Pirmasens
Performance zur Partnerschaftsausstellung in der Alten Post
„Der Moment des Eindrucks“ hat Chengcheng Hu (37) ihre Performance mitten in der Wechselausstellung „Made in Pirmasens: Deutsch-französische Freundschaft“ im Poissy-Saal der Alten Post genannt. Es war der erste (sicher aber nicht der letzte) Auftritt der chinesischen Tänzerin in der Horebstadt, in der ihre Eltern seit rund 20 Jahren leben.
Schon seit Jahren zelebriert Chengcheng Hu, die im Alter von 23 Jahren nach Deutschland gekommen ist, ihre Tanzperformance meist in Museen. Die junge Frau, die in Köln ihr Bachelor-Studium „Musik und Tanz“ absolvierte, liebt es, sich von den ausgestellten Kunstwerken inspirieren zu lassen. Ihre Choreographie gestaltet sie oftmals nach ihren Eindrücken, die sie von den Arbeiten erhält. Es ist die traditionelle chinesische Tanztradition, die großen Einfluss auf ihre Interpretation hat.
Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt Chengcheng, dass sie beim Betrachten der Bilder in den beiden Ausstellungsräumen der Alten Post plötzlich wusste, „was mein Körper dazu sagt“. Gerade das Motto der Präsentation „Made in Pirmasens: Deutsch-französische Freundschaft“ habe sie angesprochen. Die Verständigung der Völker über Grenzen hinaus, nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich, sondern ganz global, sei von großer Wichtigkeit. Es sei ihr ein großes Anliegen, dass sich die Menschen überall auf der Welt die Hände reichten. Das gelinge sehr gut auf kulturelle Weise. Malerei und Tanz seien nicht nur Ausdrucksformen, sondern könnten zu einer Art Botschafter werden.
„Brücke zwischen Seele und Welt“
Es ist letztendlich unerheblich, ob der Künstler ein Deutscher, ein Chinese, ein Asiate oder ein Osteuropäer ist. Wichtig sind vielmehr die Emotionen, die vermittelt werden. Geschichten, die durch Farbe oder Körpersprache erzählt werden, sollen das Publikum, den Betrachter ansprechen, ihn inspirieren. Es würden neue Impulse vermittelt. Dies fördere den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen. Somit baut Kunst eine „Brücke zwischen Seele und Welt“.
Chengcheng Hu bezieht die Bilder, Zeichnungen, Skulpturen und Collagen im Poissy-Saal mit in ihre Performance ein, verweist aber auch auf die Werke im Obergeschoss. Bis 31. August sind insgesamt 94 Arbeiten von 48 (Amateur-)Künstlern zu sehen. Die Motive stehen alle unter dem Titel „60 Jahre Städtepartnerschaft Pirmasens – Poissy“.
Freundschaft „schwarz auf weiß“
Um die unterschiedlichen Darstellungen anschaulich zu machen, tanzt die 37-Jährige mal mit einem weißen Schleier. Der soll Wasser und Luft symbolisieren, die Leichtigkeit der Elemente, die manchmal auch erdrückend sein können und den Menschen zu Fall bringen. Dann zieht Chengcheng ihre Trainingshose und die Schuhe aus und tanzt im schwarzen Tüllrock und barfuß durch den Raum. Die Farbe Schwarz steht für die Tinte, die für die chinesischen Schriftzeichen verwendet wird, erklärt die Tänzerin. Damit soll die Freundschaft zwischen den Kulturen „schwarz auf weiß“ dokumentiert werden.
Es ist eine höchst anmutige, ja fast elegante Darbietung, die den Besuchern herzlichen Beifall entlockt. Höchst erfreut zeigt sich die Akteurin über die Resonanz, denn „meist kommen nur wenige Zuschauer zur Performance in den Museen“. Auch Chengcheng hat sich in der Alten Post sehr wohlgefühlt und könnte sich vorstellen, in absehbarer Zeit bei einer anderen Wechselausstellung hier wieder zu tanzen.