Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Profine: Große Sause zum Geburtstag

Das ist keine schwebene Untertasse, sondern eine Überdachung für die Jubiläumsfeier.
Das ist keine schwebene Untertasse, sondern eine Überdachung für die Jubiläumsfeier.

Mit 1200 Mitarbeitern ist Profine nicht nur der größte Arbeitgeber in Pirmasens. Die Marke Kömmerling kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1897 als Handelsunternehmen mit Pferdefuhrwerken gestartet, findet sich heute in Pirmasens einer der modernsten Hersteller für Fensterprofile. Am Wochenende wird der 125. Geburtstag gefeiert.

Die Familie Kömmerling kam schon zur Landgrafenzeit im Jahr 1775 nach Pirmasens. Karl Kömmerling war es, der 1897 das Unternehmen mit seinen Pferdefuhrwerken und einem Handel, über den heute nicht mehr viel bekannt ist, begründete. Fünf Jahre später startete er mit der Klebstoffproduktion – natürlich für die Schuhindustrie, die zu der Zeit 100 Fabriken in Pirmasens vorweisen konnte und Klebstoffe dringend brauchte. Alte Fotos belegen die Legende, wonach die Klebstoffe zu Anfang in alten Milchkannen an die Fabriken geliefert worden sein sollen. Die Kannen wurden anschließend gereinigt wieder zurückgeschickt. Zu der Zeit wurde noch Mehrweg großgeschrieben.

Mit Absätzen kommt der Kunststoff in die Produktion

Die ersten Kunststoffprodukte wurden in den folgenden Jahren mit Schuhrahmen und Absätzen entwickelt. 1932 trat Emil Kömmerling, der jüngste der drei Kömmerlingbrüder, in das Unternehmen ein und setzte vermehrt auf Kunststoffe für die Schuhindustrie. Hinterkappen konnten fünf Jahre später im großen Stil hergestellt werden. Die Firma „Gebrüder Kömmerling OHG“ gründete sich mit Karl Kömmerling, der sich um den Schuhsektor kümmerte, Eduard, der die Chemie, also die Klebstoffe vorantrieb und der für die Kunststoffe zuständige Emil, der über die Schuhindustrie hinaus blicken wollte.

Damit musste Emil Kömmerling aber bis nach dem Krieg warten. 1952 wurde die erste Schneckenpresse für die Herstellung von Kunststoffteilen in Betrieb genommen. Bis zu 140 dieser auch als Extruder bekannten Maschinen fanden sich später in den immer größer werdenden Hallen, die sich entlang der Zweibrücker Straße zu einem regelrechten Labyrinth entwickelten. Riesige Flächen dienen seit Jahrzehnten als Lager für die in zig Variationen produzierten Profile.

Die Firma wächst und wächst

Deren Produktion startete 1957, zunächst mit Rolladenprofilen und in den 1960er Jahren mit Fensterprofilen und Kunststoffplatten. Kömmerling wuchs und wuchs, expandierte ins Ausland und unterhielt in Pirmasens einen firmeneigenen Werkzeugbau gigantischen Ausmaßes, der die Maschinenteile für die Extruder selbst produzierte. Zeitweise war es der größte firmeneigene Werkzeugbau in Europa. Parallel zu den immer größer werdenden Hallen wuchs auch die Mitarbeiterzahl. Unter Pirmasensern ist bekannt, dass es keine gute Idee sein könnte, kurz vor 15 Uhr in die Zweibrücker Straße zu wollen. Dann ist Schichtwechsel und der Verkehr nimmt rapide zu. Genauso um 23 Uhr und morgens um 7 Uhr wieder. Seit Jahrzehnten wird in der Zweibrücker Straße im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Längst natürlich nicht mehr in einer 46-Stundenwoche, wie es in den 1960er Jahren offenbar üblich war.

In den 1990er Jahren umfasste Kömmerling Zweigstandorte in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, China, den USA und Brasilien. Dann kam die Krisenzeit. 1997 wurde noch groß mit Bundeskanzler Helmut Kohl das 100-jährige Firmenbestehen gefeiert. Helmut Kömmerling, der Sohn von Karl, war ein Jahr davor gestorben. Er hatte zusammen mit Otto Schmid, dem Mann von Renate Kömmerling, die Firma geleitet.

Verschachteltes Firmengelände wird geteilt

1999 sorgte die Insolvenz der Kömmerling-Gruppe für internationale Schlagzeilen. Mit HT Troplast fand sich ein Jahr später ein Käufer. 2003 ging der Betrieb als Profine neu an den Start. Allerdings nur die Kunststoffsparte, die den Namen „Kömmerling“ noch als Markennamen beibehielt. Als Kömmerling-Chemie spaltete sich der Klebstoffbereich ab. Rätsel gibt es Außenstehenden auf, wie der verschachtelte Industriekomplex an der Zweibrücker Straße zwischen beiden Firmen aufgeteilt werden konnte. Kömmerling-Chemie gehört heute dem US-Konzern Fuller. Profine übernahm 2012 Peter Mrosik, der es immer noch führt. Heute produziert Profine hauptsächlich in Deutschland an den Standorten Pirmasens und Berlin. Dazu kommen Werke in Frankreich, Italien, Spanien, Russland, Ukraine, Großbritannien, China, Indien und den USA. Schichtwechsel ist übrigens immer noch um 15 Uhr.

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