Pirmasens
Pirmasens: Architekt erhält Preis für Gestaltung der Lutherkirche
Was haben das Palace Cinema in Shanghai, das Adidas Valley in Herzogenaurach oder der Olympic Park Tirana mit der Pirmasenser Lutherkirche gemein? Alle vier haben dieses Jahr den Iconic Award für neue Impulse in der Architektur erhalten.
Die Lutherkirche ist damit eine Ikone der Innenarchitektur und Aushängeschild für den ausführenden Architekten Sebastian Metz aus Landau. Deswegen reiste Metz nach München, wo ihm in der Pinakothek die Auszeichnung von der Iconic World, dem Rat für Formgebung, offiziell übergeben wurde. Iconic World, das ist eine internationale Plattform für die Vernetzung von Architekten und Objektentwicklern mit der Einrichtungsindustrie. „Ich stand mit namhaften Architekten auf der Bühne, die man sonst immer nur aus Zeitschriften kennt“, schwärmt der Gewinner. Wichtig und schön war auch der Austausch danach mit den Größen der Branche, erzählt der Südpfälzer, in dessen „Ideenreich“, so der Name seines Büros, acht Leute beschäftigt sind. Das Schöne sei, dass es nicht nur ein Architekturpreis sei, sondern auch eine Auszeichnung für Produktdesign, Innen- und Außenarchitektur und Konzeptdesign, das heißt, es wurden Entwürfe ausgezeichnet, die noch gar nicht realisiert worden sind.
In Landauer Friseurladen steht Bank aus Lutherkirche
„Ich fühle mich geehrt und bestätigt, abgesehen davon, dass es eine Werbung für meine Arbeit ist“, erzählt Metz, der inzwischen einige Folgeaufträge für Kirchensanierungen hat: die evangelische Kirche in Wallhalben, die Apostelkirche in Kaiserslautern, die protestantische Kirche Limburgerhof sowie die Martin-Luther-Kirche in St. Ingbert. All diese Aufträge bekam er über die Landeskirche.
Sechs Projekte hatte er eingereicht, sechs Projekte wurden ausgezeichnet. Eines als engere Auswahl, drei Gewinner und zwei Mal „Best of Best“, das sind die Besten unter den Gewinnern selbst. „Best of Best“, das waren die Lutherkirche in Pirmasens und der Friseurladen Beiner in Landau, wo übrigens eine alte Kirchenbank der Lutherkirche gelandet ist, die nun im Wartebereich der Herren steht, die sich dort frisieren lassen wollen. Das Schöne sei, dass man viele Elemente woanders noch mal umsetzen kann, findet der junge Architekt. „In den Materialien steckt Energie.“ Da müsse man nicht noch andere Bäume umholzen, um den gleichen Effekt zu haben. Historisches neu und schlicht zu interpretieren, das gehört zu den Grundgedanken seines Büros. Alte Elemente dienen als Brückenschlag in die Vergangenheit und schaffen neuen Wert, findet er.
Devise: Sich freimachen für was Neues
„Das Besondere ist, dass in solch einem Rahmen nicht nur Bauherren und Kundschaft zufriedengestellt werden, sondern Architekten und Designer Projekte auszeichnen“, erklärt Metz die Bedeutung des Iconic Awards. Er spricht hier auch von seinen weiteren Projekten, die ausgezeichnet wurden: Wohnhäuser in Ingenheim und in Insheim, das Restaurant „Piccola Italia“ in Landau sowie der Club Jeanne d’Arc in Landau. „Ich finde es schön, mit diesen Preisen ausgezeichnet worden zu sein. Immerhin bin ich erst 30 Jahre und habe mein Büro erst vor fünf Jahren eröffnet“, erzählt der Landauer.
Ein Katalysator für andere könnte die Auszeichnung für Bauherren werden, die den Mut haben, ein innovatives Design nachzuahmen, findet Metz. Sich freimachen für was Neues, das ist seine Devise, obwohl er versucht, immer auch historische Elemente aufzugreifen. Den goldenen Kranz gab es in der Lutherkirche beispielsweise vor dem Krieg schon.
Die Begründung der Jury
„Das neue Interieurdesign für diese Kirche schafft die schwierige Gratwanderung zwischen historischem Bestand und modernem Design. Die blauen Sitzbezüge der schlichten Bestuhlung harmonieren perfekt mit den zarten goldenen Bögen der Voutenmalerei und verleihen dem ansonsten puristischen Ambiente mit seinem abgetönten weißen Kalkanstrich eine wohnliche Note. Dass die integrierte zeitgemäße Technik wie LED-Kreuz und einer von Fernwärme gespeisten Fußbodenheizung in keinem Widerspruch dazu steht, macht die dahinterstehende architektonische Leistung noch deutlicher. Ein besinnlicher Ort, der die Verbindung zwischen Himmel und Erde in seinem Interieur sehr schön zum Ausdruck bringt“.