibt, ist Robody im Test, der Mitte November beginnen soll, mit einem Kabel an die Datenleitung angeschlossen. In Zukunft könnte das auch kabellos klappen.
War es schwer, eine Testperson zu finden?
Stefan Höhn zufolge, gab es keine Probleme, jemanden zu finden, der Robody bei sich daheim einziehen lässt. Während der fünftägigen Testphase ersetzt Robody auch nicht den normalen Pflegedienst, sondern ist zusätzlich vor Ort. Die Mitarbeiter werden ihre Erfahrungen mit dem Roboter genauso an die Entwickler weitergeben wie die Angehörigen und die Pflegeperson. Ein erster Test im Frühjahr, bei dem Robody für eine ganze Woche bei einer Kundin einzog, stimmte bereits sehr optimistisch. Überrascht war das Team vor allem von der hohen Akzeptanz, die die Dame gegenüber ihrem neuen Mitbewohner entwickelte. Robody wurde den Angaben zufolge binnen kürzester Zeit zum Gesprächspartner, der nicht nur im Alltag unterstützte, sondern mit dem man auch ein Quiz oder Kartenspiel machen konnte.
Was kostet der Roboter?
Sollte es einmal zum Einsatz solcher Roboter bei Pflegepersonen kommen, würden für sie, beziehungsweise ihre Angehörigen Kosten von rund 3000 Euro pro Monat anfallen, schätzt Höhn.
Wer hat den Roboter entwickelt?
Hinter Robody steht das Start-up-Unternehmen Devanthro aus München. Laut Höhn handelt es sich um ein deutsches Produkt aus deutscher Entwicklung hinter dem kein Großkonzern stehe.
Welche Rolle spielt der Datenschutz?
Gemeinsam mit der Charité Berlin wurde für den Einsatz von Robody ein Ethikkonzept entwickelt, das auch den Datenschutz im Blick hat. So schaltet Robody beispielsweise die Kamera aus, wenn jemand den Raum betritt, der nicht gefilmt werden möchte oder, wenn es zu einem Pflegerischen Eingriff kommt.
Welche Summe investiert das Diakoniezentrum in Robody?
Das Diakoniezentrum investiert in das Projekt die Zeit seiner Mitarbeiter, die das Thema begleiten. Aber es bezahlt kein Geld an die Firma Devanthro, sagt Höhn.
Wie geht es weiter mit Robody und dem Diakoniezentrum?
Laut Höhn werden noch weitere Tests folgen. Geprüft werden soll etwa, wie es wäre, wenn die Sozialstation zwei Roboter an zwei unterschiedlichen orten im Einsatz hat. Für Stefan Höhn steht aber fest, dass Roboter wie Robody niemals das Pflegepersonal ersetzen können. Im besten Fall seien sie gute Werkzeuge für das Pflegepersonal, die dafür sorgen, dass für zwischenmenschliche Beziehungen wieder mehr Zeit da sei.
