Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens: Auch Kunstrasenplätze im Fußballkreis bergen Problemstoff

Heimspielstätte der „Tiroler Jungs“: der Kunstrasenplatz des FC Fehrbach.  Foto: Seebald
Heimspielstätte der »Tiroler Jungs«: der Kunstrasenplatz des FC Fehrbach.

„Und was passiert mit unserem teuer bezahlten Kunstrasen?“ Diese Frage – im Zuge der geplanten EU-Richtlinie zur Mikroplastik-Vermeidung aufgetaucht – hat bei Sportvereinen für Unruhe gesorgt. Ein „Drama bis zum Abwinken“ scheint nach aktuellem Stand aber schon abgewendet.

Fußballer kennen die Situation nach dem Spiel: Unzählige Kügelchen haften an den Schuhen, aber auch an der restlichen Kleidung. Dass das Granulat über die Kleidung letztendlich in die Weltmeere gelangen könnte, daran denkt man nach dem Spiel aber wohl eher nicht. Aus Umweltschutz-Perspektive bleibt das Szenario trotzdem problematisch. Die EU plant eine Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik, worunter auch besagtes Granulat fällt. Bei Sportvereinen liegt daher die Frage in der Luft: Was passiert mit unseren Kunstrasenplätzen? Bis zur Verabschiedung einer solchen Richtlinie wird zwar gewiss noch einige Zeit vergehen. Den Geschäftsführer des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV), Michael Monath, beschäftigt das Thema trotzdem: Der SWFV sei gerade dabei zu erörtern, welche Plätze von einer solchen Richtlinie betroffen wären, so Monath. Im Anhörungsverfahren der EU hätten der Deutsche Fußballbund wie der Deutsche Olympische Sportbund auf die Probleme hingewiesen und sich für längere Übergangsfristen eingesetzt. Mit Erfolg: Die zuständige Europäische Chemikalienagentur dementierte bereits ein grundsätzliches Verbot der Nutzung von Kunstrasen. Nichtsdestotrotz ist langfristig mit Vorschriften zu rechnen, die die bisherige Praxis rund um das Thema Kunstrasen verändern werden.

Vorstand des FC Fehrbach sieht Hersteller in der Pflicht

Auch bei den Vereinen im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken sorgt die Thematik für Diskussionsstoff, aber auch für Ängste. Ein vollständiges Verbot wäre ein „Drama bis zum Abwinken“, so Ulrich Könnel, Vorsitzender des SV Hermersberg. Dessen Kunstrasenplatz wurde vor 13 Jahren gebaut. Damals entschied sich der SVH aufgrund der ganzjährigen Bespielbarkeit und der erhöhten Belastbarkeit für das künstliche und gegen das natürliche Grün, wobei die Hermersberger noch über einen Naturrasenplatz verfügen. Über Alternativen denke die Vereinsführung aktuell aber noch nicht nach, dafür sei die ganze Sache noch zu sehr im Unklaren. Ähnlich sieht es Andreas Hornung, Vorsitzender des FC Fehrbach. Hornung sieht vor allem die Hersteller in der Pflicht, alternative Lösungen zu finden. Aktuell werde beim FC Fehrbach ein Mix aus Naturkautschuk und Sand verwendet. Am häufigsten wird das für den Kunstrasen benötigte Einfüllgranulat aus alten Autoreifen hergestellt. Da diese Variante umwelttechnisch zwar bedenklich, aber dennoch die günstigste ist, findet sie sich in den meisten Kunstrasenplätzen. Ökologisch sinnvolle Alternativen sind derzeit etwa in Kork, Kokosnussfasern oder Quarzsand zu sehen. Auch bieten einige Hersteller technische Lösungen an, um den Austrag des Granulats überhaupt erst zu verhindern. Rinnen mit Filtersystemen etwa, oder am Boden abschließende Banden. Weitere Vereine mit Kunstrasen im Fußballkreis Pirmasens/ Zweibrücken sind der SV Ruhbank, Palatia Contwig, der SV Ixheim und die SG Rieschweiler. Dazu kommen die städtischen Kunstrasen auf der Pirmasenser Husterhöhe und am Zweibrücker Westpfalzstadion. Anträge bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz für die Förderung des Baus weiterer Kunstrasenplätze gibt es , so die Kreisverwaltung auf Anfrage, aktuell nicht.

Zur Sache: Die unsichtbare Gefahr

Wenn sie Plastik hören, denken die meisten Menschen zunächst an Einkaufstüten oder Plastikflaschen. Plastik gibt es allerdings auch in mikroskopisch kleiner Form, genannt Mikroplastik. Verwendung findet es unter anderem in Kosmetika als Füllstoff oder Bindemittel. Vom Waschbecken gelangt es in die Kläranlagen und findet mit dem Wasser den Weg bis in die Meere. Problem: Mikroplastik kann in den Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden. Dort angekommen, kann es auch kaum abgebaut werden. Mikroorganismen fressen die Plastikteilchen und lassen diese in die Nahrungskette geraten. Mikroplastik findet sich aber eben auch auf allen der rund 5000 Kunstrasenplätze in Deutschland und somit auf den knapp 160 im Gebiet des Südwestdeutschen Fußballverbandes. Denn: Es ist Bestandteil des Einfüllgranulats, das häufig aus alten Autoreifen hergestellt wird. Für Aufregung sorgte erst kürzlich eine Studie des Fraunhofer-Instituts, wonach Kunstrasenplätze 11.000 Tonnen Mikroplastik jährlich in die Umwelt abgeben und damit noch weit vor Kosmetika in der Rangliste potenzieller Quellen von Mikroplastik liegen. Auf Platz eins in der Studie liegt der Abrieb von Reifen. Die Studie wurde mittlerweile allerdings von mehreren Instituten scharf kritisiert. Das Fraunhofer-Institut selbst merkte an, dass es sich um keine streng empirisch angelegte Studie handele.

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