Pirmasens
Recht auf Ganztagsbetreuung: Das plant Pirmasens mit den Grundschulen
Ab 2026 wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter schrittweise eingeführt. Er soll vor allem berufstätigen Eltern zugutekommen, die auf eine Nachmittagsbetreuung angewiesen sind. Die Kinder wiederum profitieren ebenfalls davon: Sie nehmen an Arbeitsgemeinschaften teil und spielen länger mit ihren Klassenkameraden.
Mit dem sogenannten Ganztagsförderungsgesetz soll eine Betreuungslücke geschlossen werden, die nach der Kita-Zeit für viele Familien wieder Thema wird, wenn die Kinder eingeschult werden. Ab August 2029 schließlich soll jedes Grundschulkind der Klassenstufe eins bis vier einen Anspruch auf ganztägige Betreuung inklusive Essensangebot haben. Die Stadt Pirmasens verfügt derzeit über vier Ganztagsschulen: Die Grundschule Horeb, die Grundschule Husterhöhe, die Robert-Schuman-Grundschule sowie die Grundschule Ruhbank/Erlenbrunn. Die restlichen Grundschulen sind keine Ganztagsschulen. Laut Stadtsprecherin Talea Meenken gibt es in der Stadt aktuell 1296 Ganztagsschüler. Wie sie erklärt, sieht der neue Rechtsanspruch einen Betreuungsumfang von acht Stunden an allen fünf Werktagen vor. Die Unterrichtszeit werde angerechnet. Der Rechtsanspruch soll – bis auf maximal vier Wochen – auch in den Ferien gelten. Erfüllt werden kann der Rechtsanspruch sowohl in Horten, in offenen und gebundenen Ganztagsschulen und in den bestehenden Betreuungsangeboten der Grundschulen.
Bertelsmann-Stiftung: 17.000 Fachkräfte fehlen
Zuständig für die Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetzes sind nicht Bund und Land, sondern die Kommunen. Wie aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervorgeht, fehlen in ganz Rheinland-Pfalz derzeit mehr als 31.000 Plätze für Ganztagsbetreuung an Grundschulen, was auch die Stadt Pirmasens vor Herausforderungen stellt. „Wir stehen vor gewaltigen finanziellen, logistischen und personellen Herausforderungen. Die Investitionen in zusätzliches Personal und umfassende Baumaßnahmen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich beziffern, liegen aber im Millionenbereich“, erklärt Meenken, denn der Rechtsanspruch schaffe noch keine neuen Plätze, zumal für den flächendeckenden Ganztag neue oder zusätzliche Räume benötigt werden und qualifiziertes Personal eingestellt werden müsse. Der Fachkräfteradar der Bertelsmann-Stiftung besage: Um für alle Kinder im Grundschulalter eine Ganztagsbetreuung anbieten zu können, würden 17.000 pädagogische Fachkräfte zusätzlich benötigt. Dies gebe der Markt auch perspektivisch nicht ansatzweise her, sagt Meenken.
Bei der Stadt Pirmasens ist das Jugendamt federführend bei der Umsetzung für Räume, Personal und Organisation – in enger Abstimmung mit dem Schulverwaltungsamt und dem Gebäudemanagement. „In einem ersten Schritt wurden zunächst die Bedarfszahlen ermittelt. Außerdem wurden die bereits bestehenden Angebote in den Ganztagsschulen und die bestehenden Betreuungsangebote an den Grundschulen zusammengefasst. Daraus wurde ermittelt, wo die Bedarfe gedeckt werden können und an welchen Einrichtungen es noch kein Angebot gibt, beziehungsweise das bestehende Angebot nicht ausreicht“, erklärt Meenken. Im nächsten Schritt sei zusammen mit dem Gebäudemanagement überlegt worden, welche Optionen in den unterschiedlichen Immobilien bestehen, um die fehlende Infrastruktur für die Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu laufe aktuell eine Serie an Vor-Ort-Terminen, um die Gegebenheiten und Räumlichkeiten zu sichten. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sei klar, dass an den Schulen zum Teil erhebliche bauliche Maßnahmen notwendig sein werden, um zusätzliche Betreuungsräume und Speisesäle samt Küchen zu schaffen. „Parallel dazu wird derzeit auch die Möglichkeit geprüft, eine zusätzliche Grundschule als Ganztagsschule auszuweisen. Weiterhin steht die Fragen im Raum, ob die Nachmittagsbetreuung von zwei Grundschulen an einer Einrichtung gebündelt werden kann“, so die Stadtsprecherin weiter.