Pirmasens
Palatia in Gersbach: Alte Fabrik wird zu Wohnraum
Am Samstag, 20. Juni, wird der in Höheinöd lebende Lichtkünstler Ingo Bracke die Fabrikhallen zum Kunst- und Erfahrungsraum machen. „Das Gebäude wird für eine Nacht noch einmal lebendig, bevor ein neues Kapitel beginnt und die Nachnutzung startet“, kündigt Bracke seine Aktion an. Denis Clauer, Vorsitzender der Hildenbrand-Stiftung, bestätigt auf Anfrage, dass es konkrete Pläne für eine Umnutzung der Fabrikhallen gibt. 13 Wohnungen könnten darin Platz finden. Das eigentlich zum Abriss vorgesehene, frühere Wohnhaus an der Denkmalstraße vor der Fabrik soll ebenfalls eine neue Nutzung erhalten. Im Innern müsse es komplett entkernt werden, erzählt Clauer. Dann könnte eine Art Begegnungszentrum darin entstehen. „Wir haben ja im Ort keine Kneipe mehr“, benennt Clauer einen Mangel, den nicht nur Gersbach plagt. Die Erhaltung des Hauses oder zumindest der Fassade war ein besonderes Anliegen für ihn, da es eines der ältesten Häuser des Dorfes sei.
Die Planung für die Umnutzung wird der Pirmasenser Architekt Christoph Arnold übernehmen, so Clauer weiter. Als Bauherr fungiere die Hildenbrand-Stiftung. Einen Zeitplan und eine genaue Kostenschätzung gebe es noch nicht. Die Pläne für den Umbau sollen bei dem Kunstereignis präsentiert werden.
Fabrik bot Arbeit für 100 Menschen
Clauer wurde für das Projekt ganz offensichtlich von den Entwürfen Kaiserslauterer Studenten inspiriert. Unter der Leitung von Professorin Eva Stricker hatten die Studenten im Fachbereich „Architektur und Stoffkreislauf“ vor einem Jahr untersucht, was in der Fabrik möglich sein könnte. Das Projekt unter dem Titel „z. B. hier leben“ hatte günstige und gemeinschaftliche Wohnideen für die Fabrik entwickelt. Einer der Studenten hatte eine Entkernung des Wohnhauses und die Schaffung eines Hauses im Haus angeregt. Ein anderer wollte die Fabrikhallen zu einer Art Kommune mit genossenschaftlichem Ansatz umbauen lassen.
Die Palatia-Schuhfabrik war 1919 von Jakob Hildenbrand in der Windsberger Straße gegründet worden. Die Fabrikhallen in der Denkmalstraße wurden in den 1930er Jahren gebaut. Rund 100 Arbeiter sollen zur besten Zeit der Fabrik dort gearbeitet haben. Die Hallen standen zuletzt seit über 20 Jahren leer. Nachdem Hildenbrands Witwe gestorben war, übernahm die Stiftung die Geschicke der Fabrik. Clauer ließ das Areal räumen sowie sichern und suchte Käufer für die Fabrik sowie die frühere Fabrikantenvilla in derselben Straße. Jetzt steigt die Stiftung selbst als Investor ein.
Kunstausstellung
Am Samstag, 20. Juni, wird um 19.30 Uhr die Kunstausstellung „Wandlungen“ in der Palatia-Fabrik eröffnet. Gegen 20.30 Uhr startet eine Performance.