Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens: Gästeführer spricht über Kindheit und Jugend von Landgraf Ludwig IX.

300 Jahre Landgraf Ludwig: „Caroline“ Tanja Vogt, „Landgraf“ Robert Koch und „Statthalter“ Markus Zwick schneiden die Geburtstag
300 Jahre Landgraf Ludwig: »Caroline« Tanja Vogt, »Landgraf« Robert Koch und »Statthalter« Markus Zwick schneiden die Geburtstagstorte an. Foto: Seebald

Anlässlich des 300. Geburtstags des Stadtgründers Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt beleuchtete Gästeführer Rainer Schnur am Sonntag im Landgrafensaal des Alten Rathauses dessen Kindheit und Jugendtage.

Geboren wurde Ludwig am 15. Dezember 1719 „um die vierte Mittagsstunde“ (heute: 16 Uhr) in Darmstadt als Sohn des späteren Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt und dessen Gemahlin Christine Charlotte von Hanau-Lichtenberg, der Tochter des Grafen Johann Reinhard III. von Hanau-Lichtenberg. Die Geburt des Erstgeborenen wurde mit Kanonendonner gefeiert und das Kind noch am selben Tag getauft. So schilderte es Gästeführer Schnur. Das Kind hatte 32 fürstliche Paten, die aber nicht alle anwesend waren. Auch in Buchsweiler, beim Großvater mütterlicherseits, wurde gefeiert – mit einem riesigen Freudenfeuer auf dem Bastberg.

In Religion, Latein und Geografie zeigte er hervorragende Leistungen

Ab 1724 wurde der Knabe Lehrern zur Erziehung übergeben. Ein Tanzmeister brachte ihm bei, richtig zu gehen und sich zu bewegen. Ein Jahr später erhielt er ein eigenes Zimmer und eine eigene Essenstafel und zwei Lakaien. Sein Großvater überwachte streng seine Erziehung und der Prinz musste regelmäßig Prüfungen ablegen. In Religion, Latein und Geografie zeigte er hervorragende Leistungen. Insgesamt erlebte er eine frohe und ungetrübte Kindheit, erzählte der Gästeführer. Als Ludwig sieben Jahre alt war, starb 1726 seine Mutter, nachdem sie trotz schlechter Gesundheit noch sechs Kinder geboren hatte.

Als 14-Jähriger erhielt der Prinz seine erste Uniform

Graf Reinhard, der keinen männlichen Erben hatte, bestimmte testamentarisch, dass der Prinz bei Volljährigkeit sein Nachfolger werden solle. Ab 1730 wurde seine Erziehung in ernstere Bahnen gelenkt. Er kam nach Buchsweiler und reiste durch die Grafschaft. 1731 starb seine Großmutter in Darmstadt. Am 25. August 1733 ernannte der Großvater seinen 14-jährigen Enkel zum Obristen des Regiments Schrautenbach und er erhielt seine erste Uniform.

Früh zeigt sich „ungesunde Passion fürs Exerzieren“

Ab August 1735 wohnte er in Buchsweiler und studierte ab November in Straßburg. Am 29. März 1736 wurde er konfirmiert. Tags zuvor war Graf Reinhard III. gestorben. Für den minderjährigen Erben verwaltete dessen Vater das Erbe. 1737 verbrachte Ludwig einen Monat in Bad Bergzabern, um die Zweibrücker herzogliche Familie zu treffen, wo er auch seine spätere Frau Caroline kennenlernt. Am 30. Juni 1738 ernennt sein Vater ihn in Buchsweiler zum hessischen Generalmajor und im Dezember zum Obristen des Roten Regiments (so genannt nach den roten Socken), des späteren Prinz-Ludwig-Regiments. Bereits in dieser Zeit zeigte sich seine „ungesunde Passion für Exerzieren“. Im September 1739 stirbt sein Großvater Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt.

Besuch beim französischen König

Im Mai 1740 beendet Ludwig sein Jurastudium und interessiert sich für die Verwaltung in Buchsweiler. Da die Grafschaft teils in Deutschland, teils in Frankreich liegt, reist er im September mit zwei jüngeren Brüdern durch Frankreich und wird am 11. Januar 1741 dem französischen König Ludwig XV. vorgestellt. Im gleichen Jahr wird er volljährig und heiratet Caroline, die Tochter des Herzogs Christian III. von Zweibrücken.

Im Stadtmuseum im Alten Rathaus zeigte Schnur noch Modelle der vom Landgrafen errichteten Gebäude. Ein Gang zu den wenigen noch erhaltenen, wenn auch veränderten Gebäuden aus der Landgrafenzeit wie Lutherkirche, Altes Rathaus, Exerzierplatz, Johanneskirche, flammende Granate auf den Stelen der städtischen Eingangstore schloss die Führung ab.

OB Zwick verliest Eildepesche des Jubilars aus dem Jenseits

Kurz vor 16 Uhr sollte das Landgrafengeläut im Turm des Alten Rathauses zu Ehren des Jubiläums erklingen, aber es blieb stumm. Stattdessen erklangen zur vollen Stunde die Glocken der Lutherkirche, gefolgt von denen von St. Pirmin. Anschließend gab Oberbürgermeister Markus Zwick einen Rückblick auf die Pirmasenser Geschichte und verlas eine Eildepesche des Jubilars aus dem Jenseits an seine Untertanen.

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