Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens sagt Starkregen den Kampf an

Starkregenereignisse häufen sich auch in Pirmasens, das Foto wurde im Blümelstal aufgenommen.
Starkregenereignisse häufen sich auch in Pirmasens, das Foto wurde im Blümelstal aufgenommen.

Überflutete Straßen und Keller sind längst kein Phänomen mehr, das nur an großen Flüssen auftritt. Vor allem der sogenannte Starkregen sorgt zunehmend für Probleme. Die Stadt Pirmasens will sich gegen solche Vorfälle bestmöglich wappnen. Aber 100-prozentige Sicherheit wird es wohl nicht geben.

Was ist Starkregen?
Fachleute verstehen darunter, dass große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit runterprasseln. Das geschieht meist in einem räumlich begrenzten Gebiet. Zur Orientierung: Im Juni 2020 gingen über Teilen von Pirmasens in kürzester Zeit 40 Liter Wasser pro Quadratmeter runter. Experten sprechen bei dieser Menge von intensiven Starkregen. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal waren es 120 Liter pro Quadratmeter – extremer Starkregen. Diese Wetterlagen tauchen meist in Verbindung mit Gewitterfronten in der Zeit von Mai bis September auf. Kleine Bäche können binnen kurzer Zeit zu reißenden Strömen werden. Weil die Kanäle die enormen Wassermengen nicht fassen können, verwandeln sich Straßen in Wasserflächen mit teils starker Strömung

Was ist der Unterschied zwischen Starkregen und Hochwasser?
Hochwasser, das durch steigende Flusspegel entsteht, lässt sich oft über mehrere Tage vorhersagen. Bei Starkregen gibt es oft keine oder nur eine sehr kurze Vorwarnzeit.

Welche Gefahren gehen von Starkregen aus?
Neben der starken Strömung können gerade in Ortsrandlagen Schlamm und Dreck in die Gemeinden gespült werden. Im schlimmsten Fall wird durch die Wassermassen wertvoller Ackerboden abgetragen, Gebäude uns Straßen werden in Mitleidenschaft gezogen. Treibgut kann gefährliche Schäden anrichten.

Was hat die Stadt bisher im Kampf gegen das Wasser getan?
Allein in den vergangenen zehn Jahren sind laut Bürgermeister Michael Maas (CDU) 45 Millionen Euro investiert worden, um die Stadt vor Wassermassen zu schützen. Mit dem Geld wurden unter anderem Überlauf- und Regenrückhaltebecken gebaut. Seit 2008 befasse sich die Stadtverwaltung intensiv mit dem Thema. Damals sei es zu größeren Unterspülungen gekommen, die finanziellen Schaden angerichtet haben, berichtet Maas. Unter anderem hat die Stadt mit Modellrechnungen simuliert, wo im 271 Kilometer langen Pirmasenser Kanalnetz im Fall eines Falles Probleme auftauchen könnten. Der Bürgermeister weist aber auch darauf hin, dass es absolut unwirtschaftlich und letztlich fast unmöglich sei, Kanäle für den schlimmsten vorstellbaren Fall zu konstruieren. Die Experten kalkulieren daher ein, dass es im Schnitt einmal alle fünf Jahre zu einem sogenannten Überstau. Das bedeutet, die Kanäle sind dann nicht mehr in der Lage, das Wasser abzuführen.

Was soll in den kommenden Jahren geschehen?
Ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro hat 96 konkrete Vorschläge für Maßnahmen gemacht. Die Hälfte davon hat nach Ansicht der Experten eine hohe Priorität. In vielen Fällen lassen sich nach Überzeugung der Fachleute mit vergleichsweise einfachen Mitteln deutliche Verbesserungen erzielen. Teils können das sogar städtische Mitarbeiter mit städtischen Geräten erledigen. In den nächsten Jahren wird der Umgang mit Wassermassen aber auch in die Bauleitplanung einfließen, also Auswirkungen auf neue Bebauungspläne und Baugebiete haben.

Wer bezahlt das alles?
Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 1,2 Millionen Euro für die Projekte, die bis 2026 umgesetzt werden sollen. Dabei setzen die Verantwortlichen auf Fördermittel des Landes. Je nach Maßnahme sind zwischen 60 und 90 Prozent Zuschuss vorgesehen. In Ausnahmefällen, etwa bei einem Pilotprojekt oder Modellvorhaben, können sogar 100 Prozent Zuschuss abgerufen werden.

Können sich Bürger auf das Starkregenvorsorgekonzept verlassen?
„Jetzt vorsorgen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.“ So lautet das Motto, das hinter dem städtischen Konzept steht. Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Die öffentliche Hand kann keinen absoluten Schutz vor Wasser garantieren. Bürgermeister Maas und Oberbürgermeister Michael Zwick (beide CDU) appellieren daher an die Immobilienbesitzer, ihre Anwesen für den Ernstfall vorzubereiten.

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