Pirmasens Prätorianer im Schleudergang
«PIRMASENS.» Vom eine Woche zuvor besiegelten Abstieg ließen sich die Fans der Pirmasens Praetorians nicht schocken, mit 815 Besuchern im Stadion Husterhöhe wurde ein neuer Zuschauer-Vereinsrekord (bislang 850) aber knapp verpasst. Im Westpfalzderby der Football-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gegen den Meister, die Kaiserslautern Pikes, setzte es gestern trotz größter Bemühungen der Pirmasenser ein deftiges 0:60 (0:7/0:24/0:14/0:15).
In der Halbzeit versuchte Offensive-Coordinator Patrick Niedenzu, diesmal auch auf dem Feld im Einsatz, sein Team aufzurichten. 0:31 lagen die Prätorianer da bereits im Hintertreffen. Die Köpfe gingen beim Heimteam merklich nach unten. Leidenschaftlich redete der Waldfischbacher auf seine Mannschaft ein. Vier Touchdowns, vier Extrapunkte und ein Field Goal mussten die Pirmasenser bis dahin schon hinnehmen. Es war mehr als ein Klassenunterschied. Pikes-Quarterback Trevor Renfrow und Running Back Dennis Folz hatten die Praetorians-Defensive im Schleudergang durcheinandergewirbelt.„Wir wussten schon zur Halbzeit, dass es hier nichts zu holen gibt“, stellte Praetorians-Headcoach Maurice Laufer fest. Im ersten Viertel sah das noch erträglich aus. Die 815 Zuschauer erlebten zwar kein Spiel auf Augenhöhe, doch hielten die Schuhstädter den Rückstand noch im Rahmen (0:7). Im zweiten Viertel allerdings wirkte die bis dahin ohnehin schon blasse Offensive der Praetorians gegen die schier übermächtigen Pikes kopflos. Gleich dreimal feuerte Quarterback Marius Schmenger den Ball in die Arme des Gegners, war dabei aber auch stets unter Druck und hatte die Wahl zwischen einem großen Raum- oder einem Ballverlust. „Ich wollte und konnte auch Risiko gehen. Wir hatten nichts zu verlieren“, meinte Schmenger. Einmal setzte sich Headcoach Laufer durch, war auf dem Weg zum Touchdown, wurde aber von Lauterns Safety und Kicker mit GFL-Erfahrung, Junior Stevens, doch noch gestoppt. War die Pikes-Offensive auf dem Feld, hatten die Praetorians größte Schwierigkeiten, die Running Backs zu stoppen. An Aaron Blackmann hingen zum Teil drei Praetorians-Defensivspieler, bis sie diesen zu Boden gebracht hatten. Und auch nach der Halbzeitpause ging es bei strahlendem Sonnenschein im gleichen Modus weiter. Archie Shemar ließ mit einer Drehung mehrere Pirmasenser Verteidiger ins Leere laufen und spazierte in des Gegners Endzone. Die Defensive der Hechte war nicht nur schneller, sondern stellte alle Räume zu, war hellwach bei den lang geworfenen Bällen von Quarterback Schmenger. Laufers Mannschaft blockte im Angriff die gegnerische Offensive unzureichend und brachte ihren Quarterback immer wieder in Bedrängnis. Schmenger: „Man hat hier brutal wenig Zeit. Kaiserslautern hat so viel Qualität.“ Die beste Szene der Praetorians im dritten Viertel entwickelte sich zum Bumerang. Schmenger passte zu Marquez Siler, der den Ball sieben Yards vor der Endzone fing. Touchdown? Fehlanzeige! Denn die Pikes-Defense machte ernst, brachte den Prätorianern gleich 13 Yards Raumverlust bei, als Schmenger wieder unter Bedrängnis gar nicht mehr wusste wohin, anschließend ins Leere warf und dann auch noch von Junior Stevens im vierten Versuch geblockt wurde. „Wir wollten uns eigentlich schon früher schonen“; erzählte Felix Wittmann, der Headcoach der Pikes, nach dem einseitigen Match. Doch es gelangen noch zwei weitere Touchdowns im Schlussviertel. Zum Abschluss sogar noch ein Trickspielzug, der zu einer Two-Point-Conversion und damit zum 60:0 führte.