Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Rasenplatz in Pirmasens, maximale Enttäuschung in Bundenthal

Die Einweihung des neuen Rasenplatzes, ein großer Moment für den Sommerwaldverein: von links Hans Pieper (Daniel-Theysohn-Stiftu
Die Einweihung des neuen Rasenplatzes, ein großer Moment für den Sommerwaldverein: von links Hans Pieper (Daniel-Theysohn-Stiftung), Bernhard Matheis (Rheinberger-Stiftung), Steffen Sauer (Vorsitzender SV Rot-Weiß Pirmasens), Udo Orfgen (Ingenieur und Bauleiter), Tobias Leiner (Vorsitzender SV Rot-Weiß) und Michael Maas (Bürgermeister).

Das total verrückte Kerwespiel in Rieschweiler ist eines der Themen von Helmut Igel Kolumne „Tore, Träume, Temperamente“ zum Fußball in der Region Pirmasens.

RW Pirmasens: Erster Rasen nach 59 Hartplatz-Jahren

Nun ist der große, von den meisten Gegnern gefürchtete, weil unangenehm zu bespielende Hartplatz des SV Rot-Weiß Pirmasens endgültig Geschichte. Feierlich wurde am Samstag das neue, etwas kleinere, rasenbewachsene Spielfeld seiner Bestimmung übergeben. „Eine Ära geht zu Ende“, sagte Rot-Weiß-Vorsitzender Steffen Sauer, denn immerhin 59 Jahre war im Stadtteil Sommerwald auf dem harten, braunen Untergrund gekickt worden.

2019 hatte sich die „grüne Idee“ zu einem Grundsatzbeschluss entwickelt. Doch der SV Erlenbrunn und der TuS/DJK Pirmasens waren in der Zuschuss-Reihenfolge vorne dran, zudem bremste Corona die ehrgeizigen Pläne der Rot-Weißen aus. Jetzt misst der grüne Platz 95 auf 55 Meter. Zuvor war dieser 105 Meter lang und 68 Meter breit.

Gleichwohl führt der Weg von Braun zu Grün unweigerlich zu Rot, was die Zahlen auf dem Vereinskonto betrifft. Rund 450.000 Euro kostete das Projekt. 100.000 schießt das Land zu, 50.000 die Stadt, rund 96.000 die Daniel-Theysohn-Stiftung und 50.000 die Rheinberger-Stiftung. Ergo muss der SV Rot-Weiß rund 150.000 Euro aufbringen, um das Projekt zu stemmen.

Ein Mähroboter sorgt (fast täglich) für optimale Rasenpflege. Gesucht wird indes noch ein Platzwart (m/w) und ein guter Draht zu Petrus, der bei Bedarf den Wasserhahn aufdreht, denn „wir brauchen neben guter Pflege und Hingabe viel Wasser“, wie Sauer betont. Vorbei seien indes die Zeiten, in denen die Gegner bereits bei der Platzbesichtigung „ein Tränchen verdrückt“ hätten.

Der TuS Rumbach durfte am Samstag als erster Gast beim 1:1 das Rot-Weiß-Grün genießen. Bürgermeister Michael Maas erinnerte sich bei der Einweihungsfeier an sein erstes Tor, just auf dem Platz am Sommerwald. Maas: „Ich spielte in der B-Jugend als Libero, und es war ein Eigentor. Ich habe geweint.“ Ex-Oberbürgermeister Bernhard Matheis bekannte als Vertreter der Rheinberger-Stiftung: „Ich bin einer der zwei, drei Deutschen, die keine Ahnung von Fußball haben, aber ich schätze den Geist der Rot-Weißen sehr.“

Verrücktes Kerwespiel: Weltmeister reißt alle mit

Dass der Fußball schier unglaubliche Geschichten produziert, ist bekannt. Eine Kostprobe lieferte am Sonntag das Kerwespiel der SG Rieschweiler in der Landesliga gegen die Sportfreunde Bundenthal. Für die Gastgeber lief zunächst alles schief. In der 85. Minute lag die SGR mit 1:4 im Hintertreffen. „Die waren tot“, erzählen die beiden Bundenthaler Spielertrainer Sebastian Reinert und Lukas Hoffmann. Doch dann fiel „aus dem Nichts“, wie Hoffmann sagt, das 2:4. Dies habe bei Rieschweiler einen „unglaublichen Energieschub“ ausgelöst. „Weltmeister Erik Durm marschierte vorneweg, riss alle mit“, schildert Hoffmann die Szenerie in der Schlussphase. „Nach dem 2:4 waren wir nicht mehr in der Ordnung und nicht clever genug“, resümierte Reinert. Und so kam es, dass Simon Hauk, Sven Mayer und Finn Kettenring in den sechs Nachspielminuten dreimal zum 5:4 für Rieschweiler trafen. Sie „retteten“ die Kerwe und stürzten die „Bundaler“ ins Tal der Tränen. „Für uns war das die maximale Enttäuschung“, betonte Hoffmann und Reinert ergänzte: „Da erlebst du Dinge, die es so gar nicht gibt.“

Feldspieler im Tor: Zwei Notlösungen, ein Sieg

Lucca Haas (23) und Marc Schneckmann (24) sind Torhüter. Haas bei der FV Münchweiler, Schneckmann beim SV Hermersberg II. Beide mussten am Wochenende durch einen Feldspieler ersetzt werden.

Schneckmann ist in Hermersberg bei der zweiten, in der A-Klasse spielenden Mannschaft die Nummer zwei hinter Mika Weik. Weil allerdings der Stammkeeper des SVH-Landesligateams, Noah Wächter, am Sonntag fehlte, stand Weik bei der ersten Mannschaft zwischen den Pfosten. Ein weiterer Hermersberger Keeper, Sven Deppert, muss wegen einer Handverletzung pausieren. Dann passierte es. Beim Aufwärmtraining kugelte sich Schneckmann den kleinen Finger an der linken Hand aus. Er musste ins Krankenhaus. Hermersberg II stand ohne Torhüter da. Feldspieler Niklas Kunow rückte ins Tor. „Er hat seine Sache ganz gut gemacht“, sagte der zweite Vorsitzende des SVH, Dirk Schneckmann. Gleichwohl verlor der SVH II nach 2:0-Führung und einem neuerlichen Tor von Erstmannschaftstrainer Christopher Ludy mit 2:3 gegen den TSC Zweibrücken II.

Zu Lucca Haas: 1:0 führte seine FV Münchweiler in der B-Klasse-Partie gegen Vizemeister SG Bruchweiler, als er in der 44. Minute beim Herauslaufen um den Bruchteil einer Sekunde zu spät kam: Notbremse, Rote Karte. „Wir haben gleich drei Torleute, doch die beiden anderen arbeiten im Rettungsdienst und konnten sich nicht freimachen“, erklärt FVM-Spielertrainer Julian Kölsch, warum am Sonntag nur ein gelernter Keeper zur Verfügung stand. Und so rauchten unmittelbar vor der Halbzeit die Köpfe bei der FV Münchweiler, wer denn als Notnagel in den Kasten rücken solle. Die Wahl fiel auf Kapitän und Innenverteidiger Max Dreher. Der 33-Jährige hatte letztens im Kreispokal schon mal ausgeholfen. Münchweiler meisterte die Situation ohne gelernten Torwart ausgezeichnet, legte zwei Tore nach und fuhr den sechsten Sieg in Folge ein.

x