Pirmasens
Prüf- und Forschungsinstitut spürt Auswirkungen der weltweiten Pandemie
Bisher sind sie beim PFI ohne Kurzarbeit über die Runden gekommen. Doch die Auswirkungen der weltweiten Pandemie spüren sie längst schon auf der Husterhöhe. Und PFI-Leiterin Kerstin Schulte geht davon aus, dass sich das ganze Ausmaß der coronabedingten Krise erst im Herbst/Winter und im nächsten Jahr offenbaren dürfte. Und das, stellt die promovierte Chemikerin fest, mache Planen derzeit ganz besonders schwierig.
Denn beim PFI spielen Dienstleistungen für Industrie und Handel eine bedeutende Rolle. Prüfungen von Materialien, Werkstoffen oder Produkten, aber auch Zertifizierungen bilden den Geschäftsbereich, mit dem das Institut sein Geld verdient. Hier generierte Einnahmen ermöglichen letztlich eigene Projekte, etwa in der Biotechnologie. Tätig sind die etwa 90 Fachleute beim PFI für viele Branchen, doch der Schuh prägt weiterhin einen Großteil ihrer Arbeit. 70 bis 80 Prozent der Prüfungen erfolgen dort, stellt Kerstin Schulte fest – dort besäßen sie eben eine große Kompetenz, „weil wir Schuhe in- und auswendig kennen“.
Schwieriges Umfeld
Die Schuhbranche leidet unter den Auswirkungen des coronabedingten Stillstands. Zwar gibt es Ausnahmen: Gut aufgestellt seien sie bei ihrer Prüfstelle für Persönliche Schutzausrüstung (PSA), berichtet die Institutsleiterin – Sicherheitsschuhe gehen gut. Anders der Straßenschuhbereich: Dort haben auch große Hersteller wie Ara und Lloyd Abbau angekündigt. Prüfungen und Zertifizierungen könnten in einer solchen Zeit Einsparpotenzial werden, befürchtet Schulte – nicht nur bei der Schuhindustrie.
Die Schulungen bei der Tochter Internationales Schuhkompetenzzentrum ISC haben bereits im Frühjahr gelitten – weil Präsenzveranstaltungen ausfielen. Damit seien sie beim ISC, dem Lehr- und Forschungszentrum für die Schuhbranche, von 100 auf zehn Prozent heruntergefahren, berichtet Schulte. Inzwischen liefen Präsenzseminare wieder an, unter Abstands- und Hygieneregeln. Sehr praxisorientierte Seminare seien aber noch nicht möglich, viele Seminare bis Mitte 2021 geschoben worden. Hinzu komme, dass Unternehmen Reisetätigkeiten einschränkten.
Integration des ISC läuft
Der Einbruch bei Schulungen hat dazu geführt, dass das 2007 als gemeinnützige GmbH gegründete ISC nun in das PFI als Abteilung integriert wird. Aus gesellschaftsrechtlichen Gründen müsse erst das ISC liquidiert werden, bevor es unter dem Dach des (als Verein gegründeten) PFI weiterarbeiten könne. Den 20 ISC-Beschäftigten seien Angebote unterbreitet worden, stellt Schulte fest, aber Einzelne hätten das Unternehmen auch verlassen.
Angebot bleibt
Am Angebot des ISC werde sich jedoch nichts ändern, betont Schulte, auch der Name bleibe. Das ISC bündelt und vermittelt Wissen rund um den Schuh, bietet Dienstleistungen in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung sowie Beratung an; maßgeschneiderte Trainings für die Schuhbranche sind ein bedeutendes Standbein. Thema ist außerdem die Verbundausbildung, die das ISC, das mit einer kompletten Fabrikationsstraße ausgestattet ist, in Zusammenarbeit mit Schuhunternehmen anbietet.
Biotechnologie läuft gut
Neben den Dienstleistungen spielt beim PFI die Forschung eine große Rolle, die während des Lockdowns im Homeoffice weiterlief. Dazu zählen Projekte in öffentlich geförderten Forschungsprogrammen, Auftragsforschungen und eigene Projekte. Geforscht wird besonders im Bereich Schuh- und Orthopädietechnik. Nur ein Beispiel ist die smarte Sohle, mit deren Hilfe der Schuhkomfort an unterschiedliche Nutzungen angepasst werden kann. Zweiter Bereich ist die Biotechnologie, mit der sie „sehr gut aufgestellt“ seien, stellt Schulte fest. Vorzeigeprojekt ist der Energiepark Winzeln, den das PFI mit Stadt und Stadtwerken betreibt. 7,7 Millionen Euro sind bisher hineingeflossen – selbst erwirtschaftete Mittel, wie Schulte betont.
Einen Brückenschlag zwischen beiden Bereichen bildet das gerade gestartete Projekt für Recycling von Schuhen, ein Verbundprojekt des Landeswirtschaftsministeriums mit Unternehmen des Landes. Woraus und wie kann ein recycelbarer Schuh hergestellt werden, wie kann Biomasse stofflich genutzt werden?– Um solche Fragen geht es dabei. Die erhoffte Antwort darauf: ein echter „Bio-Schuh“.
Das PFI: Der Geschäftsbereich Dienstleistungen
Über seinen Geschäftsbereich mit Dienstleistungen trägt sich das PFI; zwischen 10 und 12 Millionen Euro liegt der Jahresumsatz. Dazu gehören vor allem Prüfungen von Bedarfsgegenständen. Rund 100 Wissenschaftler, Ingenieure und Laboranten arbeiten an chemischen, physikalischen, biotechnologischen und mikrobiologischen Untersuchungen von Produkten, Materialien und Werkstoffen. Dazu zählen Schuhe, Textilien und Lederwaren, Orthopädie- und Medizinprodukte, Kunst- und Klebstoffe, Sportartikel, Spielwaren, Persönliche Schutzausrüstung, auch Waren mit Kontakt zu Lebensmitteln. Hinzu kommt das Zertifizieren der Qualität von Gütern und von Qualitäts-, Energie- und Umweltmanagementsystemen und Sozialstandards. Auch weltweite Wareninspektionen und Produktionskontrollen bietet das PFI an. Niederlassungen befinden sich in Hongkong und China.
Unter dem Dach des PFI arbeitet das 2007 gegründete Internationale Schuhkompetenzzentrum ISC; es ist Lehr- und Forschungszentrum für Schuhindustrie, Zulieferer und Handel.